(Rosen)Montag, der 3. 3. 2025 Montevideo

Letzte Nacht bin ich um 3:00 Uhr aufgewacht, weil ich dachte, einen Schuss gehört zu haben. Aber dann stellte sich heraus, dass es nur der scharfe Knall eines Gewitters war, dass gerade über dem Ort hütete. Es regnete stark und blitzte und donnert. Ich habe dann (gelernt ist gelernt), die Sekunden gezählt zwischen dem Blitz und dem Knall. Ich bin maximal bis zwei gekommen. Es hat schon gestern Mittag angefangen zu regnen, aber es war mehr so ein normaler Regen, kein Starkregen. Man konnte mit kleinen Pausen immer noch etwas unternehmen und draußen herumlaufen. Irgendwann bin ich dann trotz des Donners eingeschlafen und morgens mit dem starken Regengeräusch wieder aufgewacht.


Da ich Frühaufsteher bin, gehört die Dusche mir. Diese Unterkunft hat ein Gemeinschaftsbad, dass ich mit 2 anderen Leuten teilen muss. Aber so herum ist es okay. Ich war dann auch der erste beim Frühstück und konnte in Ruhe meinen Kaffee trinken. Der hatte natürlich die gleiche Qualität wie gestern Und tat sehr gut

Ich hatte überlegt, mit dem Taxi zum Bus zu fahren, dachte aber, dass es so schlimm nicht werden würde. Ich habe einen Regenponcho, den ich mir überzog und den ich notdürftig auch über den Rucksack streifte.


Die Idee war so mittel.


Auf dem Weg zum Bus schritt ich durch circa 2 cm tiefe Bäche. Das waren keine Bäche, sondern das war das Wasser auf der Straße, das nicht abfließen konnte. Meine Sandalen sind keine Original Trekking-Sandalen, sondern eher so bequeme Schuhe. Wenn sie einmal nass sind, sind sie nass. Aber das passt auch zu mir. Der Poncho ist relativ kurz, so dass meine Hose auch nass ist. Oben rein ist auch Wasser gelaufen, mit anderen Worten: ich bin ziemlich nass. 




Aber bei 25° ist das eher ein Luxusproblem und ich glaube, dass das alles bald wieder trocken ist. Es regnet unentwegt und ich hoffe, dass es in Montevideo besser ist.


Der Bus ist, wie in den Foren beschrieben, ein moderner, komfortabler Reisebus. Bequeme Sitze, Klima, sehr sauber. Ein großer Unterschied zu den Bussen in Mittelamerika (Stichwort: chicken-bus). 


Mein Rucksack muss unten rein und kommt da hoffentlich nachher auch wieder raus. Ich trenne mich ungern von meinem Gepäck. Ich bin immer noch nass und draußen regnet es Hunde und Katzen. Angeblich ist heute in Düsseldorf schönes Wetter, irgendwas mache ich falsch. 😩


Die Fahrt ist langweilig. Vom Dach des Busses fließt unentwegt Wasser die von innen beschlagenen Scheiben hinab, so dass man nicht viel sehen kann. Uruguay scheint grün zu sein. Viele Wiesen und Felder, Buschwerk. Keine Ortschaften, höchstens mal einzelne Häuser. Es ist es regnet. Viele Felder stehen unter Wasser. 


Aber jede Fahrt geht mal dem Ende entgegen. Etwas verspätet erreichen wir das Busterminal in Montevideo.


Busterminal?






Dieses Busterminal ähnelt eher einem modernen Flughafen. Eine große Halle mit Shops und vielen Ticket-Schaltern, Restaurants, Cafés…..beeindruckend. 

Ich kaufe schnell mein nächstes Ticket nach Punta del Este  und gehe dann zum Ausgang. 5 Minuten später steht ein Uber vor mir und bringt mich zu meiner Unterkunft. 


Es regnet übrigens. 


Es ist ein altes Haus mit einer ca. 3m hohen Türe. Innen ist ein Aufzug aus der Zeit, als es noch keine Aufzüge gab. Eine Metallkonstruktion, bei der ich vergeblich nach dem Datum der letzten Prüfung suche. Es gibt 2 Scherengittertüren, die man nacheinander beiseite schieben muss. Und wenn man dann auf den Knopf drückt, schiesst der Aufzug direkt los und erreicht nach ca. 1/1000 Sekunde seine Höchstgeschwindigkeit. Das Anhaltemanöver ist entsprechend. 

Man könnte gut Eintritt nehmen für das Gerät. Aber immer noch besser, als Treppensteigen(5. Stock)

Es gibt hier in diesen Ländern übrigens keine Namensschilder an den Klingeln. Unten ist eine Klingeltafel mit den Wohnungsnummern. Das reicht. Ich wohne in 501.






