Samstag, der 1.3.2025 Colonia del Sacramento / Uruguay
Gestern Abend hatte ich noch das Projekt Gönnjamin. Mein Vermieter hatte mir ja ein Restaurant empfohlen und man kann ja nicht in Argentinien gewesen sein, ohne einen argentinisches Steak gegessen zu haben. Also Augen zu und durch. Das Restaurant sah schon mal vielversprechend aus. Vorne ein riesiger Grill mit leckeren Fleischstücken drauf und ansonsten ein großer Saal mit vielen Tischen, der auch zu der frühen Zeit (8:00 Uhr) gut besucht war. Man Vermieter hatte zwar gesagt, dass das Restaurant billig sei, aber das ist natürlich ein dehnbarer Begriff.
In der riesigen Speisekarte fand ich aber schnell ein Stück Fleisch, das zu mir passte und ein Bier. Das Bier wurde tatsächlich in einem Sektkühler serviert, das hatte er irgendwie Klasse. Die riesige Fleischportion kam dann auf einem Rechau, dass unten drunter mit glühende Kohle beheizt wurde. Mit Fleisch umgehen können die hier. Ich hatte mir dazu Pommes Frites bestellt, aber das war ein Fehler. Die Fleischportion alleine hätte völlig gereicht. Lecker! Allerdings habe ich auch Dieses Unwohlsein verspürt. Irgendwie finde ich es doof, alleine in einem Restaurant zu sitzen und zu essen. Was ich mit meiner Frau oder mit Freunden total genieße, geht irgendwie alleine nicht. Deshalb bevorzuge ich immer in Asien zum Beispiel die Gartenküchen oder jede Art von Imbiss Restaurant in anderen Ländern. Das ist dann mehr Nahrungsaufnahme, als Essensgenuss. Alles zu seiner Zeit!
Zum Schluss dann noch ein leicht bitteres Ende. Meine Kreditkarte von Santander ist die zweite, die hier offensichtlich ihren Geist aufgibt. In Spanien habe ich noch damit bezahlt, aber hier werden die Zahlungen abgelehnt. Die Karte ist also nicht gesperrt, ich kann nur nicht damit zahlen.
Bei einer Kreditkarte ist sowas natürlich nicht toll. Jetzt bin ich wirklich langsam gespannt, wie es weitergeht. Mir ist in den vergangenen Jahren ja zweimal mein Portmonee gestohlen worden, seitdem habe ich immer noch in den Tiefen des Rucksacks eine zweite / dritte Kreditkarte versteckt und auch etwas Bargeld. Aber auch dieser Fundus ist natürlich endlich, wenn jetzt zwei Kreditkarten weg sind, wird die Luft schon etwas dünner…
Ich habe für heute keinen konkreten Plan, sondern ich will mich einfach nur umsehen. Die Stadt ist um diese Uhrzeit noch ruhig und die Temperaturen nahezu moderat. Ich komme an einem Regierungsgebäude vorbei, das mit sehr massiven Stahlzaunelementen und viel Polizei abgesichert ist. So richtig Frieden scheint hier nicht zu sein.
Ich besuche noch einmal den Plaza de Majo, wo Evita ihre Reden gehalten hat, und gehe dann in die Richtung Monserrat.
Es ist vielleicht nicht so einfach nachzuvollziehen, aber auch diese kleinen Straßen mit kleinen Gebäuden haben einen gewissen Charme.
Dann geht es wieder zurück in mein Apartment, ich packe alles und lege mich noch mal kurz hin. Dann kommt eine Message: der Vermieter kann nicht zum auschecken kommen. Ich soll das Apartment abschließen und den Schlüssel dann durch ein kleines, vergitterte Fenster in der Türe rein werfen. Aber ich soll darauf achten, dass die Türe unten auf ist, weil ohne den Chip am Schlüsselbund komme ich nicht raus. Ich soll einfach irgendwas dazwischen klemmen, damit sie nicht zufallen kann.
Das ist einfacher gesagt, als getan. Ich habe keine Lust, meinen Rucksack als Türstopper da unten hin zu stellen und dann nachträglich den Schlüssel durch die Türe zu werfen, aber was anderes war nicht vorhanden. Ich habe nicht das Vertrauen, dass der Rucksack hinterher noch da ist.
