Samstag, der 29.3.2025 Auf nach Sucre

Nach einer sehr entspannten Nacht gab es ein leckeres Frühstück. Das ist ein guter Start! Ich habe dann in aller Ruhe gepackt und habe mich gewundert, warum offensichtlich mein Nachbar so lange duscht. 


Wenig später habe ich dann gesehen, dass in der Zwischenzeit ein Wolkenbruch runtergekommen ist. Meine Fenster sind aus Milchglas, deshalb konnte ich das nicht sehen. 


Ich bin dann losgegangen in Richtung Friedhof. Das war ein bisschen gefährlich, weil die Kanalisation hier nichts taugt und die Autos gnadenlos durch die Pfützen braten, so dass man immer springen muss, wenn man nicht nass werden will. 






Die Stadt ist im Kreise eingeteilt. Je näher ich der Grenze des ersten, inneren Kreises komme, umso weniger Geschäfte gibt es und leider verschwinden auch diese schönen Säulengänge, die einen so perfekt vor Regen und Sonne schützen.






Der Friedhof scheint ein Ort für den reicheren Teil der Bevölkerung zu sein. Zumindest im Eingangsbereich sind es keine Gräber, sondern es sind viele teils große Mausoleen, die meistens als Familiengrab gebaut worden sind. 












Andererseits sieht man auch Wände, die eher an Schließfächer erinnern, mit großen Fächern, die mit einer Glastür verschlossen sind und dahinter ist dann ein Grabstein, Blumen oder auch Bilder von den Verstorbenen. Die Gräber, die ich sehe, sind, wenn man vom Todesdatum ausgeht, nicht alt. Die meisten datieren aus diesem Jahrhundert. 












Von diesen, von mir despektierlich als Schließfächer bezeichneten Gräbern, gibt es riesige Reihen. In fünf Etagen übereinander sind die Gräber angeordnet und meistens auch nummeriert. An vielen Stellen gibt es einfache Kletterhilfen, so dass man auch ohne Leiter an die Grabstelle heran kommt. Von der Größe her könnte wahrscheinlich ein Sarg in ein solches Schließfach passen, allerdings weiß ich nicht, was mit einem Leichnam passiert, wenn man ihn einmauert. Also ist wahrscheinlich Einäscherung eine vorherrschende Beerdigungsform. 


Wobei es mich wundert, dass es hier so verbreitet ist. Oder es sind nur Gedenktafeln, ich entdecke zwischendurch eine solche kleine Grabstätte, auf der elf Namen stehen. 




Aber das ist es vielleicht, warum ich mir solche Orte gerne im fremden Ländern ansähe. Man erfährt etwas über den Totenkult und auch etwas über die Gesellschaft, und wenn es auch nur ein Gefühl ist.


Eine der Gänge ist mit Paso de Notables bezeichnet. Also eine Straße, wo wichtige Leute wohnen. An den Gräbern ist jeweils ein QR-Code, damit man Näheres über die Menschen erfahren kann. Anderswo finde ich auch Schriftstücke von der Friedhofsverwaltung, die auf die Gräber geklebt sind. 










Da steht irgendwas mit Notifikation drauf. Ich denke aber, das ist eindeutig: die Mietverträge sind ausgelaufen und die Gräber müssen geräumt werden. 


Das erinnert mich in fataler Weise ein wenig an die Zettel, die die Stadtverwaltung Düsseldorf auf Fahrräder klebt, die halb verrostet am Straßenrand stehen und deshalb auch weg sollen.


Leider regnet es die ganze Zeit mal mehr und mal weniger und das ist eine unselige Mischung aus Nässe und Schwüle. Und so beschließe ich, den letzten Programmpunkt für heute in Santa Cruz anzugehen: ich gehe zu dem Fischrestaurant von gestern. Und wie ich gestern schon angekündigt habe, nehme ich heute die große Schüssel! Einen Moment hatte ich überlegt, mir einen gegrillten Fisch zu nehmen, die sahen auch lecker aus, bin aber dann doch auf den Fisch um gescheckt.


