Sonntag, der 23.3.2025 Trinidad
Sonntag in Encarnacion. Vor meinem Fenstern sind Schlagläden, um die Sonne draußen zu halten. Das macht es aber auch ziemlich dunkel im Zimmer und so ist es schwierig herauszufinden, ob es schon Tag ist oder nicht. Ich habe mir angewöhnt, für die Uhrzeit morgens früh meinen Assistenten Siri zu bemühen.
Einfach fragen: Siri, wie spät ist es? Und die Maschine antwortet.
Die Dusche ist herrlich. Sie liefert einen ergiebigen Strahl von schönen warmen Wasser und in der Kabine ist auch viel Platz, dass man sich drehen und wenden kann. Ein guter Start! In der Küche habe ich mir ein kleines Frühstück zubereitet (Kaffee und Kekse) und in Ruhe meine Zeitung gelesen. Anschließend habe ich noch mal Wäsche gemacht und bin jetzt wieder up to date: keine Schmutzwäsche mehr im Rucksack.
Es gibt hier leider keine Express-Wäschereien, deshalb muss ich jede Möglichkeit nutzen, mit der Hand zu waschen. Aber bei dem Wetter hier muss man die gewaschene Wäsche nur einmal kurz der Sonne zeigen, dann ist sie trocken. Encarnacion scheint ein verschlafenes Nest zu sein.
Alter und neuer Mini. Den alten habe ich auch gehabt…
Ich gehe durch die stillen Straßen in Richtung Strand. Hier unten ist der Rio Parana und die Menschen hier haben einen sehr großen Strand angelegt. Der ist wirklich schön und um diese Uhrzeit natürlich auch noch menschenleer. Gegenüber sieht man dann Argentinien. Schön hier! Unter meinen Füßen der Sand, vor mir das Wasser und über mir ein wolkenloser blauer Himmel. Habe ich gestern gesagt, es sei hier kühler? Nonsens! Es ist heiß, auch jetzt am frühen Morgen schon!
Der Rio Parana kommt ja vom Rio Grande und fließt dann von Brasilien aus über die Wasserfälle, wo ich vor einigen Tagen war immer weiter nach Süden, vereinigt sich dort mit dem Rio Uruguay und fließt dann als Rio de la Plata (Silberfluss) ins Meer.
Ich setze meinen Spaziergang fort und versuchte, einigermaßen im Schatten zu bleiben. Noch steht die Sonne nicht senkrecht, von daher ging es einigermaßen. Mir kamen auch einige Sonntagsspaziergang entgegen und ich habe mehrfach deutsche Worte im Vorbeigehen gehört. Es scheinen doch viele Deutsche hier zu leben. Dass die Stadt sehr sauber ist, habe ich ja gestern schon bemerkt, aber sie scheint auch sehr sicher zu sein. Die einzige ernsthafte Bedrohung ging höchstens von einer Katze aus, die mir den Weg versperrte.
Zufällig kam ich an der Kathedrale vorbei und habe sie mir auch von innen angesehen. Eine hervorragende Idee! Eine ganze Batterie von Klimaanlagen sorgten hier für eine sehr angenehme Temperatur. So bekommt man die Gläubigen in die Kirche! Nuestra, Senora de la Inkarnation heißt das Gotteshaus. Gebaut worden ist sie zwischen 1928 und 1939.
Aber jetzt mal was anderes. Heute habe ich an meinem Verstand gezweifelt. Ich hatte auf dem iPad Zeitung gelesen und schaut zwischendurch auf die Uhr.
UPS!
Die Uhr zeigte 1 Stunde weniger an als meine Armbanduhr. Jetzt war ich verwirrt. Natürlich glaubte ich der Uhr auf dem iPad, weil meine Armbanduhr ja so wie ich auch schon ziemlich in die Jahre gekommen ist.
Ich überlegte, ob ich vielleicht in einer anderen Zeitzone bin? In großen Ländern passiert das öfter, wenn man an China denkt oder an die USA, aber in so einem kleinen Land? Ich schaute auf der Weltuhr nach, und tatsächlich war zum Beispiel die Zeit in Buenos Aires und die Zeit in Asuncion 1 Stunde auseinander. Ich telefoniere mit Daggi und wir haben erst mal beschlossen, dass es nun 5 Stunden Zeitunterschied sind zwischen Deutschland und hier.
Aber irgendwie ließ mir das keine Ruhe und rein zufällig schaute ich auf das iPhone. Das hatte tatsächlich eine andere Zeit. Als ich dann noch mal mit Daggi sprach, bestätigte sie, dass auch bei ihr iPhone und iPad unterschiedliche Zeiten anzeigt. Seltsam, aber Hauptsache in meinem Kopf ist noch alles okay. Mein iPad geht falsch! Trump?
Und dann gab es noch eine nette Begegnung in meinem Hostel. Eine Dame stand an der Rezeption, und ich fragte sie nach dem Weg zur Missions-Station der Jesuiten. Sicherheitshalber fragte ich aber vorher, ob sie englisch sprechen würde. Sie verneinte das und so habe ich meine Frage dann in Spanisch formuliert und hoffte, die Antwort zu verstehen.
Sie antwortet dann in einem sehr gruseligen Mischmasch aus englischen und spanischen Worten. So, als ob sie eine Sprachstörung hätte.
