Dienstag, 8.4.2025 Bergauf!

Letzte Nacht hat es ziemlich geregnet. Aber in meinem Zimmer war es okay. Es gibt eine Heizung, aber die kann ich nicht selber anstellen, sondern das macht die Rezeption. Was ich nicht wusste, ich kann sie regeln. Also hatte ich, bevor ich zum Abendessen gegangen bin, gebeten, die Heizung anzustellen, und als ich zurückkam, waren in dem Zimmer 28°. 


Naja, was blieb mir anderes übrig, als das Fenster eine Zeit lang aufzumachen und die Heizung gehörig runter zu regeln. Aber so hatte ich auf jeden Fall trotz der kalten Temperaturen draußen eine gute Nacht.

Heute früh habe ich dann mein Limonade plus Kekse Frühstück gehabt und mich danach fertig gemacht. Ich hatte gestern zufällig gesehen, dass es hier eine Wäscherei gibt und die Sachen in meinem Rucksack hielten das für eine hervorragende Idee. Also ging mein erster Weg dorthin und morgen Nachmittag sollen die Sachen fertig sein. 










Es gibt hier einen kleinen Platz, wo der Markt stattfindet. Ein kleines Gebäude, dann, wie gesagt, dieser Platz und auch die angrenzenden Straßen sind voll mit kleinen Anbietern. Es gibt viel Fisch und Gemüse, aber auch Fleisch. 


Um die frühe Morgenstunde ist natürlich auch noch viel los. Ich gehe in das Gebäude und finde auch eine Comida, aber so wie es aussieht, gibt es da nur warmes Essen. Eine Frau spricht mich an und wirbt für ihre Küche, aber ich antworte, dass ich eigentlich ein Frühstück suche. Aber anstatt sich jetzt entrüstet abzuwenden, lächelt sie, zeigt in eine Ecke und sagt, dass ich da durchgehen sollte. Da würde es Kaffee geben. Und tatsächlich, da gab es eine kleine zweite Comida, die sich auf Frühstück spezialisiert hatten. Und so ein  warmer Kaffee am Morgen bringt einen doch mehr auf Touren. 


War es gestern doch sehr warm warm, habe ich heute Sommerkleid an. Um 10:00 Uhr morgens ist das noch sehr gewohntgewöhnungsbedürftig, aber mal sehen, wie sich der Tag entwickelt.








Heute will ich mir mal die Kathedrale ansehen. 

Die Kirche ist nicht nur äußerlich sehr prächtig, vor allem innen drin ist es ein unglaublicher Prachtbau. Die Seitenaltäre sind sehr kunstvoll gestaltet,  aber der Hauptaltar ist einfach überwältigend. Ich kann mich nicht erinnern, so viel Pomp in Rom gesehen zu haben.

Es gibt noch eine kleine Kapelle, in der das Erscheinen der Christen hier mit Bildern erzählt wird, und einen weiteren Alter, wo ein Indigener einer christlichen Figur huldigt. 

Es gibt auch ein Bild mit einer Taufsehne eines Indios. 












Hinter dem Altar in einem Schrein befindet sich die handgeschnitzte Statue, der Virgen de Candelaria. Die Statue hat der Enkel von Tupac geschnitzt, eben diesem Rebellenführer, der in La Paz gevierteilt wurde. Die Statue wurde nie aus der Kirche entfernt und darf sie auch nie verlassen, weil es eine Weissagung gibt, dass der Titikakasee über seine Ufer tritt, sobald das geschieht.





Die Leute hier sehen das mit dem Fotografieverbot nicht ganz so eng, aber als dann ein Polizist reinkommt, verschwinden die Handys relativ schnell.


Für so eine relativ kleine Stadt ist es eine außergewöhnliche Kirche und allein schon der riesige Vorplatz und die architektonisch wirklich schöne Ausgestaltung der Kirche zeigen, dass es den Menschen jedoch ernst ist mit dem Glauben. 

Aber seit jeher war Copacabana ein wichtiger Ort für Gläubige und Pilger.








Vor der Kirche stehen auch drei blumengeschmückte Autos. Darunter auch ein deutsches Wohnmobil allerdings ohne jeden TÜV Stempel. Das Kennzeichen ist LB, also Ludwigsburg. 

Ein anderer Camper aus Chile steht dahinter und die sind offensichtlich hier, um ihre Autos segnen zu lassen.


Auf meinem Gang durch die Stadt bin ich dann auch zufällig an diesen sehr auffälligen Häusern vorbeigekommen, die aus der Nähe noch viel wunderlicher aussehen. Aber ich habe dann gesehen, dass das tatsächlich ein Hotel ist, wo man für ab 100 € pro Nacht auch übernachten kann. Sehr extravagant.














Es war heute doch einigermaßen kühl und es hat auch leicht geregnet. Das macht natürlich so einen Touristentag schwierig. Ich hab mich dann doch erst mal noch aufs Ohr gelegt und bin dann erst später wieder auf die Straße gegangen. 












Um dieses Nichtstun auszugleichen, habe ich beschlossen auf den Cerro Calvario zu gehen. Das ist quasi der Hausberg direkt hinter meinem Hotel. Die Aussicht soll atemberaubend sein. 

Eine unglaublich dumme Idee, weil der Weg dahin übel steil war. Ich hatte mir vorgenommen, 50 Doppelschritte zu gehen und dann eine Pause zu machen. Das hab ich dann schnell auf 30 Doppelschritte gekürzt und dann auf 20.


20 Doppelschritte gehen, Pause machen. Und die Pausen wurden länger. Aber der Ausblick hat einen schon ein bisschen belohnt. Zwischenzeitlich war das Wetter auch wieder etwas besser geworden und ich wanderte in Richtung der Kirche, wo auch die Basilika ist. 


Unterwegs traf ich dann Ed, den Kanadier von gestern. Er ist heute auf einem anderen Berge hoch gekraxelt, auf den Horca del Inka, aber er scheint auch circa zehn Jahre jünger zu sein als ich. 


Natürlich haben wir kurz gequatscht und jetzt weiß ich auch, dass er Ed heißt. Begegnungen zwischen allein Reisenden sind immer völlig problemlos und sehr spontan und herzlich. Ich freue mich da jedes Mal drüber?


Danach bin ich zu einer kleinen archäologischen Site gegangen (Intikala), die hier im Dorf ist. Sie war aber sehr rudimentär und für mein Auge war das so als Inka-Stätte nicht wirklich zu erkennen. Angeblich war es ein Versammlungsort mit Sitzen und Steinschnitzereien. 
















Und dann gibt es hier auch noch eine Stelle, von der aus die Inka damals ihre Himmelskörper Beobachtungen gemacht haben. La Horca del Inca.

Die konnte man besichtigen. Und ich denke es ist ein Anflug von Höhenkrankheit, der mich bewogen hat, das zu tun. An der letzten Inka-Site Ist mir schon ein anderer, übergewichtiger Tourist aufgefallen, der da hoch gekraxelt ist. 


Auf der Straße zu dieser Beobachtung traf ich ihn wieder. