Mittwoch, der 12.3.2025 Rückfahrt nach Montavideo
Ich bin schon deutlich vor dem Wecker aufgewacht, habe mich noch 2-3 mal umgedreht und bin dann aber auch schon aufgestanden. So hatte ich Zeit, gemütlich zu duschen und zu packen. Als ich nachts einmal aufgewacht war, habe ich gehört, dass es geregnet hat, aber das war jetzt zum Glück vorbei.
Und so ging ich dann sehr zeitig durch die noch schlafende Stadt. Es war mittlerweile hell geworden und man hörte das Meer. Es sind keine 2 km bis zum Busbahnhof, also ein gemütlicher Spaziergang. Ich kam an einer kleinen Bäckerei vorbei, die auch schon auf hatte und begegnete wieder mal meinem Spanisch-Problem.
Das Problem liegt natürlich daran, dass ich beim lernen nicht so fleißig war. Aber es gibt noch einen anderen Faktor.
Ich schaute mich in der Bäckerei um, weil ich gerne ein kleines Baguette gehabt hätte. Die Dinger sind so groß wie zwei Brötchen und das wäre ein leckerer Snack für die Fahrt gewesen.
Ich fand es aber nicht (sonst hätte ich ja mit dem Finger drauf zeigen können) Also fragte ich die junge Verkäuferin, ob sie ein kleines Baguette hätte. Und anstatt mit „Ja“ oder „Nein“ zu antworten sagte sie etwas anderes. Wahrscheinlich war es:
Oh, das ist aber schön, dass du hier vorbeischaust. Unsere Baguettes sind sehr lecker und die besten in der ganzen Stadt. Viele Leute fragen danach! Unser Bäcker steht aber nicht so gerne früh auf und backt sie erst so gegen acht Uhr. An manchen Tagen auch gegen neun. Für heute kann ich das nicht ganz genau sagen. Möchtest du etwas anderes?
Ich habe natürlich nichts von alldem verstanden, ahnte aber die Antwort. Ich sagte: keine Baguettes, richtig? Und sie sagte: nein.
Das hätten wir einfacher und kürzer haben können!
Um 7:30 war ich 1/2 Stunde zu früh am Terminal. Außer zwei anderen Fahrgästen war hier auch noch ziemlich der Hund verfroren. Alle Shops hatten noch zu und so setze ich mich gemütlich in eine Ecke wartete einfach.
Ich bin hier ziemlich abwechselnd mit den Busgesellschaften COT und Rutas del Sol gefahren. Heute ist wieder mal COT dran, hier sind die Busse etwas neuer und komfortabler.
Die Fahrt war ok. Zwischendurch hat es leicht geregnet, aber als wir am Terminal ankamen, war alles trocken. Schnell in den Bus und nach Hause (ich habe die gleiche Unterkunft wie am Beginn).
Abfahrtstafel im Busbahnhof
So hindert man Obdachlose daran, hier zu lagern!
Als ich meine Klamotten abgeworfen hatte, bin ich in ein ganz niedliches kleines Militärmuseum gegangen.
Es ist wieder mal so ein Museum. (ich habe da einen Riecher für), wo die Leute völlig überrascht sind, wenn jemand kommt und sich da umsehen will. Ein grimmig aussehender Soldat fragte mich offensichtlich verwundert, was ich da wolle, und musste dann erst mal jemanden suchen, der mir eine Eintrittskarte verkaufte. Mit 50 Peso war das endlich mal ein sehr günstiger Preis in diesen teuren Land.
Es wird von Soldaten betrieben, die auch sehr grimmig aussehen können. Alles ist sehr einfach, aber durchaus interessant. Einen Raum ist der Mission Kambodscha gewidmet, wo offensichtlich Soldaten aus diesem Land zwischen 92 und 93 gegen Pol Pot gekämpft haben.
In einem anderen Raum gibt es Dokumentationen, Fotos und auch ein paar Waffen aus Einsätzen in Mosambik, Angola, Haiti im Kongo und auf den Golanhöhen. Das waren allesamt UN Missionen. Beeindruckend auch der Minensucher, der wahrscheinlich auch in Kambodscha viel zu tun hatte.
