Sonntag, der 16.3.2025 San Bernardino
Es war ein ruhiger Morgen. Ich habe in Ruhe gepackt und bin dann viel zu früh losgegangen. Die Straßen waren noch leer und es war schon ziemlich heiß. Nach etwas über 500 m kam ich zu dem Punkt, wo die Haltestelle sein sollte. Aber da war nichts, kein Schild einfach nur eine trostlose Ecke ohne Schatten. Hier musste ich noch knappe 20 Minuten warten.
Ich ging aber sicherheitshalber zu einem Taxifahrer gegenüber, um ihn zu fragen, ob das wirklich die Haltestelle sei. Er bejahte das, und ich ging langsam zu der Ecke zurück. Dann sah ich plötzlich ein Bus kommen, und es war die Nummer elf, also genau der Bus, den ich brauchte. Und das Ganze eine gute Viertelstunde zu früh. Aber egal, ich sprang rein und es war genau so ein Bus, wie ich ihn gestern schon gesehen habe.
Er hat so gut wie keine Federung und rappelt ganz furchtbar, dass man sich nicht unterhalten könnte, ohne sich anzuschreien. Der Ratschlag mit der Karte war absolut richtig: der Fahrer kassiert nicht, hier ist ein Lesegerät und ein Drehkreuz. Dieses Drehkreuz ist dann auch so gebaut, dass nur zierliche Frauen mit Kleidergröße 34 dadurch passen.
Mein Versuch, mit dem Rucksack durch zu gehen, muss lächerlich ausgesehen haben.Mühsam versuchte ich, auf den Beinen zu bleiben und mir gleichzeitig im Rucksack auszuziehen. Das war echt eine Glanzleistung. Und dann setze ich mich auf meinen Platz und dachte okay, 80 Stationen bis zum Ziel. Gute Reise!
Die Busfahrt kann man anstrengend nennen. Es rappelt und wackelt. Die Sitze sind aus Plastik und es sind Hartschalen. Der Fahrer bremst auch sehr abrupt und jedes Mal, wenn er bremst, rutsche ich nach vorne und der Rucksack mit mir, der auf dem Nebensitz steht.Ich kann also nichts auf dem iPad machen und wegen des Lärms macht es auch keinen Sinn irgendwelche Podcasts zu hören. Auf der anderen Seite: diese fast zweistündige Fahrt kostet etwas weniger als 0,40 €. Da sollte man vielleicht nicht meckern!
Die Fahrt gleicht einem Rodeoritt. Circa 50 cm vor meiner Nase ist die aus Hartplastik geformte Kopfstütze des Sitzes vor mir. Beim Bremsen muss ich immer sehr auf meine Nase aufpassen. Damit das Ganze nicht so langweilig ist, denke ich darüber nach, wie ich wohl zu der Unterkunft komme. Ich habe eine Straße, aber keine Hausnummer. Das ist mir leider erst jetzt aufgefallen, solange ich noch im Netz war, hätte ich fragen können. Aber jetzt, wie gesagt, ist es spannend.
Bald sind wir aus der Stadt raus und fahren über kleine Dörfer. Die Straßen sind sehr eng, und oft gibt es eine wüste Rangiererei, um aneinander vorbei zu kommen. Die Straßen sind auch sehr schlecht, und hier kommt die fehlende Federung des Busses voll zur Geltung. Es gibt auch viele Drempel, damit die Leute hier nicht so rasen und auch da sagt meine Wirbelsäule jedes Mal guten Tag, guten Tag , guten Tag!
Kurz vor dem Ziel wird der Verkehr etwas dichter. Jetzt muss ich schauen, wie ich hier rauskomme, denn das System habe ich noch nicht so ganz verstanden.Wahrscheinlich stellt man sich einfach an die Tür und der Busfahrer hält bei der nächsten Gelegenheit. So richtige Haltestellen scheint es nicht zu geben, immer wenn jemand an der Straße steht, hält der Bus an.
Als wir circa 1 km vor der vermuteten Adresse waren, stand vor mir ein Typ auf und ging zur Tür. Ich nutze die Gelegenheit und ging direkt hinterher. Ich war in Aregua! Die Straße war mit Kopfsteinen gepflastert, allerdings mit ganz schlechten Steinen, auf denen man kaum gehen konnte. 100 m weiter fand ich ein Eiscafe und ich sah auch das rettende Schild „Wi-Fi!“
Also konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: einerseits ein Eis essen, andererseits den Vermieter kontaktieren. Meistens lösen sich Problemen von alleine auf. Das Eis war ziemlich teuer(verglichen mit der Busfahrt) aber es war auch sehr groß und sehr lecker. 1,30 für 2 riesige Kugeln. Schönes Land!
