Donnerstag, der 27.3.25 Santa Cruz de la Sierra

Neues Land, neues Spiel!


Bolivien ist ein buntes Land. Bunt vor allem, weil hier viele Völker leben, von denen 36 offiziell anerkannt sind. Sie sprechen dann auch eine eigene Sprache neben der Amtssprache Spanisch. Mit seinen ca. 12 Millionen Einwohnern ist es eines der ärmsten Länder in Südamerika. Benannt ist das Land nach dem Nationalhelden Simon Bolivar. 


Offiziell ist der Name „Estado Plurinacional de Bolivia“ womit die ethnische Vielfalt betont werden soll. 

Das Land liegt zwischen den Bergen der Anden in einem über 3000m hohen Hochland. Größter See des Landes ist auch gleichzeitig der größte See Südamerikas: Der Titicaca, den ich ja schon aus Peru kenne. Die Grenze der Länder geht quer durch den See. Zusammen mit Paraguay ist Bolivien das einzige Land ohne direkten Zugang zur See. Die Hauptstadt ist Sucre, aber die Regierung ist in La Paz. Wir zahlen hier mit dem Boliviano. 10 Boliviano sind 1,40 €, so dass man über den schmutzigen Daumen mit dem Faktor 1,5 rechnen kann. 


Eigentlich ist das heute ein idealer Flug. Ich konnte ausschlafen und frühstücken, relaxed zum Airport fahren und komme am frühen Nachmittag an. Zuerst habe ich mich gewundert, weil der Flug nur 3/4 Stunde dauert, aber da kommt noch die Zeitverschiebung drauf. Aber alles unter 4 Stunden finde ich völlig ok.






Ich hatte einen Gangplatz und neben mir der Sitz war frei und wurde (wieder eine kleine Maschine) von meinem Rucksack belegt. So lasse ich mir das gefallen.




Während des Fluges gab es sogar einen kleinen Kuchen und die unsäglichen Chipa Piru. Das sind so kleine Kringel, leicht salzig, aber sonst sehr geschmacklos. Die sind hier (außer bei mir) ziemlich populär. 

Aber der Kaffee war ok. Wundert mich, dass hier keine Mate ausgeschenkt wurde….










Der Flug verlief problemlos und fast pünktlich landete ich in Bolivien. 


Es fing gut an. 

Gelandet, schnell zur Immigration, schnell zum Zoll, und schnell in die Vorhalle. Dort habe ich auch sofort jemanden gefunden, der mir etwas Geld wechselt, damit ich nicht komplett ohne Bargeld rumlaufe und er hat mir auch gleich verraten, wo ich eine Simkarte herbekommen.

Das dauert dann ein paar Minuten, aber es war wesentlich problemloser als in Paraguay. Genauso problemlos habe ich einen Uber gefunden, der mich zügig in die Innenstadt brachte. Dann wurde es etwas ungemütlicher.


Er setzte mich nämlich an der Adresse ab, die ich aus Booking hatte und ich schaute mich um. Es sah nicht aus wie ein Hotel, und auch nicht wie ein Wohnhaus. Es sollte ein Apartment sein, aber ich fand hier nichts, wo ich klingeln konnte. Ich fragte eine Frau. Sie bestätigte, dass die Adresse richtig ist, aber hier seien keine Apartments.

Doof! 

Ich rief die Nummer an, die in Booking hinterlegt war, bekam aber irgendeine Ansage. Sie rief noch mal an und meine, verstanden zu haben, dass ich nicht genug Guthaben auf meiner Karte habe. Wahrscheinlich kann ich damit nur Internet machen. 


Jetzt stand ich da, mitten in Santa Cruz de la Sierra und hatte erst mal keinen Plan. Dann kopierte ich die Telefonnummer und legte einen Kontakt an, um zu checken ob ich den Vermieter über WhatsApp erreichen kann. 


Zum Glück ging das auch und ich sagte ich stehe vor dem Apartment. Daraufhin meinte sie, (es war eine Frau) dass sie in einer halben Stunde da sei. 


Das macht mich nicht so richtig glücklich, aber was sollte ich machen? Wenig später bekam ich eine Nachricht: ich bin gleich da! 

Ich antwortete: wo? 

Sie antwortete auf der Calle Franzisco. 

Ich sagte nein, ich bin auf der Avenida Busch! Darauf sie: nein du musst zu der Calle Franzisco kommen.

Langsam wurde ich ein bisschen ungehalten, weiß aber, dass einen das hier nicht richtig nach vorne bringt. Sie rief mir wieder einen Uber und fuhr zu der anderen Adresse. 


Dann bekam ich einen Anruf und sie sagte: wir haben ein Problem. Sie wollte in das Apartment gehen , konnte aber die Tür nicht öffnen. Der Hausmeister kann auch erst heute Abend vorbeischauen.


Wie heiß kann die Hölle noch werden? 


Ich war mittlerweile in der Calle Franzisco angekommen und sagte zu ihr: du musst das Problem jetzt lösen. 


Aber alles was ihr einfiel, war, eine andere Unterkunft zu buchen. Aus Mangel an Alternativen tat ich das dann. Ich fand ein kleines Hotel, was sich aber als sehr hübsch herausstellte. Dann bot sie mir an, mir einen Yango zu holen. Das ist eine Alternative zu Uber, nur billiger. Ich war einverstanden, und was dann kam, war nicht Yango, sondern Django.








