Dienstag, der 4.3.2025 Montevideo II
Meine neue Unterkunft hier ist eine riesige Wohnung in einem sehr schönen, alten Haus. Von dem Aufzug hab ich ja schon berichtet aber auch die Wohnung ist bemerkenswert. Das Wohnzimmer ist fast 100 m² groß und ist aufgeteilt in einen Sitzbereich, einen Essbereich und eine Art Büro. Im hinteren Teil befindet sich mein Zimmer ein Bad und eine Küche. Wo die anderen Fremdenzimmer sind, kann ich nicht sagen.
Eine Frau habe ich schon kennen gelernt. Die Wohnung ist ideal gelegen, ich bin relativ schnell im Zentrum oder am Meer und auch sehr in der Nähe von den wichtigen Sehenswürdigkeiten. Cool!
Ich war gestern Abend noch eine Kleinigkeit essen und bin danach noch durch die Nachbarschaft gelaufen. Das ist schon verrückt, dass man sowas hier um 9:30 Uhr noch machen kann. Aber bis auf einen Betrunkenen, der mir entgegenkam, war auch nichts Unangenehmes dabei. Hier ganz in der Nähe ist eine große Straße, die wohl auch im Karneval eine wichtige Rolle spielt. Es ist die Avenida 18 de Julio und die Beleuchtung, die ich am Anfang für eine vergessene Weihnachtsbeleuchtung hielt, ist in Wirklichkeit Schmuck für Karneval. So habe ich wenigstens die Reste vom Karneval gesehen.
Die Nacht war schwierig. Ich bin ja schon öfter von Mücken gestochen worden und reagiere da auch ziemlich stark drauf. Dicke Pusteln und manchmal 6-7 Tage lang Jucken sind oft die Folge. Mücken und ich werden nie Freunde werden.
Letzte Nacht bin ich um 1:00 Uhr aufgewacht, weil mich, wie ich später sehen konnte, vier mal eine Mücke (oder vier Mücken) erwischt hat.
Das Jucken war so unerträglich, dass ich ernsthaft daran gedacht habe, mir irgendwo Hilfe zu holen. In meiner Reiseapotheke habe ich noch einen eine kleine Portion Autan akut.
Eine kleine Spraydose, von der ich weiß, dass sie oft hilft. Und tatsächlich, nachdem ich mich fast 1 Stunde damit rumgequält habe, wurde es besser. Allerdings ist die Dose jetzt fast leer. (ich habe sie schon ein paar Jahre) und die Reise hat gerade erst angefangen. Da ich keine Klimaanlage habe, kann ich mich auch nicht so gründlich zudecken, d.h.: der Krieg geht morgen weiter.
Aber jetzt weg von den schlechten Nachrichten zu den guten von heute. Das Wetter: blauer Himmel, wenige Wolken, Sonnenschein. Circa 30°.
Ich gehe jetzt zügig los zum Unabhängigkeitsplatz, der heute von vielen Touristen, die mit bestimmt 15 Reisebussen angekommen sind, geflutet ist. Touristen wie du und ich.
Ich schlendere durch die Ciudad Vieja, die alte Stadt.. Und auch hier ist im Vergleich zu gestern das Leben erwacht. Viele kleine Souvenirstände warten auf das Geld der reichen Ausländer. Mein Ziel ist heute der Markt am Hafen, der im Reiseführer sehr gehyped wird. In der sehr schönen alten Markthalle befinden sich aber ( wen wundert es) nur Restaurants und Souvenirstände. Ich hatte auf einen echten Markt mit Fisch,Gemüse und anderen Dingen gehofft, aber offensichtlich kann man so mehr Geld verdienen.
Im Hafen ist ein riesiger Kreuzfahrer angekommen, der seine Passagiere gerade ausspuckt. Es wirkt, wie eine Invasion!
Und dann hab ich das Museum der Katastrophe von 1972 besucht. In dem Jahr ist eine Maschine von Montevideo aus nach Santiago de Chile geflogen. An Bord war unter anderem eine Sport Mannschaft mit jungen Athleten. Die Maschine ist in der unendlichen Weite, der Anden abgestürzt. Die wenigen überlebenden der Katastrophe haben dann eine unbeschreibliche Zeit von 70 Tagen in der eisigen Kälte der Berge zugebracht, bis sie dann nach dieser langen Zeit gerettet wurden.
Die Suchtmannschaften hatten schon lange aufgegeben, aber zwei Teilnehmern des Teams war es gelungen, bis ins Tal hinab zu wandern, wo Einheimische Ihnen dann Hilfe geboten haben. Die Leute konnten nur überleben, weil sie unter anderem beschlossen hatten, das Fleisch ihrer Toten zu essen.