Meine Vermieterin hat mir eine tolle Aufstellung der Sehenswürdigkeiten geschickt, die ich mir unbedingt ansehen muss. Also habe ich mich auf den Weg gemacht, bin aber nach 200 m umgekehrt, weil es zu stark regnete. 


Leichtsinnig, wie ich war, bin ich ohne die Regenpelle losgelaufen. Also wieder zurück und die Poncho anziehen. Eigentlich war der Spaziergang ganz schön, weil die Luft sehr frisch war und eigentlich war es auch nicht zu warm. Eigentlich, weil unter dem Poncho ist es natürlich immer ziemlich feucht-warm. 










Ich bin in Richtung Plaza de Indepencia gegangen, dann weiter zur Kathedrale und schließlich in die wohl sehr beliebte Fußgängerzone Ciudad Vieja. Überall war aber ziemlich der Hund verfroren, wahrscheinlich wegen der Kombination aus Regen und Karneval. 














Was ich nicht wusste, war, dass Karneval hier am meisten im Januar gefeiert wird, während jetzt die Tage um Rosenmontag nicht mehr wichtig sind. 


Im Januar sind wohl Paraden, aber jetzt finden die Veranstaltungen immer nur in geschlossenen Räumen statt. Wie bei uns, ist auch viel Politik im Spiel und man macht sich über „die da oben“ lustig. 


Ich bin dann noch runter zum Wasser gegangen, an dieser Stelle mündet der Rio de la Plata ins Meer und wenn ich geradeaus schaue und wirklich wirklich weit gucken könnte müsste ich Kapstadt sehen können. Aber bei dem Wetter ist das illusorisch.




Wenn ich so durch die Straßen gehe, sehe ich leider relativ viel Unrat und öfters auch Obdachlose, die irgendwo liegen und schlafe. Es gibt unwahrscheinlich schöne, alte Häuser, mit aufwändigen Türmen und / oder Verzierungen. 


Daneben gibt es aber auch ziemliche Bruchbuden oder sehr funktionale Neubauten. Es ist ein bunter Mix, aber auch wie zum Beispiel in Barcelona oder in anderen Großstädten sind die Häuser hier sehr viel höher. Das Haus, in dem ich wohne, hat sechs Etagen plus ein Dachgeschoss und wie gesagt, die Türen sind circa 3 m hoch und damit sind die Decken auch noch ein Stückchen höher. 


Ich kann noch gar nicht sagen, ob ich die Stadt schön finde (wobei schön ein seltsamer Begriff ist), das liegt aber auch daran, dass der Regen und auch die dunklen Wolken die Stadt bei weitem nicht in ihrem besten Licht zeigen. Ich hoffe, dass es morgen besser wird.


Und plötzlich: Peng! hörte es auf, zu regnen. Keine 2 Minuten später kam die Sonne raus und Montevideo mauserte sich vom einer Depri-Stadt zu einer charmanten Metropole. 


Montevideo liegt am Rio de la Plata und hat ca. 1,5 Millionen Einwohner. Die ersten Bewohner kamen aus Buenos Aires, weitere folgten von den Kanarischen Inseln. In Bezug auf die Lebensqualität liegt Montevideo weltweit auf Platz 78 und bei den lateinamerikanischen Ländern auf Platz 1. Gegründet wurde die Stadt im 17. Jahrhundert. Am Anfang gab es hier nur Verteidigungsanlagen und Kirchen aus Stein, alle anderen Gebäude waren aus Holz, luftgetrockneten Ziegeln und Häuten. Es gibt hier einen Hafen, der in der guten alten Zeit ein wichtiger Landepunkt für Sklaventransporte war. Während des 2. Weltkrieges suchte hier auch der Zerstörer Graf von Spee Schutz (Uruguay war neutral). Der Druck auf die Besatzung war aber riesengroß, so dass man sich entschloss, das Schiff vor Montevideo selbst zu versenken. Wenn man sich im Internet die Liste der berühmten Personen der Stadt ansieht, fällt auf, dass es im 19. Jahrhundert Politiker und Künstler waren, ab 1950 sind es eigentlich fast nur noch Fußballer….


Heute ist Rosenmontag! 

Kommentare

  1. Ein Spaziergang im Regen hat eine besondere Charme.

    AntwortenLöschen
  2. Jedes Mal, wenn ich deine Artikel lese, beschreibst du immer alltägliche Dinge so interessant. Zum Beispiel den Fahrstuhl.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Freitag, 9.5.2025 Rückreisetag

Sonntag, den 2.3.2025 Tulpensonntag

Mittwoch, der 19.3.2025 Cataratas do Iguaçu