Donnerstag der 20.3.25 Ciudad del Este
Letzte Nacht in Brasilien. Ich war heute zeitig beim Frühstück und habe gemütlich meine Zeitung gelesen. Dann bin ich zurück in mein Zimmer gegangen und dachte: schön, dass hier so ein sauberes Badezimmer mit einer sauberen Toilette ist. Schön, dass hier so ein sauberes Badezimmer mit einer sauberen Toilette ist. Schön, dass hier so ein sauberes Badezimmer mit einer sauberen Toilette ist.
Dreimal hab ich das gedacht. Heute beim Frühstück habe ich ein Glas Melonensaft getrunken und ich denke, dass der dafür verantwortlich ist, dass ich nun gedacht habe: Schön, dass hier so ein sauberes Badezimmer mit einer sauberen Toilette ist.
Dann habe ich mich vorbereitet, wieder zurück nach Paraguay zu gehen. Das erste Stück werde ich mit einem Uber fahren, dann geht es wieder zu Fuß über den Fluss.
Tolle Bäume
Für den Weg dahinter habe ich meine Wertsachen bis auf das iPad in den Rucksack gepackt und mein Geld und meine Kreditkarten in einen Bauchgürtel, den ich unter der Hose trage. Den Pass habe ich in der Hosentasche und das Handy auch.
Ich habe auch noch ein zweites Portmonee, in das ich mein Restgeld aus Paraguay packe und eine abgelaufene Kreditkarte. So habe ich zur Not etwas, was ich abgeben kann wenn der schlimmste Fall eintritt.
Das Problem ist sicher die von einem Motorrad aus mit einem einzigen Schnitt abzutrennende Schultertasche, die geradezu schreit: hier ist die Kohle drin!
Da sind alles Vorbereitungen auf Ciudad del Este. Man sagt, die Stadt habe keinen guten Ruf und aus der Erfahrung weiß ich, dass man mit Rucksack und Tasche als offensichtlicher Tourist, der alle Habseligkeiten mit sich trägt, ein willkommenes Opfer für Diebe und Räuber ist. Ja, ich bin etwas gestresst.
Die Stadt wurde 1957 unter dem Namen Puerto Flor de Lis gegründet und später in Puerto Presidente Stroesser umbenannt. Nach dem Sturz des Diktators erhielt sie denn den heutigen Namen. Hier leben viele Muslime, vor allem Libanesen.
Das Zentrum der Stadt ist ein riesiger Bazar, auf dem ca. 80% der Aktivitäten illegal sind (Drogen und Waffen). Die Stadt ist eine Hochburg des organisierten Verbrechens und leidet unter den Aktivitäten der Motochorros (Räuber und Mörder auf Motorrädern).
Wikipedia sagt dazu wörtlich: Die geographische Lage und Bestechlichkeit der Behörden machten die Stadt zum größten Zentrum der organisierten Kriminalität des Landes. Ein besonderes Problem sind die täglichen Überfälle und Raubmorde der Motochorros. Die Regierung des Departamentos rief zum 1. März 2024 aufgrund der extrem gestiegenen Kriminalität sogar den regionalen Notstand aus. Die hier verübten Verbrechen haben zur Popularität der Stadt beigetragen. Netflix hat einen Spielfilm daraus gemacht. Auch in „Miami Vice“ war der Ort einmal als Schauplatz vertreten. Der Anteil der Schmuggler unter den Bewohnern wird auf 30% geschätzt. 320.000 Menschen leben hier.
Der Uber kam pünktlich und setzte mich genau da ab, wo ich hin wollte. Als ich hier letztens angekommen bin, war da ein offenes Tor.
Heute war es geschlossen.
Ein Typ gegenüber an der Straße pfiff, zeigte auf mich und danach nach rechts und sagte Duane, Duane. Die Gegend hier ist so, wie man sich das in ganz schlechten Filmen vorstellt. Selbst die Katzen, die hier rumlaufen sehen nicht vertrauenswürdig aus.
Seltsame Leute und der einzige Gedanke bei mir war: weg hier. Ich fand dann auch schnell den Weg zur Brücke und ging rüber. Am Beginn war eine Polizeistation , an dem man offensichtlich verbotene Gegenstände ausstellte, und es waren fast ausschließlich Waffen.
Dann gehe ich mit einem mulmigen Gefühl durch das Chaos, das hier herrscht. Da sind einmal wieder die unzähligen Autos, die die Straße verstopfen, aber es sind auch viele Fußgänger unterwegs. Und dazwischen die Motorräder.
