Samstag, der 22.3.25 Encarnacion

Gestern hatte ich in meinem Apartment noch ein bisschen Abenteuer. Weil es so warm war im Zimmer hatte ich die Klimaanlage auf 18° gedreht: sie sollte mal zeigen, was sie kann. 


Das tat sie dann auch, ließ sich aber danach nicht mehr höher stellen. Sie reagierte auf keine der Tasten an der Fernbedienung, unglücklicherweise auch nicht auf die „aus“ Taste. Langsam wurde es kühler im Apartment. 


Ich habe alles mögliche auf der Fernbedienung versucht, aber die einzige Taste, auf die die Anlage reagierte war die Gradanzeige. Man konnte sie ausstellen oder anstellen. Als letzte Möglichkeit fiel mir ein, die Sicherung rauszunehmen, aber der Sicherungskasten ließ sich leider nicht öffnen. 


Ein Schloss war nicht dran aber die Tür war völlig verklemmt und als ich ein bisschen hebelte, hatte ich das ganze Frontblech inklusive Tür in der Hand. 


Aber gut, jetzt kam ich wenigstens an die Sicherung dran und hab auch schnell die richtige gefunden. Einmal ausschalten, dann wieder einschalten und alles war gut. 


Die Klimaanlage war aus und ich habe sie auch nicht mehr eingeschaltet. Jetzt habe ich vorsichtig den Rahmen mit der Türe wieder eingesetzt und ebenso vorsichtig mit der Faust fest geklopft, sieht gut aus. War aber wahrscheinlich vorher auch nicht anders. Das frieren hat ein Ende und ich habe ihr immer noch die zweite Klimaanlage.


Und dann kam wieder das Thema: nur gehe ich heute Abend was essen? Ich entschied mich für einen Tipp aus dem Lonely Planet. Es war ein Stück zu laufen, aber ich dachte, probieren kann ich es ja mal. Das ganze hieß Captain Miranda Avenue Monsignor und war auch über Google Maps leicht zu finden. 








Ich ging hin und suchte das Restaurant, aber hier war kein Restaurant. Hier waren mehrere Stände an der Straße, und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Hier ging es nicht in ein Restaurant, hier ging es genau um diese Cookshops. 

Sie hatten alle irgendeinen Grill, da stehen 2-3 Tische und meistens stand auch irgendwas mit Cola oder Cervesia auf den Schildern. 

Das war ja super! Ich ging einmal die Straße hoch und runter, hatte dann aber schnell mein Herz verloren an einen Mann, der auf seinem Grill Spieße, Würstchen und Hühnerschenkel liegen hatte.

Wir wurden auch schnell handelseinig und ich setzte mich an einen kleinen, wackeligen Tisch mit einen kleinen, wackeligen Stuhl an einer ziemlich lauten und vielbefahrene Straße. 

So habe ich’s gern! 

Ich genoss mein Essen und nahm zum Abschied auch noch einen kleinen Spieß auf den Weg mit. Super Abendessen!








Auf dem Weg in meinem Apartment wurde ich leider aufgehalten. 

Ärgerlich! 

Ein kleiner Pop-up Shop mit Cocktails stand quasi mitten im Weg, und ich kam da irgendwie nicht durch. 

Die einzige Möglichkeit, weiterzukommen, war, mit dem Besitzer zu reden. Und wir sind handelseinig geworden. Caipirinha war das Losungswort!


Die Leute, die in zubereiteten, waren sehr freundlich und sparten auch nicht mit den Zutaten. Gegenüber von ihrem Stand standen ein paar aufgeschnittene Ölfässer als Sessel umgebaut, und da setzte ich mich gemütlich hin; wieder an einer schmutzigen Straße aber das Getränk genauso lecker wie das Essen vorher. 


Gegenüber war eine Spielbank, und in einem der Fenster lief eine aggressive Reklame über die Verlosung von Sportwagen. Man könnte hier Los-Anteile kaufen und der Werbung zufolge war man kurz darauf für kleines Geld Besitzer irgendeines Sportwagens. 

Offensichtlich habe ich heute Abend die gute Seite von Ciudad del Este entdeckt. Na ja, ich will ja nicht angeben, aber der Spaß (ein (alkoholfreies, aber sehr leckeres) Bier, 3 Spieße, ein Hähnchenschenkel und ein Eimer Caipi haben sagenhafte 6€ gekostet. Not bad….


Nein, das meine ich nicht ernst. Es war eine interessante Erfahrung und der Besuch von Itaipu war natürlich ein Highlight. Ansonsten hat die Stadt keinen Charme und ich bin froh, dass der Bus jetzt Richtung Süden fährt. Auf dem Weg nach Hause gestern bin ich an fünf Wärtern vorbeigekommen, die schussbereitete Gewehre auf ihrem Schoß liegen hatten. Sicherlich ist San Salvador um einiges schlimmer, aber das sind beides keine Orte, in denen ich mich wohl fühle.


Und nun geht es los. Morgenroutine, packen, dreimal nachschauen, ob ich auch nichts vergessen habe. 

Ich habe noch Zeit und beschließe, mich noch mal in das Gewühl zu werfen. Ich gehe noch mal zu dem Kreisverkehr und schaue mir da die Mona Lisa an. Mona Lisa ist das exklusivste Kaufhaus hier und besticht angeblich durch die hochwertige Markenware, die es hier gibt. 










Zugegeben, überall waren große Schilder mit den berühmten Noblemarken, aber das haben wir daheim im Kaufhof auch. Hier ist es sicherlich etwas Besonderes weil insgesamt doch viel Schund angeboten wird. Auf dem Rückweg genieße ich noch eine kleine Empenada (lecker) an einem Straßenstand und gehe wieder zurück auf mein Zimmer.




