Montag, der 24.3.2025 ILLEGAL!!!

Encarnacion, die Perle von Paraguay. Das ist der Marketing-Slogan der Stadt und ich kann es nachvollziehen.

Gerade die Gegend hier im Süden von Paraguay wird gerne von Deutschen als Wohnort benutzt. Ich hatte ja schon gestern mehrere Begegnungen gehabt wo Leute im vorbeigehen deutsch gesprochen haben. Aus meinen Vorbereitungen weiß ich aber auch, dass hier viele deutsche Kolonien (Colonia Parana, Hohenau, Bella Vista, San Bernardino…) sind. Ich hatte ja geguckt, ob ich da mal hinreisen könnte um einfach die Erfahrung zu sammeln. Aber es hat sich gezeigt, dass speziell in diesen Kolonien keine Unterkünfte zu haben sind. Ich denke die Leute wollen da einfach nicht von neugierigen Biodeutschen genervt werden das finde ich fair.










Auf meinem Weg bin ich heute mal über den die Plaza Armas gegangen. Abends ist es hier immer sehr voll, die Anlage wird vor allem von Familien gerne angenommen. Etwas verstörend finde ich die Weihnachtsszene mitten auf dem Platz, weil bei mir auf dem Kalender mittlerweile März ist aber es gibt noch einen kleinen japanischen Garten und ein nationales Monument, einen 195 Jahre alten Baum. Der sieht zwar schon mitgenommen aus, scheint aber noch sehr viel Leben in sich zu haben.

Und dann entdecke ich auch noch ein deutsches Monument, und die Inschrift verrät, dass man sich einerseits über die Immigranten freut. Und dann werden auch noch zwei Deutsche geehrt, die offensichtlich Gutes für die Stadt getan haben. Auf der Inschrift steht auf Deutsch „Unserem Helden Jorge Memmel zum Gedenken an seinen mutigen Einsatz während der großen Sturmkatastrophe über Incarnation am 20. September 1926 . Das gleiche steht dann auch mit dem Namen José Kreßner.


1926 ist hier ein Tornado durchgekommen, der unter anderem mit 250 km/h Windgeschwindigkeit ca. 500 Menschen getötet hat. Es war der heftigste Sturm in Südamerika (bis jetzt).


Und dann begann das Drama. 

Eigentlich wollte ich nur etwas Geld tauschen, weil ich mit der lokalen Währung mittlerweile sehr knapp war. Also ging ich in eine Wechselstube und fragte nach. 

Der wollte natürlich meinen Pass sehen, blätterte dann lange darin herum und dann zeigt er mir die Seite mit den Stempeln von Paraguay. 

Und was ich sah, war nicht schön. 

Ich hatte einen Einreisestempel und ich hatte einen Ausreisestempel, als ich nach Brasilien gegangen bin. 


Als ich wieder von Brasilien zurückkam, hatte mich der Grenzer aber durchgewunken. Er hatte gefragt: Tourist? Ich sagte ja und er sagte an „adelante, adelante! also „geh weiter“. 


Und in dem Moment habe ich nicht nachgedacht. Ich war eh im Stress wegen der vielen Wertsachen, die ich bei hatte und es war heiß und ich hatte noch ein gutes Stück Weg vor mir. Oder, anders gesagt: ich war doof! Ich habe einen Fehler gemacht. Ich hätte auf Kontrolle und Stempel bestehen sollen.


Mit anderen Worten, ich bin also illegal hier. Auch keine schönen Erfahrung, illegal in einem südamerikanischen, korrupten und mit hoher Kriminalität gesegneten Schurkenstaat zu sein.


Ich habe dann überlegt, zur Grenze nach Argentinien zu fahren und dort mit dem Zoll zu reden. Lieber heute, wo ich mehr Zeit habe als in ein paar Tagen am Flughafen in Asuncion, wo eh alles  immer sehr stressig ist.


Schöne Scheiße. An der Grenze ist eine junge Frau und ich erkläre ihr kurz mein Problem. Sie sagt, dass sie mich dafür bestrafen muss. 50 $ würde der Spaß kosten. 