Es ist ein wundervolles Gebäude, im Zentrum gibt es eine große Halle, die sich über beide Etagen erstreckt und die ein sehr schönes, wenn auch schmutziges Glasdach trägt.
Ein Raum widmete man auch dem Volkshelden Artigas, der als Vater der Unabhängigkeit Uruguays gilt. Da haben immer alle mitgemischt: Portugiesen, Spanier, Argentinier, Brasilianer und Paraguayer. Das waren mal schwierige Nachbarn.
Die Waffen, die hier ausgestellt werden, kommen bis auf das deutsche G3 dieses Mal glücklicherweise aus anderen Ländern, wie den USA, England, Belgien und Frankreich. Endlich mal nicht Deutschland first. (Später habe ich aber auch noch andere deutsche Waffen gefunden). In dem hier ausgestellten G3 habe ich tatsächlich die Waffe wiedererkannt, an der ich Anfang der 70iger beim Bund ausgebildet wurde. Ich habe beim Anblick echt überlegt, ob ich sie noch auseinandernehmen könnte…..
Spannend fand ich auch, dass in einer Vitrine auch die Waffen der Indigenen gezeigt wurden. Natürlich Pfeilspitzen, aber auch eine Art Streitaxt, wo ein Stein an einen dicken Ast gebunden wurde, der oben eine V-förmige Gabel hatte. Außerdem auch noch diese Kugeln, ich glaub, Bolas heißen die. Sie werden (von Könnern) herumgeschleudert und dann geworfen. Wenn das funktioniert, wickeln sich die Steine um die Füße und bringen das Tier oder den Gegner zu Fall.
Wie gesagt, ein kleines, aber feines Museum. Darin ca. 8 Soldaten. Und ich. Nie habe ich mich in Südamerika sicherer gefühlt.
Danach ging es zum Theater Solis.
Das Teatro Solis ist wohl das älteste, berühmteste und wohl auch beste Theater in ganz Uruguay. Es wurde 1856 gebaut und seitdem auch mehrfach umgebaut. Ich habe mich da zu einer Führung angemeldet, die glücklicherweise in Englisch stattfindet.
Das Theater ist auch direkt am Unabhängigkeitplatz, quasi gegenüber von dem wunderschönen Gebäude mit dem Namen Palacio Salvo. Da, wo das Gebäude steht, soll angeblich der allererste Tango aufgeführt worden sein. Aber das hat erst mal mit dem Theater nichts zu tun.
Wir standen so mit 60 - 70 Leuten im Eingangsbereich und warteten auf den Beginn der Führung. Der Lärm war unbeschreiblich. Allerdings waren kaum Männerstimmen zu hören, sondern eher viele aufgeregt durcheinanderreden Frauenstimmen. Zur Ehrenrettung muss man aber sagen, dass der Raum ziemlich komplett mit Marmor ausgeschlagen war, was der Akustik natürlich nicht zuträglich ist.
Wir lernen ein bisschen das Theater von Innen kennen, es gibt einen Theaterbereich, der für Proben benutzt wird, der aber auch wie ein kleines Theater mit Bühne und Sitzplätzen ausschaut und dann gibt es natürlich den großen Saal. Der ist sehr prächtig und hufeisenförmig geformt. In mehreren Etagen sind die einzelnen Logen und der Erläuterung nach ist das ganze Theater konsequent auf Akustik hin gebaut. Man kann von jedem Platz problemlos der Handlung folgen, ohne dass irgendwelche Mikrofone oder Verstärker benutzt werden.
Allerdings gibt es vor allem im vorderen Bereich Logen, von denen man so gut wie nichts sehen kann. Die werden scherzhaft als Chicken Box bezeichnet, weil da immer ganz vorne Leute sich über die Brüstung geneigt haben, und die haben dann den dahinter Sitzenden, erzählt, was gerade auf der Bühne passiert.
Dank der guten Akustik waren natürlich auch diese Informationen auf allen Plätzen gut zu hören und das er erinnerte halt an Hühner, die durcheinander gackern.
Das war eine nett gemachte, informative Führung!
Du vermutest, dass die Einheimischen Spanisch sprechen, genau wie ich vermute, dass die Deutschen Deutsch sprechen. Wir alle haben ein ausgeprägtes Gefühl des Verständnisses.
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