Dann runter, Schlüssel beim Pförtner abgeben und ein Uber rufen. 2 Minuten später ist das Auto da und bringt mich ganz entspannt zum Busbahnhof. Ich bin viel zu früh da, aber egal. Zeit genug, noch einen Cappuccino zu trinken und mir ein Wasser zu kaufen.


Halbwegs pünktlich kommt der Bus. Es ist ein großer Reisebus (Doppeldecker), der schon sehr lange sein Gnadenbrot verdient hätte, aber nein: er muss noch Dienst tun.










Ich sitze in der kleinen Kabine unten und habe einen Einzelsitz. Die Polster des Sitzes können sicher auch viele Geschichten erzählen, die ich aber nicht hören will. Allerdings: Platz ist reichlich vorhanden.


Mach einer USB-Steckdose suche ich erst garnicht. Als der Bus gebaut wurde, gab es das noch nicht.


Eigentlich ist die von mir selbst erfundene Grenze für Busfahrten 5 Stunden. Länger finde ich doof. Aber hier ging es nicht anders. 6 1/2 Stunden darf ich hier sitzen. Wird ein langer Tag!


Natürlich gibt es hier auch Werbeunterbrechungen. Wir halten an und Händler stürmen den Bus mit Speisen, Getränken und allerlei Tinnef. 




Schnell kommen wir nicht voran, erst nach 1 1/2 Stunden kommen wir auf eine Art Schnellstraße. Mittlerweile hat es angefangen, zu regnen.


Das Land ist sehr grün. Wir durchqueren landwirtschaftliche Flächen und kleine Wälder. Hier im Bus ist es sehr kalt. Die Düsen der Klimaanlage über mir habe ich schon mit Tempo-Taschentüchern verstopft, trotzdem werde ich gut durchgekühlt. Der Bus ist sehr voll, aber in der unteren Ebene gibt es nur 9 Plätze, dadurch ist es ziemlich ruhig hier unten. 

Ich habe mir eine große Flasche Cola für die Fahrt gekauft, trinke aber nicht. Ich glaube nicht, dass ich die Bordtoilette benutzen will. 














Circa eine halbe Stunde vor Ankunft wurde offensichtlich die Klimaanlage ausgestellt oder weniger kalt justiert. Das war quasi ein schonendes Auftauen, damit der Schock beim Aussteigen nicht so stark ist. Ich muss natürlich sagen, dass ich wirklich gut gesessen habe oder teilweise auch ein bisschen gelegen. Der Bus ist alt, aber Platz ist reichlich da. Trotzdem muss ich überlegen, ob ich nicht die alte 5 Stunden Regelung wieder einführen, weil knapp siebeneinhalb  Stunden ist schon lang und nicht spannend.






Auch hier gibt es wieder einen recht großen Busbahnhof und ich habe mir schnell mein Gepäck geschnappt und bin die etwas über 1 km zu der Herberge gelaufen. Nach der langen Sitzerei tut es richtig gut. 

Es scheint hier ein paar Grad kühler zu sein und fühlt sich ganz angenehm an. 


Was sofort auffällt: die Stadt ist sauber. So gut wie kein Papierchen auf der Straße, geschweige denn aufgeplatzte Müllbeutel, Flaschen und alte Möbel. Auf den ersten Blick wird das ganz sympathisch. Auch das Hostel ist okay. Es hat eigentlich nur Schlafsäle, vermietet aber auch davon welche als Privatzimmer. In meinem Zimmer stehen zwei Stockbetten und zwei Einzelbetten, aber ich bin nur alleine da drin. Auch ein Badezimmer ist exklusiv für mich da. Das ist okay!


Ich bin ganz im Süden des Landes an der Grenze zu Argentinien. Vielleicht fahre ich morgen mal rüber…🤪


Etwas zu essen zu finden, war dann anschließend nicht so einfach. Ich ging zur Plaza de Amas, das ist hier so ein zentraler Platz und alles war sehr hell erleuchtet und dekoriert. Ich bin an mindestens vier Eisdielen vorbeigelaufen und an 2 Cafés und habe nicht ein Restaurant gesehen. 






Ich bin dann weitergegangen habe dann einen kleinen Laden gefunden, wo man aber nur Bier trinken konnte und hatte dann überlegt: ich gehe noch eine Straße weiter und dann gehe ich zurück zum Supermarkt und schaue, ob ich da irgendwas mitnehmen kann. Meine Unterkunft hat eine Küche das wäre also der Plan B gewesen. 


Dann habe ich aber im letzten Moment eine offensichtlich koreanische Pommesbude gesehen.Unglaublich, aber es gab hier einige Gerichte und so habe ich mir dann in Südamerika asiatisches Essen bestellt. Macht man auch nicht jeden Tag.


Die am hier ca. 6km breiten Río Paraná gelegene Stadt ist unter anderem auch für ihre schönen Strände bekannt. Es ist die zweitgrößte Stadt in Paraguay. Sie wurde im 17. Jahrhundert gegründet und hier leben relativ viele Deutsche aus umliegenden Ländern und direkt aus Deutschland. Es ist die Hauptstadt des paraguayischen Karnevals. In der Gegend gibt es mehrere Jesuitenmissionen, die viele Touristen anziehen (mich auch :-) )

Hier wurde Alfredo Stroessner geboren. 

Kommentare

  1. Die Behandlung von Klimaproblemen auf brutale Weise ist völlig richtig.

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