Freitag, 28.3.2025 Erkundung von Santa Cruz de la Sierra

Wieder nicht so toll geschlafen, aber das Frühstück machte es wieder wett. Nachts kühlt es hier ab, so dass man ohne Klimaanlage (aber auch ohne Decke) schlafen kann. Aber tagsüber geht es wieder hoch auf 30°. Wir sind hier auf ca. 500m Höhe, deshalb das milde / warme Klima. Ab Sucre wird es kalt! 












Ganz nah bei meinem Hotel entdecke ich einen kleinen Markt. Äußerlich schwer zu erkennen, aber innen drin wieder mal so eine Perle. Am Anfang gibt es Fisch und Fleisch und weiter hinten dann Gemüse und allerlei andere Dinge des täglichen Lebens. In einem anderen Gang haben sich alle Schumacher versammelt und in einem weiteren alle Näherinnen. Ein kleiner Gang ist mit kleinen Schönheitssalon bestückt. 


Es ist insgesamt relativ sauber und appetitlich. Auch eine Comida gibt es, aber  so kurz nach dem Frühstück gerade fällt das bei mir nicht auf fruchtbaren Boden. Aber es sieht schon sehr lecker aus.










Auf der Straße sind auch viele Werkstätten, hier wird Elektrik repariert oder auch Maschinen. Handwerk hat ja noch eine große Bedeutung. Etwas nervös macht mich nur immer die Knallerei zwischendurch. Aus irgendwelchen Gründen werden hier immer irgendwelche Feuerwerkskracher gezündet. Sobald man aber hört, dass es mehrere sind, unterscheidet es sich schon von einem automatischen Waffe.


An einer anderen Straße stehen viele kleine Stände, wo Empenadas oder Snacks oder Getränke verkauft werden. Wenn man da vorbeigeht, hat man das Gefühl, dass da Bewegungsmelder sind. Jedes Mal, wenn man 1 m davor ist, fängt die Verkäuferin an, ihre Waren waren anpreisen, und wenn man 2 m dahinter ist, verstummt sie wieder. Das wiederholt sich dann beim nächsten und beim übernächsten, bei dem Stand dahinter. …Unermüdlich!


Auf einer Straße an der Plaza reiht sich eine Wechselstube an die andere. Davor stehen Geldwechsler, die das ganze Geschäft schwarz betreiben, aber, ich habe das gestern ausprobiert, sie bieten generell schlechtere Kurse an. 












Auch dieses Geschäft muss mir mal jemand erklären. Die nächsten Schritte führten mich dann eine kleine Kunstausstellung. Sie war in einem schönen, alten Gebäude untergebracht und zeigten ein paar sehr interessante Bilder und Plastiken. 

Und eine große Küchenschabe. 

Aber ich denke, sie gehörte eher zum Personal als zu den Exponaten.






Am rückwärtigen Ausgang stand eine Skulptur, die wohl ursprünglich mal ein Schwein darstellen sollte. (hoffentlich beleidige ich jetzt niemanden). 

Das Konstrukt bestand aus vielen Ketten, die da rum gewickelt waren, und da hatten viele Menschen ihre Schlösser dran fest gemacht oder es war von vornherein Sinn dieses Kunstwerkes. 

Auf einigen sind aber eindeutig Herzen zu erkennen, deshalb denke ich, dass das Liebesschlösser sind. Aber ein nettes Arrangement und dieses Mal nicht an der Brücke, die dadurch eventuell einsturzgefährdet ist.


Und dann hörte ich hinter mir einen Ruf. Zuerst habe ich es nicht verstanden und ich wusste auch nicht, wer da ruft. 


Aber dann erkannte ich es: es war das Abenteuer, dass mich rief! 


Ich folgte dem Ruf sofort und gab in mein Navi Peluqueria ein. Es scheint hier so zu sein, dass sich die Gewerbe irgendwie zusammen tun. So, wie die Geldhändler alle auf einer Straße sind oder an einer anderen Strecke die Brillenhändler so sind auch hier die Friseure alle in einer Straße. 


Ich bin da langsam entlang gegangen und es war fast nie in spanischen Urlaubsorten, wenn man an den Restaurants vorbeigeht. 


Jeder wollte mich zu sich rein locken. Ich entschieden mich aber für den, der am zurückhaltendsten war, und dachte. Na gut: einen Tod muss ich sterben und ging rein. 






Der Meister und ich!

Ich erklärte ihm wort- und Gestenreich, was ich wollte, und er schien es zu begreifen. 

Ein guter Start. 