Der Fußweg ist auch oft zugeparkt, so dass ich mit meinem Rucksack kaum durchkomme. Der Weg ist einfach, es sind nur circa 2 km und ich muss bis zu einem Kreisverkehr gehen und da dann links abbiegen. Als ich das tue, sind die Bürgersteige voll mit kleinen Shops. Hier wird alles verkauft, was Rang und Namen hat, es gibt Textilien, Kosmetika, Schuhe, Elektronik: einfach alles.
Es ist natürlich auch hier schwierig, mit dem sperrigen Rucksack durchzukommen und ich selber bin ja auch nicht so schmächtig. Natürlich hätte ich mir die Sachen gerne angesehen, aber ich werde auch oft angesprochen und jetzt will ich mich erst mal in Sicherheit bringen.
Der Geldgürtel um meinen Bauch trägt natürlich auch zu meiner Erwärmung bei und ich bin ziemlich nass geschwitzt, als ich die Unterkunft erreiche. Hier treffe ich nicht den Vermieter, sondern der Pförtner soll mich reinlassen und soll auch das Geld kassieren.
So sollte es sein, aber mein Apartment ist noch nicht fertig.
Shit!
Ich kann meinen Rucksack dalassen aber die Tasche mit meinem iPad will er nicht nehmen. Er vermute da Wertsachen drin und will die Verantwortung nicht tragen. Wenn der wüsste, dass meine Wertsachen eigentlich im Rucksack sind…
Jetzt habe ich anderthalb Stunden Zeit, mich hier irgendwo vor Dieben und Mördern zu verstecken. Tolle Aussicht!
Jetzt ist erst mal alles egal. Ich laufe so durch die Stadt und gehe dann auch erst mal in ein Elektronikgeschäft rein. Hier gibt es alles, was in ganz China auf dem Elektroniksektor gebaut wird. Leider stehen keine Preise dran, aber das Angebot ist schon sehr vielfältig.
Auf der Suche nach einer weiteren Klimaanlage (ich will hier nichts kaufen, ich will nur von der Straße weg und ins Kühle) bin ich auch in ein Anglergeschäft gegangen; auch kein primäres Hobby von mir. Aber schön kühl war es hier.
Das nächste Elektronikgeschäft war noch sehr viel größer als das davor. Hier gab es deutlich hochwertige Geräte zu kaufen, viele Kameras, Elektrobikes, ganze Elektromotoreäder, Drohnen und alles, was das Elektronik-Herz begehrt.
Ein Musk-Mobil für die Kleinen!
Clipper!
Oh und dann schlug mein Herz auch wieder etwas schneller. Ich hatte einen Computer entdeckt, mit dem die Leute hier arbeiten und ihre Bestände verarbeiten. Auf dem Display war eine Maske, bei der ich sofort sah, dass sie im Clipper programmiert war.
Clipper ist eine Programmiersprache, die Anfang der achtziger unmodern geworden ist .
Bis dahin war sie sehr beliebt, weil man damit sehr schnell und einfach programmieren könnte.
Nostalgie pur.
D.h., die Arbeiten hier mit über 40 Jahre alten Programmen. Respekt. In Deutschland ist die Benutzung solcher Programme nicht nur unpopulär, sondern aus Sicherheitsgründen auch schon untersagt.
Der Laden entpuppte sich als Warenhaus. Es gab mehrere Etagen mit Textilien, Sportabteilung und Spielwaren und allem möglichen, was so ein Kaufhaus eben ausmacht. Nicht, dass ich irgendwas kaufen wollte, aber hier liefen relativ viele Wachmänner rum und es war kühl. Also ideal, um hier die Zeit abzuwohnen bis mein Appartement bereit wr.
Dadurch, dass das hier eine Freihandelszone ist, entfallen hier auf die Produkte natürlich auch die Steuern. Das macht es so attraktiv für viele Leute sich hier einzudecken und es ist auch bekannt, dass die Händler gerne Rechnungen oder Quittungen ausstellen die unter 300 $ sind. Das ist nämlich die Zollfreigrenze, wenn man damit in andere Länder reisen will. Allerdings haben die Zöllner auch heraus gekriegt, dass eine Rolex nicht für unter 300 € zu bekommen ist.