Das war mir egal, Hauptsache die Papiere sind in Ordnung, wenn man soweit von zu Hause entfernt ist. 

Aber ganz so einfach sollte es nicht sein. Sie erklärte mir, dass sie ein Schriftstück aufsetzen muss das würde sie mir zuschicken und dann müsste ich bezahlen und dann würde man meinen Pass in Ordnung bringen. 












Ich erklärte ihr, dass ich morgen schon nach Asunción will und es lieber gleich bezahlen würde. Sie waren auch so freundlich und sprach mit anderen Kollegen und dann macht man eine Hauruck-Aktion. 


Die Strafe war wohl in Dollar definiert, musste aber im Guarani bezahlt werden. Die Grenzbeamtin organisierte dann einen zwielichtigen Geldtauscher, der zuerst das Geld nicht tauschen wollte, weil er nur 100 $ Noten annehmen wollte. Dann hat er sich aber doch auf Kleingeld eingelassen.


Dann wurde mit großen Aufwand eine Quittung ausgestellt und nach langem Hin und Her wurde der Pass korrigiert.


Die ganze Prozedur hat über 1 1/2 Stunde gedauert und so bin ich froh, dass ich das heute schon hinter mich gebracht habe und nicht demnächst  in aller Hektik am Flughafen. 


Als ich endlich über die Grenze gekommen bin, musste ich auf den Bus warten. 


Aber die Busse, die jetzt kamen, waren alle schon voll. Und voll ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Da passte keine Hand mehr zwischen. Hier an der Grenze ist Encarnación sehr vergleichbar mit Ciudad del Este. 


Ich weiß nicht, ob es hier zollfrei ist, aber auf jeden Fall sind die Produkte in Paraguay deutlich billiger als die in Argentinien. Das bringt die Argentinier dazu, hier in Massen aufzuschlagen und billig billig Textilien, Zigaretten, Haushaltsgegenstände, Elektronik und alles mögliche andere Zeug zu kaufen. 


Nicht viel anders als wir damals wenn wir nach Venlo gefahren sind und dort Zigaretten, Butter, Kaffee und Sprit ergaunert haben. 

Jetzt scheint aber gerade so eine Rückreisewelle begonnen zu haben. Die Leute, die hier irgendwie die Grenze kommen, haben alle riesige Mengen von Plastikbeutel bei sich, in denen sie ihre Beute verstaut haben. 














Und die verstopfen jetzt die ganzen Busse. Da habe ich wenig Lust zu, deshalb denke ich: mein Pass ist okay, auf Argentinien habe ich jetzt keine Lust also fahre ich wieder zurück. 

Gedacht und getan, bin ich dann auf die andere Seite der Grenze gegangen und dort ordentlich mit Stempel wieder nach Paraguay eingereist. 


Ich habe mir dann dieses Shopping Paradies ein bisschen angesehen, aber in der Hitze war das auch so eine 3. Ich bin wieder zurück zur Grenze, um dort den Bus zu erwischen, der mich wieder zurück zum Terminal bringt.


Einerseits ist es ärgerlich wegen des Geldes, aber andererseits ist das nichts im Verhältnis zu dem Ärger, mit ungültigen Papieren soweit weg von zu Hause zu sein. Ich habe erst eine Kleinigkeit gegessen am Busbahnhof, wo es ein paar Stände gibt mit diesen leckeren Spießchen. 

Nachmittags bin ich dann zum Strand runter, habe mich dort in die Sonne gelegt und bin auch mal im Rio Parana gewesen. Während ich da war wurde eine Bühne aufgebaut. Deshalb bin ich abends dann noch mal dahin gegangen und da wurde offensichtlich eine große Show vorbereitet. Es war viel Polizei da und selbst bei solch einer Massenveranstaltung war es eine sehr sichere Atmosphäre. Ich mag diese Stadt! Um den ganzen Schmerz zu vergessen habe ich mir dann noch einen Caipirinha gekauft und mich an den Strand gesetzt und der Sonne beim untergehen zugesehen. Auch nicht schlecht!



















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