Vor vielen Jahren habe ich mal in Marseille eine unglaubliche leckere Bouillabaisse gegessen. 

Das war sicherlich ein Höhepunkt in meinem kulinarischen Leben, aber die Suppe hier in dieser einfachen Garküche steht der in Marseille um nichts nach! Super lecker! Es sind natürlich Fischstücke drin, ein wenig fast zerkochtes Gemüse, ein kleines Stückchen Maiskolben, und nachträglich fügt man etwas ausgepresste Orange hinzu und frische, klein geschnittene Zwiebeln. Hört sich seltsam an, schmeckt aber grandios.






Im Hotel wurde ich fast wie ein Freund verabschiedet: so richtig mit Hände schütteln und lächeln und vielen Dank und alles. Dieses Hotel war wirklich ein Glückstreffer, aber wie gesagt, die Stadt finde ich auch toll. 


Die Frau in der Rezeption hat mir noch erklärt, wie ich zum Bus komme (zwei Blocks dann rechts) Und dass es der Bus 135 ist. Also bin ich da runter gelaufen und stand keine Minute an der Straße, als der Bus kam. 


Es war auch wieder einer von den kleinen Bussen, aber dieses Mal war er etwas neuer, gepflegte, sauber, und der Fahrer fuhr auch sehr gesittet. Man merkte das daran, dass alle anderen Busse uns überholt haben.


Ich habe heute noch einmal mit meiner Facebook-Freundin aus Ecuador gechattet. Die Wetterlage dort hat sich nicht so toll geändert. An der Küste ist noch viel überschwemmt. (da bin ich nicht) und es regnet jetzt seit letztem Donnerstag schon wieder unaufhörlich. 


Dazu erzählte sie mir noch, dass Mitte April (13.4.) dort Präsidentschaftswahlen sind und dass das Land in eine Katastrophe steuert. Das Volk will keine Demokratische Partei, sondern eher jemand, der auch durchgreift. Also das gleiche Muster wie in den USA oder auch wie bei uns. Sie sprach davon, dass Ekuador zu einem zweiten Venezuela werden können.Das wäre wirklich übel. 

Sie meinte auch, dass am Tag der Wahlen (das ist der Tag, an dem ich dort ankomme) am Flughafen ein ziemliches Chaos sein können. Ich freu mich schon…

Das mit dem Wetter muss ich im Auge behalten. Ich habe natürlich alle Flüge vor gebucht, so dass ich ungeschoren aus dieser Nummer nicht herauskommen werde. Aber Time Will Show.


Der Flughafen ist klein und überschaubar. Es ist sehr wenig los und ich setze mich in eines der Cafés . Ich suche mir da immer einen Tisch, wo vielleicht noch eine Tasse oder ein Glas drauf steht, denn dann lassen Sie einen zufrieden, auch wenn man nichts bestellt. 

Man sitzt da wesentlich besser, als auf den Flughafensitzen und außerdem hat man einen Tisch. Ich bin deutlich zu früh da, aber egal.

 

Dachte ich.


Ich habe aber meine Meinung geändert, als der Flug eine 3/4 Stunde Verspätung hatte. MIST!

Als wir dann einstiegen, fielen mir 2 Dinge auf: endlich mal wieder ein großes Flugzeug - und: alle waren deutlich wärmer angezogen, als ich. Ich hatte noch die Tropenausrüstung (Bermudas, T-shirt, Sandalen) an. Jetzt, wo wir später starten und landen, werden die 19°, die im Wetterbericht standen, Geschichte sein. 