Dann setzte er mich in einen Stuhl und kippte mich nach hinten. Ich bekam einen Umhang, der die gleiche Wirkung hatte, wie der Kaffeewärmer, die unsere Eltern früher gerne mal über die Kaffeekanne gestellt haben. Draußen waren es vielleicht 30°, aber unter dem Umhang wurden das schnell zu 37°.


Dann machte er sich ans Werk. Als erstes holt er eine uralte Sprühflasche mit einem Gummiball und legte seine Werkzeuge (Schere Kamm und Messer) hin. Dann sprühte er, und gleichzeitig hielt er ein Feuerzeug dran. Das Ding war wie ein Flammenwerfer, und so wurden seine Instrumente sterilisiert. Kann man so machen! Wenn man das Abenteuer sucht. 


Dann holt er seine Maschine, suchte nach dem 4 mm Aufsatz und fing an, den Bart zu stützen. Er tat das sorgfältig, aber sehen konnte ich nichts, da meine Brille mittlerweile komplett beschlagen war. 


Dann ginge es an die Feinheiten. Ich wollte ja auch die Wangen sauber haben und den Halsansatz wieder dahin, wo der Bartansatz hingehört. 


 Er strich erst mit dem Finger über meine Kehle und mir so ein Gefühl dafür zu geben, bis wohin er in Bart komplett abmachen wollte und Strich sich dann mit einer typischen Halsabschneider-Gesten über seinen Hals, um zu bedeuten da wäre die Grenze. 


Es ist aber ein bisschen fremd, wenn jemand, der gleich ein Messer in die Hand nimmt, so eine Geste zu einem macht. 

Abenteuer, hier bin ich! 

Daraufhin hat er mit einer anderen Maschine die Bereiche sauber gemacht. 


Aber er war nicht fertig! Jetzt wurde Schaum angerührt und ein Messer geholt und dann rasierte er mit einem Rasiermesser ganz sauber, die Wangen und den Hals frei. So wie ich das von früher kenne, erst mit dem Strich, dann gegen den Strich. Ein Profi! 


Aber auch dann gab er noch nicht auf. Jetzt mussten noch die Ohrenhaare und die Nasenhaare dran glauben (ja, ist peinlich, aber es ist, wie es ist). Und ganz am Schluss, wie ein Künstler ging er von meiner linken Seite zur rechten Seite, immer wieder hin und her zurück.Schnitt mit der Schere noch einzelne Haare ab und sagte dann irgendwann mal: Bueno. 


Und ich gebe zu, als ich das dann sah, war ich auch zufrieden. Mein Bart hatte vorher schon eher die Ausmaße von dem von Käpt‘n Iglo gehabt, und ich erinnere mich noch daran, wie ich einmal in Namibia Besuch von Kindern kriegte, die mich auch angucken und der eine sagte zu dem anderen: He looks like Santa Claus. Die Gefahr besteht jetzt nicht mehr. Ein netter Kerl, sehr professionell und für die Qualität, die er geliefert hatte, mit ungefähr sieben Euro total billig!


Anschließend bin ich in Richtung Markt gegangen, weil ich da heute Morgen zwei kleine Comitas entdeckt habe, die Fischsuppe verkaufen. 

Die Fischsuppe ist im Reiseführer hoch gelobt worden und ich wollte sie auf jeden Fall probieren. 


Mein Süppchen!

Auch das Grillgut machte einen guten Eindruck!

Das erste Restaurant sah ganz gut aus, war gut besetzt, aber es war nur noch 1 Tisch frei. Ich bestellte die Suppe und steuere auf den Tisch zu. Gleichzeitig tat ein Pärchen das Gleiche, aber ich hatte die Nase vorne. 


Sie schauten sich nach einem anderen Tisch um, aber da war keiner, und ich gab ihnen zu verstehen, dass sie sich gerne zu ersetzen könnten. Das taten sie auch, und wir kamen ein wenig ins Gespräch. 


Sie waren ziemlich neugierig und wollten alles wissen, was ich hier mache, wohin ich reise und wie alt ich bin und dann fragte der Typ mich noch, ob ich hier vielleicht ein Business machen wollt. 


Ich meine angesichts meines Alters wäre das mutig, oder bescheuert. Aber ich habe es ihm dann freundlich gesagt. 


Die Suppe war saulecker! Ich hatte sicherheitshalber nur eine kleine Schüssel bestellt, aber morgen Mittag bin ich ja noch hier, dann werde ich das besser machen.


