Freitag ,der 14.3.2025 Reise nach Paraguay
Verdammt! Können Dinge nicht einfach sein. Einfach einen Plan ausarbeiten und dann Schritt für Schritt abarbeiten?
Nope!
Aber der Reihe nach.
Ich war schon um 4 wach und bin dann um 4:30 aufgestanden. Dusche, Kaffee, Kekse, Zeitung. Klappt wunderbar. Fertig gepackt. Meinen Schlüssel auf den Tisch gelegt mit einer kleinen Notiz.
Fertig.
Runtergefahren.
Haustüre abgeschlossen. Shit.
Wieder hoch, Schlüssel holen.
Runter, aufschließen.
Hoch, Schlüssel zurückbringen.
Runter und raus.
Laufen zum Bus (mit Rucksack und leichtem! Übergewicht. Ich liebe das.
Bus weg.
Nächster Bus kommt.
6 Haltestellen, bis zu dem Punkt, wo ich umsteigen muss.
Ich zähle.
1, 2, 3, …es kommt mir ziemlich lang und weit vor. Ich gehe zum Fahrer und frage mit meinem perfekten Spanisch, wo ich den Bus 710 finde. Die Haltestelle (Av. Italia y Pte Lorenzo Battle) mochte ich um diese Uhrzeit noch nicht aussprechen.
Er antwortete Wortreich. Ich wies ihn auf meine lückenhaften Sprachkenntnisse hin.
Er zeigte mit dem Daumen nach hinten und machte mit den Fingern eine Geh-Bewegung auf dem Lenkrad. Und dann zeigte er wieder nach hinten.
Fazit: ich war zu weit gefahren und musste zurücklaufen. Er hatte wohl an einigen Haltestellen nicht angehalten.
Shit.
Laufen: die 2.
An den Haltestellen stehen immer Schilder, die anzeigen, welche Busse hier halten. Vom 710 und vom 711 (beide Airport) stand hier nichts.
Ich fragte einen jungen Mann. Der sah spontan die Sinnlosigkeit des Spanisch-Sprechens ein und antwortete direkt auf Englisch. Ja, ich war hier richtig.
Nach 10 Minuten (mein Zeitpolster schmolz und schmolz) kam der Bus.
Busse kosten hier einheitlich 60 Peso.
Ich hatte gestern versucht, meine ganzen Peso loszuwerden, bis auf die 2x 60 Peso, die ich heute brauchte. Aber in weiser Voraussicht hatte ich doch etwas mehr behalten, falls dieser Bus, der ja das Stadtgebiet verließ, mehr kosten würde.
Tat er.
102 Peso.
Aber die hatte ich zum Glück.
5 nach 7 war ich am Airport.
Am Flughafen war ich dann auch schnell am Check in Schalter. Er war sehr leicht zu finden. Die ganze Halle war leer, nur an einem Schalter standen 30-40 Leute. Es gab zwei Schalter, wobei an einem Schalter wohl ein größeres Problem vorlag, denn er war die ganze Zeit blockiert. Nur die Frau an dem anderen Schalter arbeitest ganz in aller Ruhe, die lange Schlange ab.
Die Leute vor mir gehörten größtenteils zusammen und hatten unglaublich viel Gepäck dabei. Ich wusste nicht, dass solche großen Koffer überhaupt befördert werden, aber offensichtlich ging das. Jeder hatte einen Riesenkoffer und einen großen Rucksack und manchmal noch einen zweiten Koffer dabei. Mit der Menge würde ich umziehen, aber nicht reisen.
Ich wartete. Aber alles, was sich bewegte, war der Zeiger auf der Uhr. Ein 3. Schalter wurde aufgemacht (der 2. war immer noch blockiert), aber jetzt kamen Leute mit Express-Check-In - Option von der Seite.
Ich wartete.
Und irgendwann war ich dran.
Der Mitarbeiter suchte und prüfte.
Lange.
Der Uhrzeiger arbeitete wacker weiter.
Er sprach mit einer Kollegin. Dann wollte er mein Ticket sehen. Ich hatte es digital dabei. Kein Problem.
Die Zeit verrann. Seine Kollegin übernahm. Auch sie suchte und telefonierte. Mittlerweile war ich alleine am Schalter.
Ich wartete.
Und dann, kurz vor halb 9, war es soweit. Ich bekam eine handgeschriebene Bordkarte und sogar einen Gangplatz.
Jetzt aber schnell. Im Dauerlauf zur Security. Die erste Hürde war der Eingang, da musste man die Bordkarte scannen. Meine war aber nicht scannbar. Also zum Priority-Gate. Da ließ man mich durch. Zur Sicherheitskontrolle: IPad raus, Flüssigkeiten raus. Weiter? Nein! Uhr aus. Weiter? Nein! Schuhe aus!
Puls 250!
Durch die Security, weiter zur Immigration. 1 Mitarbeiter bei der Arbeit. Der Puls wurde nicht besser. Dann endlich: Stempel rein! Halt! Noch ein Foto. Bitte ohne Brille. Weiter? Nein, Fingerabdrücke!
Und dann war ich durch. Dauerlauf zum Gate 3.
Und hier kam dann der Fangschuss. Ein freundlicher junger Mann nahm mich in Empfang. Er erklärte mir, dass mein Ticket nicht gültig sei für diese Flug. DAs Datum sei der 14. Mai und nicht der 14. März.