Es ist eine unvorstellbare Geschichte, aber sie ist wirklich passiert, und hier wird sie ordentlich dokumentiert, um die Ehre der Verstorbenen zu wahren.
Es gibt einen Film über die Katastrophe und man kann auch viel im Internet dazu lesen.
Hier aber die Kurzform: nachdem die Leute verstanden haben, dass von außen keine Hilfe zu erwarten war (sie hatten ein kleines Transistor Radio dabei) haben Sie einerseits den Entschluss gefasst, ihre toten Kameraden zu essen, sie haben aber auch eine primitive Vorrichtung für Trinkwassergewinnung gebaut, und sie haben aus den vorhandenen Materialien einen Schutzraum in dem Flugzeugrumpf geschaffen. Dann wurde das Flugzeug noch von einer Lawine getroffen und verschüttet. Aber auch das konnten die Männer überwinden.
Irgendwann nach den 70 Tagen sind dann zwei von Ihnen aufgebrochen und durch die Eiswüste und auch über 4.500m hohe Berge gewandert, bis sie letztlich einen Bauern getroffen hatten.
Zu der Geschichte gab es ein ganz spannendes Film Dokument, in dem Überlebende interviewt worden und von ihren Erlebnissen berichteten. In dem Museum war dann auch eine kleine Kühlkammer, in die man mit bis zu fünf Personen gehen konnte, um herauszufinden, wie sich -20° anfühlen.
Denn das war die Temperatur, denen die Überlebenden des Fluges ausgesetzt waren. Ich war natürlich auch drin und es war schon sehr beeindruckend. Erst war es kalt, dann wurde, um die Lawine zu imitieren, das Licht ausgeschaltet.
Das ist auch nicht schön.
Dann wurden noch Windmaschine eingeschaltet, die den Fetch darstellen sollten. Der Fetch symbolisiert die gefühlte Kälte bei Wind. Und das ist wirklich kalt. Zum Glück mussten wir nur 2 Minuten aushalten.
Eine andere Story, in dem sehr detaillierten Museum handelt von der Unglückszahl 13. Wie in vielen anderen Ländern und Kulturen gilt sie auch hier als Unglückszahl. Hier einige Beispiele:
- Der Unfall geschah an einem Freitag, dem 13.
- Die Identifikationsnummer des von des Flugzeuges, dass nach den Überlebenden suchte, hatte die Nummer 508 5 + 0 + 8= 13
- Der höchste Punkt, den die beiden, die schließlich die Rettung herbeigeführt haben, überquerten war 4513 m hoch. 4 + 5 + 1 + 3 = 13
- Von den Passagieren in dem Flugzeug waren 13 weniger als 20 Jahre alt
- Im Handbuch des Flugzeuges steht, dass das Flugzeug eine Mindestgeschwindigkeit von 166 km/h braucht, um meine fähig zu sein. 1 + 6 + 6 = 13
- Die Identifikationsnummer des Flugzeuges selber war auch 571, d.h. 5 + 7 + 1 = 13
- Das Flugzeug hatte 13 Sitzreihen
- 36 Jahre nach dem Absturz fand ein Bergsteiger die Geldbörse eines der Opfer. Es waren 13 $ drin.
Ein Hoch auf alle Verschwörungstheorien!
Das Ganze ist eine erschreckende, spektakuläre Geschichte, aber die Aufarbeitung ist sicherlich sehr gelungen.
Schließlich gehe ich noch zum Mirador Panoramico. An einem sehr hohen Gebäude gibt es einen Außenaufzug, mit dem man in den 22. Stock fahren kann zu einer Aussichtsplattform. Hier hat man wirklich einen genialen Blick über die Stadt, den Fluss und das Meer.
Gestern habe ich noch für mich gedacht, dass Montevideo vielleicht nicht zu den Orten gehört, die ich empfehlen würde oder die ich irgendwie gut finde. Natürlich spielt das Wetter eine gewichtige Rolle, weil auch insgesamt dann die Stimmung aller Menschen auf der Straße anders wird. Heute denke ich: schöne Stadt!
Der Rio de la Plata entsteht durch den Zusammenfluss von Parana und Uruguay. Er ist 290 km lang und 220 km breit. Die Flüsse transportieren vor allem nach starken Regenfällen viel Lehm, Erde und andere Stoffe in das Delta, daher ist das Wasser hier immer sehr braun. Der Name (deutsch: Silberfluss) kommt daher, dass hier früher riesige Mengen Silber von den Minen in Potosi transportiert wurden.
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