Und ich habe das perfekt verstanden! Endlich redet man einer auf meinem Sprachniveau mit mir. Tolle Frau!
Ich ging dann, wie sie mir geraten hatte, zum Busbahnhof und schaute nach dem Bus nach Ciudad del Este. Ich fragte auch noch mal sicherheitshalber und man zeigt auf einen Bus. Das sei der richtige.
20.000 für,die 35 km sind ok.
Es war ein seltsamer Busfahrer. Während der Fahrt hat er viel gegessen, getrunken, Nachrichten geschrieben, Fotos gemacht und telefoniert. Mir wäre lieber gewesen, er hätte sich mehr auf das Fahren konzentriert und wäre etwas vorausschauender gefahren, anstatt regelmäßig sehr scharf zu bremsen. Und natürlich stand bei dem Bus das Lenkrad nicht gerade.
Die Missionsstation der Jesuiten stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert und ist nur einer von vielen hier in Paraguay. Interessant ist, dass diese Mission Stationen alle sehr standardisiert gebaut worden sind. Die Grundstruktur Struktur ist einmal entworfen und festgelegt worden und nach diesem Muster wurden die einzelnen Gebäude Gebaut. Es ist ja immer das Problem, dass bei Gebäuden, die nicht mehr gebraucht werden, die Steine demontiert und abtransportiert werden, um als Baustoff für neue Gebäude zu dienen. So sind in der Vergangenheit viele Gebäude zerstört worden. Aber diese Station hier ist noch recht gut erhalten, so dass man die Struktur noch gut erkennen kann.
Dem bin ich wohl völlig suspekt..
Hinter dem Eingang zur Missionsstation wartete eine große, begrünte Fläche., auf der ziemlich weit verstreut, die einzelnen Häuser beziehungsweise die davon übrig gebliebenen Ruinen der Jesuiten zu sehen war.
Treppe zur Krypta
Es sind Häuser für die Eingeboren, eine Kirche, ein Glockenturm und andere Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Der hintere Teil ist tatsächlich noch bewirtschaftet da sind noch Jesuiten, wie man an den davor parkenden Autos leicht erkennen kann.
Am meisten beeindruckt hat mich sicherlich die Ruine der riesigen Hauptkirche und natürlich hat mir gut gefallen, dass man in die Krypta hinabsteigen konnte. Insgesamt eine gewaltige Anlage und es ist kaum vorstellbar, wie sich damals in der Zeit die Leute sowas haben bauen können.
In dieser großen Kirche habe ich dann Guillaume getroffen. Guillaume ist ein junger Mann, der aus Frankreich kommt, der aber in München bei VW arbeitet und hervorragend Deutsch spricht. Wir kommen schnell ins Gespräch und reden lange über Reisen über Job und andere Dinge. Er ist vier Monate hier unterwegs und trifft sich in zwei Wochen mit seiner Freundin in Buenos Aires. Interessanter und sehr liebenswerter Typ. Guillaume ist übrigens die französische Form von Wilhelm.
Viele Besucher gibt es hier nicht. Ich habe zwei Holländer gesehen und vorher auch noch eine Gruppe mit 4-5 Leuten und als ich das Gelände verlassen will, kommen wir noch mal drei Touristen entgegen. Das spiegelt aber generell wieder, dass Paraguay kein sehr typisches Urlaubsland ist oder Reiseland. Ausgenommen natürlich die Schmuggler, die nach Ciudad del Este fahren. Vielleicht gibt es hier nicht DIE umwerfenden Sehenswürdigkeiten, aber allein schon wegen der Leute ist es eine Reise wert.
Jetzt kam der spannende Teil dieses Trips. Für die Hinfahrt bin ich in einem Bus gefahren, der nach Ciudad del Este fährt. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, wie wohl die Rückfahrt sein würde, weil so viele Busse fahren diese lange Strecke nicht. Aber irgendwie dachte ich: wird schon gut gehen.
Tatsächlich gab es an der Straße einen kleinen Unterstand, so dass ich nicht in der prallen Sonne stehen musste. Dann saß ich da und schaute nach links. Dort sollte er kommen.
Wer auch immer.
Circa jede Minute kam ein Auto vorbei, manchmal auch zwei.
Ich hatte auf die Uhr geschaut 15:30 Uhr bin ich dort angekommen. Und dann, 10 Minuten später, kam ein Bus die Straße entlang. Ich stellte mich hin und streckte die Hand aus, so werden hier üblicherweise die Busse angehalten.
Als er näher kam, war tatsächlich auch das Schild Encarnacion in seiner Scheibe festgeklebt. Gewonnen!
Das war wirklich einfach. Guilleaume hatte es schwieriger gehabt. Er war mit dem Taxi aus Argentinien gekommen, obwohl selbst ich weiß, dass da ein ganz normaler Bus verkehrt.Und dann ist er hier zu der Anlage auch wieder mit einem Taxi gefahren und hat sich auch beklagt, dass das recht teuer gewesen sei. Da macht sich meine Erfahrung vielleicht ein wenig bezahlt.
Das Problem mit dem Essen heute Abend habe ich elegant gelöst. 5 Tomaten, Zwiebeln, Thunfisch, etwas Mayo und eine Dose kaltes Bier. Köstlich!
Du bist sehr sparsam und wirtschaftlich.
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