Und da ich das Ticket bei Latam gebucht hatte und nicht bei Paranair könnten sie nichts machen. Ich könne nicht mitfliegen und sollte das mit Latam klären.
Ich war wie versteinert.
Er brachte mich zum Zoll und ich reiste wieder ein. Beim Latam-Schalter (ich wollte mal checken, ob wenigstens das Geld noch zu retten war), hieß es: das muss Paranair regeln.
Shit!
Ein neuer Flug geht heute Abend um 21:45, d.h., ich bin nach Mitternacht in Asuncion. Keine gesunde Zeit! Die Nachfrage ergab, dass ich dort spät einchecken kann, weil es einen Schlüsselsafe am Haus gibt. Wenigstens etwas.
Und jetzt? Warten oder in die Stadt fahren. Um in die Stadt zu fahren, brauche ich mehr Bargeld, als die kümmerlichen 150 Peso, die ich noch habe. Da habe ich wenig Lust zu. Und wohin mit dem Rucksack?
Ich habe an der Information gefragt, ob es eine Gepäckaufbewahrung gibt. Ja, ich kann das Gepäck an der Info lassen. Kostet 15 US$.
Ich meinte, das sei ungefähr der Wert meines Rucksackes, aber das beeindruckte das Mädchen nicht. Hier ist aber auch langweilig. Erst neulich hatte ich mit meiner Frau noch den Film „Airport“ gesehen, in dem Tom Hanks die Hauptrolle spielt. Aber ich kann ja wenigstens raus.
Da ist tolles Wetter. Ein sonniger Tag. Aber hier ist nichts. Flughafen, Parkplätze, Wiesen. Der nächste Supermarkt ist 5 km entfernt. Ohne Rucksack wäre das ein netter Spaziergang, Zeit habe ich ja. Aber mit dem Ding auf dem Rücken? Spätestens die zweiten 5 km auf dem Rückweg wären doof.
Trotzdem! Auf den Flughafenfraß hatte ich keine Lust und so ein Spaziergang würde auch die Zeit vertreiben. Ich könnte ja auch (dafür reicht mein Bares noch aus) zurück mit dem Bus fahren. Ich ging erst mal ins Freie, im das Wetter zu checken.
Herrlich!
Ich ging los. Leider schickte mich Google auf einen „gesperrt“- Pfad und aus den 5 km wurden fast 7. Und die gingen natürlich immer an viel befahrenen Straßen entlang ohne irgendeinen Bürgersteig. Aber die Sonne entschädigte einen. Ich brauchte dann auch eine gute Stunde bis ich da war.
Ein kleines Baguette, etwas Wurst, einen Apfel und eine Dose Bier. Oder 2? Ach, egal, ich nehme 2.
Gegenüber war noch ein McDonalds und ich hatte noch 150 Peso in Bar. 50 für ein Eis und 60 für den Bus? Das hörte sich nach einem guten Plan an.
Ich hatte zwar echt Lust, auch den Rückweg zu laufen, aber es wäre doof gewesen, das Restgeld hinterher wegzuwerfen. Ich habe solche Restgeldbestände von früheren Reisen zuhause. Jeden für sich kann man nicht zur Wechselstube bringen, dafür ist es immer zu wenig. Also Busfahren.
Ja, und zugegeben, das war auch einfacher.
Und so machte ich es mir auf dem riesigen Aussichtsdeck des Flughafens gemütlich. Eine Steckdose versorgte meine Geräte und mein Essen und das Bier mich.
Meine Laune wird besser. Solche Dinge passieren einfach. Ich buche die Flüge nicht in einem Zug. Erst mal die großen, teuren Flüge. Und dann fülle ich, je nachdem, die Lücken. Und wahrscheinlich habe ich den Flug nach Paraguay gebucht, nachdem ich den Rückflug im Mai gekauft hatte. Und dann habe ich da nur das Tagesdatum geändert. Shit happens. Und auf solchen durchaus komplexen Reisen gibt es solche Aussetzer nun mal. Pauschal reisen kann jeder.
Und was hilft es. Es ist geschehen und ich muss das Beste draus machen. C‘est vie!
Ich habe mir diese Suppe eingebrockt und ich löffele sie auch aus (bezahlen, einen Tag am Flughafen rumhängen).
Und: ich bin kein Schriftsteller. Geschichten einfach so ausdenken, habe ich noch nie versucht. Ich kann nur Geschichten nacherzählen, die das Leben schrieb.
Und der Tag heute? Na ja, nach dem bereits erzählten war es nicht mehr so spannend. Warten, warten, was essen, ein Bier trinken und warten. Und dann von vorne! 😅
Wenn mal ein Remake von „Airport“ gedreht wird: ich kann mich empfehlen. Reichhaltige Flughafenerfahrung. Vor ein paar Jahren habe ich mal in Melbourne am Airport übernachtet, aber da konnte man wenigstens etwas pennen. Hier ist es schwieriger, wenn ich wohl auch eine halbe Stunde geschafft habe.
Und dann war es (fast) so weit. Ich ging zur Security (dieses Mal war ich der einzige Kunde hier) und durfte sogar die Schuhe anbehalten. Bei der Immigration ging es dieses Mal auch ohne Fingerabdrücke!
Und jetzt sitze ich am Gate. Es ist 20 Uhr und in 1 3/4 Stunden starten wir. Ein langer Tag! Auf nach Paraguay!
Das ist das Leben, sonst hat es keinen Sinn, so zu leben.
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