Nach einer kurzen Pause bin ich dann wieder los und wollte zum Zoo. Im Hotel hielt die Auskunft, wie das anzustellen sei. Bus 58, der an der dritten Straße links losfährt und der Spaß kostet zweieinhalb Bolivanos. Den Anweisungen bin ich gefolgt und habe dem Fahrer gesagt dass ich zum Zoo wollte. Dann fing die wilde Hatz durch die engen Straßen an. Aber so bin ich mal aus dem innersten Kreis herausgekommen und habe etwas von dem Rest der Stadt gesehen








Die Stadt wird weiter, die Straßen werden breiter und der Verkehr wird schlimmer, der Bus fährt unbeschreiblich. Es gibt einige Wohnhäuser, meistens mehrgeschossig mit zehn oder 20 Etagen aber meistens sind es kleine Häuser, wo unten ein Gewerbe ist und oben die Leute wohnen.


Nach einer Viertelstunde bin ich da.


Es ist ein alter Zoo, also aus der Zeit, wo man noch nicht so genau wusste, wie man so etwas tiergerechte anlegt. Teilweise sind es enge Käfige und es schmerzt einen schon, wenn man einen kleinen Condor sieht, der in einem Käfig leben muss. Das hat er nicht verdient. 











Es gibt einen ganz schönen, riesigen Vogelzwinger, in den man reingehen kann, das kommt der Wahrheit schon ein bisschen näher allerdings muss hier ein Kompromiss geschlossen werden: wenn die Tiere genügend Möglichkeiten haben, sich auch mal zu verstecken, kann man sie schlecht sehen. Und so ist es auch hier. 


Lediglich die Papageien mit ihrem bunten Gefieder haben es da schwerer, alle Kollegen in Tarnfarben sind vom Erdboden verschwunden.






Es gibt auch noch einen etwas größeren Kondor in einem größeren Gehege, aber auch da denke ich immer zurück, als ich die Tiere mal in Peru gesehen habe, wo sie über die Anden geflogen sind und ihnen die ganze Welt gehört hat. 










Aber Tagessieger für mich ist der irgendwie schlecht gelaunt wirkende Ameisenbär, der missmutig durch sein Gehege läuft und seine Schnauze wie eine Staubsauger benutzt (so sieht es zumindestens aus) um damit seine Nahrung zu finden. 

Verrücktes Tier, sowas habe ich wirklich noch nie gesehen. Ich habe beschlossen, ihn in meiner Liste der „besonderen Tiere“ aufzunehmen. Was das ist, gehört vielleicht nicht in diese Reisebeschreibung, deshalb füge ich das als Bonusmaterial bei. Siehe unten! 








Es gibt ein kleines Zoomuseum, das besteht aber nur aus einem Raum und ein paar ausgestopfte Tiere werden hier präsentiert. Da ist sicherlich das Gürteltier das interessanteste und vielleicht auch das Faultier. Der Jaguar wird hier als der amerikanische Tiger bezeichnet, wobei ich eher meine, dass das  zwei völlig unterschiedliche Tiere sind. 

Leider darf man die Tiere nicht anfassen das hätte ich bei dem Stachelschwein gerne mal probiert. 


An einem kleinen Teich, auf dem man Inseln für Affen angelegt hatte, konnte ich zum ersten Mal live sehen, wie einer von den kleinen Tieren einen Ast nahm, um etwas aus dem Wasser zu fischen.




In einem Gehege konnte man einen Jaguar sehen. Offensichtlich ein Weibchen, und als ich kam, lag sie im Wasser, und nur ein Teil des Kopfes guckte raus. Auf jeden Fall die richtige Strategie bei dieser Hitze! 










Dann kam sie raus, und man konnte sehen, dass es kein Tier ist, dem man gerne irgendwo begegnet. Er ist meiner Meinung nach kleiner als ein Tiger, zumindest als ein asiatischer Tiger, aber trotzdem ein gewaltiges Tier. Aber auch da wieder sehr schade, weil das Tier, nachdem es aus dem Wasser gekommen war, immer nur am Ufer hin und her lief.


















Und da war dann noch das Gürteltier und (ich hätte das überhaupt gar nicht gesehen, wenn nicht andere Leute mich aufmerksam gemacht hätten) hoch über mir im Baum ein Faultier. Es scheint also wirklich zu stimmen, dass sie hier von der Plaza aus ausgewildert worden sind und jetzt hier frei im Zoo leben.










Die Rückfahrt klappte dann auch nicht schlecht, einmal kurz fragen, wo die Haltestelle ist, dann circa 30 Sekunden warten, und schon kam der Bus. Der Fahrer war in der gleichen Fahrschule wie der von der ersten Tour, und so ging es hektisch durch die Stadt. Von den 1000 Bussen, die es hier gibt, kann ich jetzt einen, die Nummer 58.

Standardpreis scheint wirklich 2,50 zu sein, das kann man sich leisten. Feige, wie ich war, habe ich natürlich vorher gecheckt, was Uber kosten würde. Das wären immerhin über zwei Euro gewesen. So muss ich nur 0,33 € bezahlen und es ist wieder mal ein richtiges Abenteuer.