Mit der Hausnummer 917 machte ich mich auf den Weg. Vorbei am alten Bahnhof und dann ging es nicht mehr über Straßen, sondern nur noch über einen Weg aus Sand und Gras, der hier aber wohl als Straße galt. Es war „wunderschön“ warm und ich stapfte die Straße entlang, bis zu dem Punkt an dem Google glaubte, da sei die Nummer 917.
Links und rechts waren Grundstücke mit Häusern, aber alles war verrammelt und man sah auch keine Leute. Ich ging noch weiter die Straße runter aber nichts war zu sehen. Als ich mich umdrehte, kam hinter mir eine Frau die Straße hoch. Sie war circa 400 m weg und ich ging ihr entgegen. Ich sprach sie an und versuchte ihr zu erklären dass ich diese Adresse suche und das das Haus, das da steht, sollte Casa Amistad heißen.
Da meint sie nein (so viel habe ich verstanden) Casa Amistad sei ein historisches Gebäude das viel weiter hinten auf der Straße sei. Das sei aber geschlossen und auf keinen Fall eine Unterkunft für Touristen.
Ich erkläre ihr wortreich, dass ich kein Telefon habe aber eine Telefonnummer und ob sie vielleicht dort anrufen könne, um zu klären, wo ich hin muss. Als ich ihr die Telefonnummer des Gastwirts in spanischen Ziffern nannte, wiederholte sie das beim eintippen auf Deutsch. Oh sagte ich, dann können wir auch deutsch reden.
Und tatsächlich, sie ist eine deutsche mit starkem fränkischen Akzent. Sie rief dann den Vermieter an und der sagte, dass er mich am Bahnhof abholen wolle. Ich wollte mich jetzt verabschieden von der Frau, aber sie meinte nein, sie wolle mitkommen, denn wenn der Mann dann nicht da sei müsste ich ja noch mal telefonieren.
Das fand ich natürlich toll. Auf dem Weg dorthin erzählte mir Gaby, dass sie vor 15 Jahren mit ihrem Mann ausgewandert sei, dass der aber leider fünf Monate später an Dengue Fieber gestorben sei. (auch eine scheiss-Geschichte!)
Alle ihre Freunde haben damals gesagt, sie solle zurückkommen, aber sie meinte, da sie zu Hause alles aufgegeben habe, wäre der Neuanfang dort genauso schwer wie hier. Und deshalb ist sie jetzt hier und fühlt sich sehr wohl. Eine total liebe und interessante Fru.
Am Bahnhof trafen wir dann den Vermieter und wir gingen zum Haus. Er bestätigte dann, dass es so richtige Adressen hier nicht geben würden. Dann zeigt er mir meine Wohnung die wirklich sehr nett ist, allerdings auf einem Gelände, vor Hunde herumlaufen.
Es gibt einen kleinen Hund, der noch ein Welpe ist und einen größeren, der aber auch erst 15 Monate alt ist und wahrscheinlich noch viel Unsinn im Kopf hat. Naja, solange sich der Unsinn nicht gegen mich richtet ist das ja okay. Beim Kennenlernen machte er auf jeden Fall einen freundlichen Eindruck. Jetzt muss ich quasi nur noch mein Handy Problem lösen. Ich bin gespannt!
Nach einer kurzen Eingewöhnung bin ich dann etwas durch den Ort spaziert. Auf der Hauptstraße gibt es eine unglaublich lange Reihe von Geschäften, die irgendwelche getöpferten Figuren verkaufen. Auch Gartenzwerge sind dabei und es ist so unglaublich gruselig, dass mir die Worte weg bleiben.
Wenig später kam ich an einem kleinen Stand vorbei, der aus drei großen Grills bestand. Hier wurden Hähnchen und Hähnchenteile veredelt und schaute mich an.
Ich schaute erwartungsvoll zurück und gab dem Verkäufer ein Zeichen, dass ich gerne eines davon hätte. Ich suchte mir eine schöne Hähnchenkeule aus, bekam auch noch ein paar Servietten und setzte mich 20 m weiter an der Straße auf ein kleines Mäuerchen, wo ein Baum mir auch etwas Schatten bot und verzehrte die kleine Leckerei. Super! Dann ging ich weiter die vielbefahrene Straße runter bis zu einem großen Supermarkt. Der war wirklich sehr modern und hatte einen großes Sortiment. Direkt am Eingang kamen mir zwei Frauen entgegen, die deutsch miteinander sprachen. Es scheinen wohl doch viele Deutsche hier in Paraguay zu leben.
Auf dem Rückweg vom Supermarkt kam ich dann noch mal an den Geschäften mit den Tonteilen vorbei und entdeckte außer Gartenzwergen auch einige Gartenzwerge mit erstaunlich großem Gemächt. Humor haben die hier.