Als ich dann um 1:15 Uhr zu meinem Apartment ging, war es fertig. Es liegt in einem älteren Apartmenthaus mit 15 Etagen. Es gibt drei Aufzüge von denen aber nur zwei funktionieren, aber die scheinen Umwege zu fahren, auf jeden Fall dauert es unglaublich lange, bis einer kommt . Das Apartment ist eine kleine Wohnung mit circa 60 m² und besteht aus dem Wohnzimmer, zwei Schlafzimmern, der Küche und einem Bad.
Dazu gibt es noch einen Balkon und zwei Klimaanlagen. Luxus pur! Ich entscheide mich für das Schlafzimmer mit dem Doppelbett und ja, ich bin ein Umweltsünder: ich habe beide Klimaanlagen angestellt.
Schönes Schloss, leider wirkungslos!
Leider funktioniert der Kühlschrank nicht, d.h., kaltes Bier heute Abend wird es nicht geben. Im Wohnzimmer gibt es neben meiner Couch auch einen Tisch mit vier Stühlen. Die Stühle sind original aus Guantanamo.
In schweren Fällen mussten sich Häftlinge dort 1 Stunde auf den Stuhl setzen, dann haben die meisten gestanden!
Ich habe noch nie so unbequeme Stühle gesehen, geschweige denn drauf gesessen. Ganz langsam akklimatisieren ich mich.
Ich bin danach noch zweimal draußen gewesen und muss zugeben, so ohne Gepäck und ohne die ganzen Wertsachen in der Tasche schlendert es sich gemütlicher. So scheint es tagsüber okay zu sein. Es ist wirklich ein unglaublicher Trubel da draußen und im Prinzip ist es wie auf einem türkischen Basar: man darf nichts ansehen, sonst hat man sofort den Verkäufer am Hals und er hört nicht auf zu reden.
Pistole immer dabei!
Ich habe dann noch einen Ausflug in die Nachbarschaft gemacht vor allem auch, um herauszufinden, wo ich heute Abend möglichst in der Nähe von meinem Apartments essen gehen kann. Ich bin dabei auch in Straßen gekommen, wo ich auf dem Absatz kehrt gemacht habe mit dem Gedanken: hier sollte ich besser nicht sein.
Insgesamt fühle ich mich aber sicher, vor allem weil ich nicht so viel dabei habe und mich gut bewegen kann. Taschendiebe gibt es überall aber irgendeine andere Gefahr sehe ich hier, solange es hell ist, nicht.
Vor den etwas größeren Ladengeschäften steht auch immer ein Wachmann mit einer Pistole im Halfter oder mit einem Gewehr. Nicht so schlimm wie in San Salvador, aber auch nicht so friedlich wie in Baden-Baden.
MMeine Suche nach einem Restaurant ist schwierig. Es gibt relativ viele chinesische Restaurants und auch arabische. Lokale Küche: Fehleranzeige. Ich muss nachher noch den Wachmann fragen, der bei uns das Haus bewacht, damit es keiner wegnimmt, vielleicht kann der mir einen Tipp geben.
Apropos Wachmann: der hier ist noch nicht mal bewaffnet und die beiden Bildschirme, auf denen er ca. 50 Überwachungskameras beobachten soll, zeigen, dass gut die Hälfte davon nur Bildstörungen senden.
Aber heute brauchte ich ihn nicht. Ich hatte etwas oberhalb von meiner Unterkunft ein kleines Restaurant gesehen und bin einfach mal auf Verdacht hingegangen und ja, es hatte noch auf. Ich bekam etwas ähnliches, wie gestern, nur die doppelte Menge. Unglaublich! Ich habe dann hinterher gesagt dass es sehr sehr lecker gewesen sei, aber einfach zu viel. Ich habe auch etwas mehr als die Hälfte liegen gelassen, bis auf den Salat.
Ich bin danach noch mal in den Supermarkt gegangen, weil ich vergessen hatte, mir für mein morgendliches Frühstück ein paar Kekse zu besorgen. Mittlerweile war es aber schon stockdunkel und die Stadt machte ihren Namen alle Ehre. Angenehm war das nicht! Viele Männer saßen biertrinkend an der Straße und beobachteten mich beim Vorbeigehen. Das war exakt die Klientel, der man nachts im Dunkeln nicht so gerne begegnet. Aber ich bin heil in meinen Apartmenthaus gekommen und habe die Tür hinter mir abgeschlossen, wohl wissend, dass dieses Schloss nur ein Alibi-Schloss ist.
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