Unten war der Hausmeister dabei, den Flur zu putzen. Ich erklärte ihm meine Lage, aber weder die zehn Worte spanisch noch die 30 Worte Englisch, fielen auf fruchtbaren Boden. Zum Glück kam eine Bewohnerin die Treppe runter, und offensichtlich fragte er sie, ob sie Englisch spreche.
Das tat sie, und sie verstand auch sehr schnell mein Problem und versprach Hilfe. Mit freundlichen Leuten gelingt vieles.
Der Weg war anstrengend mit dem Gepäck, aber noch etwas über einer halben Stunde erreichte ich den Hafen.
Im Terminal ging es ziemlich professionell zu. Ich Check da ein und ging dann zur Immigration. Eine sehr freundliche Zöllnerin begrüßt mich nach einem Blick in meinem Pass mit guten Tag und wie geht es?
Das war schon ein sehr guter Start, und hinterher verließ sie tatsächlich ihr kleines Häuschen und brachte mich persönlich zu der Zollstelle von Uruguay. Auch dieser Zöllner war sehr freundlich und 10 Sekunden später hatte ich meinen Stempel.
Beim Boarden war ein ziemliches Chaos. Die Schlange ist circa 300 m!!! lang und alle sind diszipliniert daher kann ich mich leider nicht vorpfuschen.
Aber dann geht das boarden einigermaßen zügig und wir strömen alle in den Schiffsraum der riesigen Fähre. Ich bleibe auf dem unteren Deck und finde auch bald einen Platz.
Die Fenster sind von außen. Die Fenster sind von außen mit einer Folie beklebt, um die Sonnenstrahlen weg zu halten. Innen sind sie beschlagen und außen außerdem noch schmutzig. Man erkennt klar, dass draußen Licht ist, aber mehr auch leider nicht. Schade, da ich ja Fahrten mit Schiffen immer sehr liebe, aber das entspricht eher der Fahrt mit einer U-Bahn.
Mit etwas über 1 Stunde Verspätung kommen wir in Colonia de Sacramento an. Mein Hostel ist circa 1 km vom Hafen entfernt und schnell bin ich da. Über einen schmalen, engen Gang kommt man in das weiter hinter der Straße liegende Haus, dass den treffenden Namen Casa Calma trägt.
Man geht durch eine Küche und kommt in einen kleinen Hof, an dem drei Zimmer liegen. Es gibt einen Gemeinschaftsraum und zwei Gemeinschafts - Badezimmer. Mein Zimmer ist einfach eingerichtet, hat aber eine Klimaanlage. Die Temperaturen gehen hier nachts auf 26° runter, da ist eine Klimaanlage ganz hilfreich. Es ist eine kleine Stadt, soweit ich das bis jetzt sehen kann und sie besteht nur aus ein paar Straßen. Neben dem Fährhafen, an dem ich angekommen bin, gibt es auch noch einen kleinen Yachthafen. Das scheint das Zentrum der Stadt zu sein.
Aber erst mal muss ich noch ein paar Dinge erledigen. Erst mal suche ich eine Bank um endlich mal Bargeld zu bekommen. Das gelingt mir auch, ich kann 200 $ abheben und auch noch mal 5000 Peso. Ein guter Anfang. Der Dollar ist hier in Südamerika überall gerne gesehen und wird auch schon mal bevorzugt vor der lokalen Währung. Bei der Gelegenheit konnte ich aber feststellen, dass meine Karte von Santander tatsächlich nicht funktioniert.
Und dann machte ich mich auf die Suche nach einer Simkarte. Hier spricht so gut wie niemand Englisch, also muss ich versuchen, mit den wenigen Worten, die ich kann, irgendeinen Satz zu bilden. Das reicht aus, um eine Karte zu kaufen, aber in den ersten Laden wollte der Verkäufer nicht die Registrierung für mich durchführen.
Das habe ich allerdings noch nie erlebt, in allen anderen Ländern wurde immer die Karte umgebaut und auch registriert. Also ging nicht weiter und suchte einen zweiten Laden. Der verstand mich dann irgendwann auch, verkauft die mir die Karte und tippe dann irgendwas in sein Telefon ein. Ich fragte ihn, ob die Karte ‚finito‘ sei und er nickte.
