Montag, 10.3.2025 Reise nach La Paloma

Letzte Nacht in Punta del Diabolo. Das morgendliche Ritual war heute anders. Ich habe viel Zeit, weil der Bus erst um 11:25 geht, aber ich weiß nicht, was ich damit machen soll. Mein SPIEGEL-Abo ist ausgelaufen und ich kann es von hier aus nicht verlängern. Und die Paywall beim Spiegel ist verdammt hoch. So kann ich viele Überschriften nur lesen. Andererseits - Koalitionsvertrag oder Trumpdesaster - auch keine erstrebenswerte Lektüre. 


Der Zoo, in dem ich hier lebe, besteht aus meinen Gastgebern, 2 Kindern, 4 Hunden und 4 Katzen. 

Ein wenig gehöre ich schon zur Familie, weil sich die kleine Katze und der große Schäferhund auf meiner Terrasse völlig ungeniert streiten. Die Katze faucht, aber es scheint, als ob Morena die Kleine nur ärgern will. Er leckt ihr dann auch über den Rücken. 


Das Verhältnis zwischen den beiden kleinen Hunden (ich habe mal den Spruch gehört: alles, was man mit einem Tritt über einen Zaun befördern kann, ist kein Hund!) ist nicht so gut. Hier wird gebellt, gefaucht und gekratzt; dabei ging die Verfolgungsjagd heute auch mal über meine Terrasse. 


Der Tag beginnt friedlich, der Himmel ist blau und  der Wind etwas zurückgegangen. 




Während ich auf meiner Terrasse saß und in die Luft schaute, kam mein Gastgeber mit seinem kleine Sohn und einer großen Tüte. Darin waren 2 Geschenke für mich: eine große Kachel mit dem Bild von Santa Theresa (einer Missionsstation hier in der Nähe) und einer Tasse mit „Punta del Diabolo“ drauf. Das ist sehr rührend und ich habe mich über die Geste total gefreut, aber ich kann es leider nicht mitnehmen. 




Die Tasse kann ich wahrscheinlich retten, indem ich irgendwelche Textilien da reinstopfe, aber die Kachel (40x25 cm und gute 2 kg schwer) wird in meiner Behausung in La Paloma ein neues Heim finden. 


Aber die Story ist noch nicht zu Ende! Wenig später habe ich mich verabschiedet und den Vater nach dem Namen seines Sohnes gefragt: Enzo! Dann habe ich erzählt (mein Spanisch wird laaaangsam besser) dass ich ein Buch schreiben will und dass Enzo darin genannt werden wird. Ich habe noch ein Selfie mit Enzo gemacht und danach bekam ich ein high five und einen Kuss von Enzo. Ich war total gerührt! Eine unglaublich liebe Familie (wohl auch mit sehr freundlichen Hunden). 


Später schrieb er mir noch: „Später, wenn ich das Buch fertig habe, möchte ich es lesen. Ich hinterlasse Ihnen meine E-Mail xxxxx@yyyy.com Vielen Dank, dass Sie sich für unser Haus entschieden haben, es war ein Vergnügen, Sie als Gast zu haben.“


Die Fahrt nach Rocha war unspektakulär. Am Busbahnhof war nicht viel los, der Bus hielt auch nur ganz kurz und schon waren wir unterwegs. Die Fahrt war etwas zäh, weil auf der Strecke viele Baustellen waren. Aber wir waren pünktlich in Rocha, wo eine halbe Stunde später mein Anschlussbus fahren sollte. Im Bus fielen mir die vielen „Masken-Pflicht“ Aufkleber auf den Fenstern auf. Man hat das schon fast wieder vergessen….










In Rocha war meine Wartezeit dann doch länger als vermutet, weil der Bus nicht kam. Es gibt hier nur sechs Bahnsteige, aber hier fahren viele Busse rein und raus und ich warte immer auf die Nummer 22. Das sind so Pappschilder, die die Busfahrer vorne ins Fenster rein hängen oder auch nicht. Man rennt also immerhin und fragt ob er nach la Paloma fährt.

Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Düsseldorfer Busfahrer der Rheinbahn ausgewandert ist und hier seine speziellen Fähigkeiten in „zu spät kommen“ einbringt, denn sonst sind die Busse hier recht pünktlich…..


Da ich genug Zeit habe, kann ich auch die Fahrer beobachten. Sie gehen vor der Abfahrt einmal ums Auto rum und klopfen mit einem Hammer auf die Reifen. Ich denke sie können anhand des Klanges erkennen, ob der Reifendruck stimmt. Das wäre doch mal was für Wetten das oder?


Meine neue Unterkunft in la Paloma ist ganz schön. Es ist eine kleine Hütte, bestehen aus einem Schlafzimmer, einer Küche und einem Bad. Ich habe eine Terrasse und hinter der Hütte auch noch einen geräumigen Grillplatz. 










Alles ist sehr einfach, aber sauber und okay. Das Dorf wirkt, soweit ich es jetzt beurteilen kann, etwas lebendiger, als Punta del Diabolo. Es gibt eine richtige Asphaltstraße auch mit ein paar Läden. Zum Strand sind es 300-400 m aber auch wieder auf Asphalt. (man wird ja so bescheiden) Die Häuser hier wirken bewohnt, nicht so wie die sehr offensichtlich auf Fremdenverkehr ausgerichteten Gebäude in der letzten Stadt.


Mein erster Weg führte mich zum Strand, wo ich mir in einer kleinen Bar erst mal ein Bier gegönnt habe. Scheißt die Wand an: fünf Euro für eine Dose Bier! 






Dann habe ich mir einen gemütlichen Platz im Schatten gesucht, da in den letzten Tagen die Sonne doch etwas heftig war. Ich bin da wahrscheinlich so, wie viele andere Männer auch. Wenn die Ehefrau (wie meine) sagt, man solle doch daran denken, sich vernünftig einzucremen, dann kommt das irgendwie nicht immer an. Als ob man gegen eine Wand redet, sagt meine Frau dann gerne. 


Und ja, auch dieses Mal hat die Wand den Schall irgendwie abgehalten Und jetzt bin ich ein bisschen rot. Deshalb der Schatten. Ich bin ja begrenzt lernfähig!












So einfach am Meer zu sitzen und auf das Wasser zu starren, erdet mich ungemein. Dieser endlose Ozean, dieser endlose schnurgerade Horizont und ein wolkenloser Himmel darüber: herrlich.

Ich kann hier einfach so sitzen. Meine Gedanken fahren Karussell, ohne irgendwo festzuhängen. Und ich finde das unglaublich friedlich, obwohl ich weiß, wie zerstörerisch Wind und Wellen sein können. Aber hier, mit dem Bier in meiner Hand, ist eigentlich alles okay. 


La Paloma ist ein reiner Strandort, an dem die gestressten Menschen der Umgebung chillen. Der einzige, der hier einen seriösen Job macht, ist der Leuchtturm, der die Schiffe vor der flachen und felsigen Küste warnt. Man kann hier nicht viel machen, außer den Bauch in die Sonne zu halten. Genau das habe ich vor, bevor es in die kalten Höhen der Anden geht….

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