Letztes Abenteuer für den Tag war dann noch ein weiterer Gang zum Markt. Ich wollte checken, wie lange die Fischrestaurants noch aufhaben, um da heute Abend vielleicht hinzugehen, aber als ich kam, machten sie gerade zu. 


Aber vor dem Markt qualmte noch ein Grill. Ich wollte einen Spieß haben, konnte mich aber nicht ganz durchsetzen und bekam einen Spieß, eine größere Portion Reis und eine kleine Portion Maniok. 




Der Reis war wahrscheinlich ein Milchreis. Seltsame Kombination. Leider war der Spieß zäh und auch nicht durchgegart, deshalb habe ich dann drauf verzichtet. Zehn Bolivianos sind verschmerzbar. Dann habe ich im Markt selber mir noch einen Kaffee geholt und habe da etwas über die bolivianische Zubereitung von Kaffee gelernt. In einem normalen großen Becher gießt man circa zwei Finger breit einer unglaublich schwarzen Brühe und dann kippt man heißes Wasser drauf. Das war’s , der Kaffee, der dann entsteht ist immer noch unglaublich stark und tatsächlich sehr lecker.


Und jetzt noch das: Ich bin heute nicht ganz so viel gelaufen wie vorgestern , aber ich gehe immer noch sehr vorsichtig. Der Fuß ist noch nicht ganz in Ordnung, aber entweder habe ich mich dran gewöhnt, oder er wird langsam etwas besser. Vielleicht braucht er nur ein wenig Zeit!


Santa Cruz de la Sierra ist deutlich größer als La Paz und hat über 2 Millionen Einwohner. Im 16. Jahrhundert gegründet wuchs die Stadt schnell und entwickelte sich zu einem wichtigen Handelszentrum. Im Wesentlichen wurde in der Gegend Tabak, Kaffee und Zuckerrohr angebaut und vertrieben. Santa Cruz  ist die reichste Stadt im Lande und die modernste. Aber es gibt auch eine dunkle Seite. Der Stadtteil Palmasola ist eigentlich eine komplette Stadt. Eine Gefangenenstadt. Es ist ein gigantisches Gefängnis. Spannendes Konstrukt. In der Stadt hat eine richtige Infrastruktur mit Shops und Dienstleistern (alles Gefangene natürlich!) Ca. 6000 Insassen beiderlei Geschlechts leben hier!




Bonusmaterial


Den Ameisenbären finde ich cool. Der inspiriert mich! Als ich in Afrika war, habe ich da auch zwei sehr coole Tiere getroffen. 


Nummer eins für mich war das Zebra. Mit seiner hoch stehenden Mähne und der auffälligen Fellzeichnung ist er für mich der typische Punk, der irgendwo in der Fußgängerzone sitzt und die Leute fragt, ob sie mal ne Mark haben für ihn für Drogen und Alkohol. 

Genauso kommt er für mich rüber. Ein Typ, der die gesellschaftliche Ordnung ablehnt, der aber vielleicht ein Herz aus Gold hat.


Dann ist da noch die Hyäne! Dieser verschlagene Blick, diese Körperhaltung, wenn sie geht: ein Unsympath par excellence. Böse, durchtrieben, hinterhältig! Aber ein Charakter. 

Kein 08/15 Typ. 


Natürlich harmonieren Zebra und Hyäne nicht unbedingt, aber das ist doch der Stoff, aus dem Geschichten entstehen können oder? 


Das bringt uns zur Nummer drei, dem Ameisenbären. Hatten wir nicht alle im Studium einen Typen, der nach 68 Semestern Sozialwissenschaften, zwangsexmatrikuliert wurde und der dann immer erzählt hat, dass er vielleicht Artdirector werden oder irgendwas mit Medien machen wollte. Oder vielleicht ins Diamantengeschäft einsteigen, das soll auch cool sein. 


Leider wurde er durch seine dauernde Kifferei davon abgehalten und hat so nichts auf die Reihe gebracht. Seine Mutter hat ihm immer noch Geld zugesteckt, aber irgendwie hat er dazugehört und jeder hat ihm immer ein Bier spendiert oder ne Kippe, wenn er danach gefragt hat. 


Einer, der so gar nichts auf die Reihe bringt. 


Es kann auch nicht schwer sein, aus diesen dreien eine Story zu machen. All das kam mir in den Sinn, als ich den Ameisenbären so durch seinen Gehege schlurfen sah.Ich erhebe da keine Rechte drauf, wer da eine Geschichte draus machen will, soll es tun.







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