Nun bin ich zurück in meine Unterkunft, baute die Karte um und alles sah auch erst mal ganz gut aus. Nur das Internet funktionierte nicht. Ich checkte die Einstellungen, aber nichts passierte.
Also ging ich wieder zurück und mit einem Mix aus Englisch und Spanisch und der Hilfe einer freundlichen Kundin gelang es dann, die aufwändige Registrierung durchzuführen. Jetzt wird alles etwas einfacher.
Abends füllte sich die Stadt und auch die Kneipen waren voll. Von Karneval keine Spur, aber gute Stimmung. Ich aß eine Kleinigkeit, ging noch am Hafen spazieren und dann in mein Hostel.
Mit 3,4 Millionen Einwohnern leben in Uruguay ungefähr so viele Menschen wie in Berlin. Allerdings leben hier auch ca. 12 Millionen Kühe. Es ist das kleinste Spanisch-sprechende Land in Südamerika. Die europäischen Siedler haben bei ihrer Ankunft Rinder und Pferde in der weitläufigen Pampa ausgesetzt und daraus haben sich riesige Herden und damit auch der Wohlstand des Landes begründet. In Bezug auf Sicherheit und Wohlstand ist es die Schweiz Südamerikas. Mit 98 % hat das Land die höchste Alphabetisierungsrate in ganz Südamerika (88% in Deutschland). Der Name kommt von dem ca. 1800km langen Fluß Uruguay, der, zusammen mit dem 3200 km langen Paraná schließlich den Río de la Plata bildet.
Hier leben überwiegend Nachfahren der europäischen Einwanderer und Mestizen, sowie die Nachfahren der afrikanischen Sklaven. Das Gebiet wurde wahrscheinlich ca. 7000 Jahre BC von kleinen Nomadengruppen besiedelt, aus denen sich später die Charruas bildeten. Aber die ursprünglichen Einwohner sind Mitte des 18. Jahrhunderts komplett ausgerottet worden. Eigentlich wird hier eine Mischung aus Portugiesisch und Spanisch gesprochen, doch die Amtssprache ist Spanisch. Bei den politischen Indizes gilt das Land als sehr stabil, es herrscht eine vollständige Demokratie, die Menschen hier sind frei, Pressefreiheit ist zufriedenstellend und die Korruption ist vergleichbar mit der in Deutschland. Schwerpunkt der Wirtschaft ist Landwirtschaft mit dem Schwerpunkt Viehzucht.
Uruguay ist ein friedliches, fröhliches Land. Ein beliebter Spruch hier ist: Uruguay hat keine Vulkane, keine Erdbeben, keine Terroranschläge, also „nichts, worüber man sich beschweren könnte, außer dem Wind am Strand.“
Die Währung hier ist (wie fast überall in Südamerika) der Peso. Allerdings ist es der Uruguayische Peso (Ich habe noch nie ein Wort geschrieben, in dem ein „y“ und ein „i“ hintereinander vorkamen). Über den schmutzigen Daumen sind 100 Peso 2€, das macht das Rechnen leicht. Ich rechne aber immer nur am 1. oder 2. Tag, weil es besser ist, ein „Gefühl“ für die Währung zu entwickeln. Etwa in der Art: Ist eine Taxifahrt über 8km für 300 Peso ok? Oder ein Bier für 180 Peso? Das ist einfacher, als immer zu rechnen.
Während meiner Vorbereitung fiel mir dann noch was anderes auf. Auslöser war, dass ich in Montevideo riesige Probleme hatte, eine Unterkunft zu finden. Alles war ausgebucht, nur noch relativ teure Zimmer weit außerhalb des Zentrums waren zu bekommen. Bei Airbnb das gleiche Bild. Dann kam ich mal auf die Idee, in den Kalender zu schauen.
Karneval.
Die Antwort war Karneval. Karneval ist hier eine 3-monatige Endlosfolge von Paraden und Fiestas. Es gibt unzählige kleine Kapellen, die die südamerikanische Musik mit heftigem Getrommel verbinden. Diese afrikanischen Rhythmen stammen von den Sklaven, die hierher gebracht wurden. Aber letztendlich habe ich dann doch noch (zum Gegenwert einer Niere) eine Unterkunft gefunden und bei der Gelegenheit auch gleich die Hostels für die Osterwoche klargemacht. Aus Fehlern lernen….
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