Im Flugzeug hatte ich wieder meinen Gangplatz, aber auf dem Mittelsitz nahm ein sehr sehr großer und sehr sehr kräftiger junger Mann Platz. Er hatte ziemlich Mühe, den Gurt anzulegen, aber er war unglaublich rücksichtsvoll und hat sich den ganzen Flug über bemüht, sich klein zu machen. Sowas habe ich auf meinen vielen Flügen noch nie erlebt. Cool! 


Angekommen. Die Durchsagen im Flieger waren hier auch nicht mehr auf Englisch, nur noch Landessprache. Auch die Frau in der Info am Airport sprach nur Spanisch. 

Loco.

Loco ist spanisch für verrückt, und das ist es, was die Leute hier wohl von mir denken. Kurze Hose und T-Shirt! Loco!

Ich merke auch sofort, dass was mit der Luft nicht stimmt. Man merkt die Höhe! 

Mit Schrecken merke ich, das hier Uber nicht geht. Mist! Alle anderen Apps bekomme ich mit meiner jetzigen Telefonnummer nicht registriert.


Aber es gibt einen Mini-Bus, der in die Stadt fährt. Den nehme ich und der fährt auch recht gesittet. 


Ich bin in den Bergen. Man sieht und fühlt es. Das löst bei mir fast ein Hochgefühl aus. Die Anden haben schon was majestätisches. 


Ich merke aber noch was: irgendjemand im Bus hat eine würzige (Salami)Wurst gegessen. Scheint geschmeckt zu haben. 


Der Bus ist besetzt mit Männern, Frauen und Kindern. Einige der Frauen tragen die typischen Hüte, die ich aus Peru kenne.   


Erst dachte ich, es ist nebelig, aber es sind doch die Wolkenfetzen, durch die wir fahren. Vom Flughafen aus geht es ewig lange bergab auf einer in Bau befindlichen, aber fast fertigen Straße. 


Als wir dann nach Sucre kommen, werden die Straßen enger und der Verkehr nimmt zu. Ich versuche, dem Fahrer klarzumachen, wo ich hin will und verstehe, dass er ins Zentrum fährt. 

Das ist schon mal gut! 

Dann hält er aber ca. 2,5 km vor meinem Ziel an und zeigt in eine Richtung. 

Da lang? meine ich?


Neben mir hatte die ganze Zeit eine junge Frau gesessen. Sie schaltete sich in das Gespräch ein und wollte dann auch wissen, wo ich hin muss. Dann bedeutete sie mir, dass das zu Fuß zu weit und zu gefährlich sei. Ich sollte ein Taxi nehmen.

Und sie hielt dann ein Taxi an, zeigte dem Fahrer mein Handy mit der Adresse und erzählte ihm viele Dinge (die ich natürlich wieder nicht verstanden habe). 🥲

Dann fuhren wir zusammen tatsächlich in die richtige Richtung und als wir dann hielten, fragte ich meine Retterin, was sie bezahlen müsste und sie meinte, zehn Bolivianos. So viel hatte auch der Bus schon gekostet, also in Summe ca. 3€. Für 35 km von Tür zu Tür. 

Hier sind natürlich Sammeltaxis ganz normal und an der Tagesordnung, aber da traue ich mich so richtig noch nicht dran. Mit dieser Frau aber (sie war gut gekleidet und wirkte absolut seriös) war das okay. So habe ich wieder mal einen rettenden Engel gehabt.


Das Hostel, in dem ich bin, sieht auf den ersten Blick gut aus. Mein Zimmer ist ziemlich groß und hat keine Klimaanlage. Die braucht man hier auch nicht.

Das war auch das erste, was ich gemacht habe: raus aus den Klamotten und ganz von unten aus dem Rucksack die warmen Sachen rausgeholt. Ich trage jetzt eine lange Hose, Schuhe mit Socken und ein Sweatshirt. Sehr bequem und sehr gemütlich. Seit Barcelona ist das das erste Mal, dass ich so hochgerüstet bin.

Ich bin in Sucre. Und es geht mir gut. Laune: blendend!