Nicht, dass das Auto schon mal einen Unfall gehabt hätte. 

Es war schon mal zerstört! 

Das Armaturenbrett hing halb herunter, die Innenverkleidung an den Türen fehlte teilweise und das Lenkradschloss sah so aus, als ob es schon häufig aufgebrochen worden wäre. 


Die Sonnenblende hängen müde herunter und man hätte leicht zwei große Eimer Schmutz aus dem Auto schippen können. Alles klapperte und der Fahrer fuhr, wie man sich das von Django vorstellen würde. Aber er lieferte mich pünktlich ab und ich war erst mal untergebracht.


Wie gesagt, das Hotel war schön, die Mannschaft sehr nett und sprach gut Englisch! Ich warf mein Gepäck ab und sah mich um.

Tatsächlich ein schnurloses Telefon









Es sind nur kleine Straßen mit großem Verkehr. Unzählige kleine Busse und andere Autos verstopfen diesen Teil der Stadt. Es gibt kleine Geschäfte, in denen man alles Mögliche kaufen kann. Leute sind unterwegs und es ist wieder sehr heiß. Es gibt eine kleine Passage mit Souvenirs, aber die Leute sind erfrischend unaufdringlich. Habe ich schon gesagt, dass es heiß ist? 


Auffällig sind auch die vielen Säulengänge an der Straße. So ist man wenigstens vor der Sonne geschützt. 






Einerseits wechsele ich noch etwas Geld, andererseits ziehe ich aber auch was am Bankomaten. Diese sympathische Maschine nimmt keine Provision!! 

Nimm das! Paraguay!


Ich komme an einem Shoppingcenter vorbei und neugierig, wie ich bin, schaue ich mal rein. Es scheint wirklich nur aus Handygeschäften zu bestehen. Eins neben dem anderen; der eine macht Handys der zweite repariert sie. Der dritte macht Bumper dafür und so weiter und sofort. Alle Marken sind vertreten, das einzige, was wirklich fehlt, scheinen Kunden oder Interessenten zu sein. Seltsames Geschäftsmodell. Das Center hat mehrere Etagen, ich bin unten reingegangen, sehe aber, dass es in der Etage darüber auch nicht anders aussieht. 

Die spinnen die Bolivianer!




Am Platz des 24. Septembers (Unabhängigkeitstag) gibt es eine Kathedrale. 










Natürlich musste ich in der Kathedrale in den Turm hoch steigen. Das gehört schließlich zum Pflichtprogramm. Es gibt drei Etagen, die ersten beiden führen auf Plattformen, wo man einen schönen Blick über den Platz oder über die Stadt bekommt. Und in der dritten Etage ist dann die Uhr zu sehen. Es ist schon interessant, von hinten gegen die Zifferblätter zu schauen und man hört auch nicht so laut, wie man sich das vorstellt, dass ticken der Uhr.


















Es ist offensichtlich Tradition, dass auf dem Platz Café con Leche verkauft wird. An dieser Tradition will ich natürlich teilhaben, aber ich trinke den Kaffee lieber ohne Milch. 






Also kriegte ich einen Becher. Nur mit Kaffee und ein kleines bisschen habe ich es bereut. Er war so stark, dass wohl selbst die Milch ihm kaum was hätte anhaben können.

Dafür war genug Zucker drin, um 20 Flaschen Coca-Cola herzustellen. Ob ich heute Nacht schlafen kann? Ich werde sehen.






Der Reiseführer weiß zu berichten, dass es hier hier in der Stadt und vor allem an der Plaza oft Faultiere und auch Affen gegeben hat. Aber die sind oft dem Verkehr zum Opfer gefallen, deshalb hat man sie konsequent weggeholt und in den Zoo gebracht.


Eine andere Besonderheit hier sind viele Stände, wo man Schmuck für Piercings verkauft. Das sind meist Regenschirme, die über und über bestickt sind mit kleinen Schmuckstücken. 


Zuerst habe ich das nicht als solches erkannt und hatte gedacht da wird eine Zahnbehandlung auch offener Straße durchgeführt. 

Nein, da wurde auf offener Straße ein Piercing durch die Wange eines 16 oder 17-jährigen getackert. Hygiene sieht anders aus. Aber wie sagt man so schön: no Risk no Fun!


Ich kann gar nicht sagen, was es ist. Die Stadt hat irgendwie Charme und hat mich schon jetzt für sich eingenommen. Es ist nichts Besonderes, vielleicht beeindruckt mich nur dieses normale, sehr leicht zu sein scheinende Leben hier. Ich gehe mit einem Lächeln durch die Straße und schaue mir alles an.

Laune: perfekt!

Der Fuß macht noch etwas Ärger. Mein Gang ist ja ohnehin nicht so elegant, aber jetzt habe ich noch eine Schonhaltung dazu und das macht mein Gangbild sicher unvergleichlich. Aber es geht. 


Abendessen: etwas mit Nudeln, Gemüse und Fleisch in einem chinesischen Restaurant

Nachtisch: Mojito!




Kommentare

  1. Einige Dinge, die in anderen Ländern ganz normal sind, sind für uns unverständlich.

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