Meine Unterkunft hatte ich als Ferienwohnung gemietet und ja, sie ist schön groß. Sie hat aber leider keine Küche. D.h. kein Kühlschrank (Bier) kein Kaffee am Morgen; das finde ich ziemlich doof. Für morgen früh habe ich mir dann einen Tetrapack mit Apfelsaft gekauft. Und Kekse hatte ich ja noch. Jetzt muss ich nur noch überlegen, wie ich den Tetrapack ohne Schere oder Messer auf kriege. Und natürlich muss ich direkt aus dem Tetrapack trinken, weil es auch keine Tassen oder Gläser gibt. Das ist irgendwie sch….
Danach hab ich noch kurz ein Hemd gewaschen, bei der Sonne hier macht das Sinn. Dann hab ich mir einen Uber gerufen und bin ins benachbarte San Lorenzo gefahren. Die Straßen hier sind wirklich nicht toll und so kommen wir auch nur langsam voran. Der Fahrer ist selten schneller als 50 gefahren. In San Lorenzo fahre ich zu einem Handyladen, der mir vielleicht helfen kann. Wenn das nicht klappt, bin ich gespannt, wie ich zurückkomme.
Aber ich habe schon gesehen, dass der Bus elf, mit dem ich gekommen bin, auch durch San Lorenzo fährt. Zur Not würde ich also mit dem Bus zurückkommen. Aber halt, um die Bushaltestelle zu suchen und um den Abfahrtszeitpunkt zu ermitteln, brauche ich auch Netzwerk. Aber egal, irgendeinen Burger King oder McDonald’s wird es dort geben, wo ich ins Internet kann.
Als ich dann ankam, sah ich eine riesigen riesige Shopping Mall. Innen drin fand ich auch schnell den klaro Shop, den ich suchte. Hier muss man, ein Nümmerchen ziehen. Aber das war nicht so einfach wie früher, sondern es war ein Bildschirm, wo man irgendwelche Nummern eintippen musste und ich stand ratlos vor dem Ding. Aber ich habe mich nicht lange damit aufgehalten, sondern bin einfach zu dem leider beschäftigten Mitarbeiter gegangen und habe ihn gefragt, was ich da machen soll.
Aber der hat freundlich gelächelt ist sofort aufgestanden und hat gesagt: ich helfe Ihnen. Er meinte dann, es reicht, irgendeine Zufallszahl einzugeben und nur auf eine Schaltfläche zu drücken, worum es ging (Telefon Fernsehen Internet) und so weiter und dann würde man ein kleines Papierticket bekommen, dass dann über einen Bildschirm aufgerufen wird.Ich war sehr dankbar für diese Hilfe aber aber so im Stillen gedacht das hätte man einfacher haben können.
Als ich dran war, dauert es dann noch weitere 10 Minuten, bis alles klar war und die freundliche Mitarbeiterin mir wieder mein Handy in die Hand drückte. Ich bin wieder online! Zur Belohnung könnte ich mir dann hier in dem Shoppingcenter einen sehr sehr leckeren Cappuccino und habe mir dann wieder einen Uber gerufen, um zurückzufahren.
San Bernardino wurde von dem Schweizer Kolonisator Jakob Schaerer im Jahre 1881 gegründet und die Flagge trägt die gleichen Farben, wie die Flagge Deutschlands. Heute ist es eine Touristenstadt, im Sommer kommen zu den ca. 10.000 hier lebenden Einheimischen noch 20.000 Urlauber hinzu.
Ich bin aber nicht direkt in Bernardino, sondern gegenüber in Aregua. Die Stadt wurde bereits 1538 gegründet und hat heute 16.000 Einwohner. Sie liegt am See Lago Ypacarai und sie ist eines der Zentren der Erdbeerzucht. In den Erntemonaten gibt es hier ein Erdbeerfest. Es gibt hier viele Kolonialbauten und es gibt hier 2 geologische Besonderheiten. Die Hügel Koi und Chorori, die als Besonderheit sechseckige und achteckige Sandsteinformationen zeigen. Dier erinnern mich ein wenig an die ‚Sinfonie der Steine‘ in der Nähe von Garni / Armenien, wo ich vergangenes Jahr war.
Paraguay ist voller Mythen und Legenden. Der kleine, pelzige Waldgeist heißt El Pombero. Er schleicht sich des Nachts in die Dörfer und befreit Tiere, zerstört die Ernte und erschreckt Menschen, die ihn nicht respektieren. Mit Opfergaben wie Tabak oder Alkohol kann man ihn besänftigen. Ein Genießer!! Ein anderer, legendärer Genießer ist Kurupi. Den erkennt man leicht an seinem ungewöhnlich langen und elastischen Penis. Mit dem verführt er Frauen. Er (Kurupi) steht für Fruchtbarkeit und Sexualität, warnt aber auch von ungezügelter Leidenschaft.
Kurupi
AntwortenLöschen