Sucre ist die Hauptstadt des Landes. Mitte des 16. Jahrhunderts gegründet, wuchs sie auf heute 250.000 Einwohner an. Sie liegt auf ca. 2800m Höhe. Die Altstadt von Sucre mit ihren weißen Gebäuden gilt als eines der am besten erhaltenen Beispiele einer Kolonialstadt in Südamerika. 


Bei der Gründung hieß die Stadt (die Spanier hatten es nicht so mit kurzen, griffigen Namen) Ciudad de la Plata de la Nueva Toledo. Genannt wurde die Stadt aber kurz „La Plata. Das heutige Bolivien wurde im 18. Jahrhundert ebenfalls „La Plata“ genannt, das bedeutet Reichtum oder Silber. Nach der Unabhängigkeit im Jahre 1825 wurde die Stadt aber dann nach dem Freiheitskämpfer und General unter Simón Bolívar „Mariscal Antonio Jose de Sucre“ benannt. Heute ist die Stadt die Hauptstadt, aber die Regierung ging wegen der besseren Verkehrslage nach La Paz. Hier herrscht ein gemäßigtes Höhenklima, das immer so zwischen 11 und 20 Grad schwankt. Eine der Sehenswürdigkeiten hier sind angeblich Dino-Spuren, die man besichtigen kann. 

Während die Francesa-Zementgesellschaft das Gelände zur Herstellung von Beton erschloss, traten Schichten von Sedimentgestein zutage und enthüllten Tausende von Fußspuren, die etwa 15 verschiedenen Dinosaurierarten zugeordnet werden können - von Tyrannosaurus Rex bis hin zu Sauropoden und Titanosauriern. Der Abbau dieser beeindruckenden Kalksteinwand in Cal Orck'o wurde gestoppt, und nach Jahren intensiver Ausgrabungsarbeit und wissenschaftlicher Untersuchungen wurde ein Museum errichtet.


Sucre ist die Hauptstadt des Landes. Mitte des 16. Jahrhunderts gegründet, wuchs sie auf heute 250.000 Einwohner an. Sie liegt auf ca. 2800m Höhe. Die Altstadt von Sucre mit ihren weißen Gebäuden gilt als eines der am besten erhaltenen Beispiele einer Kolonialstadt in Südamerika. 


Bei der Gründung hieß die Stadt (die Spanier hatten es nicht so mit kurzen, griffigen Namen) Ciudad de la Plata de la Nueva Toledo. Genannt wurde die Stadt aber kurz „La Plata. Das heutige Bolivien wurde im 18. Jahrhundert ebenfalls „La Plata“ genannt, das bedeutet Reichtum oder Silber. Nach der Unabhängigkeit im Jahre 1825 wurde die Stadt aber dann nach dem Freiheitskämpfer und General unter Simón Bolívar „Mariscal Antonio Jose de Sucre“ benannt. Heute ist die Stadt die Hauptstadt, aber die Regierung ging wegen der besseren Verkehrslage nach La Paz. Hier herrscht ein gemäßigtes Höhenklima, das immer so zwischen 11 und 20 Grad schwankt. Eine der Sehenswürdigkeiten hier sind angeblich Dino-Spuren, die man besichtigen kann. 

Während die Francesa-Zementgesellschaft das Gelände zur Herstellung von Beton erschloss, traten Schichten von Sedimentgestein zutage und enthüllten Tausende von Fußspuren, die etwa 15 verschiedenen Dinosaurierarten zugeordnet werden können - von Tyrannosaurus Rex bis hin zu Sauropoden und Titanosauriern. Der Abbau dieser beeindruckenden Kalksteinwand in Cal Orck'o wurde gestoppt, und nach Jahren intensiver Ausgrabungsarbeit und wissenschaftlicher Untersuchungen wurde ein Museum errichtet.

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  1. Vom Regenwald zurück an den Ort, an dem die Frühlingsblumen blühen

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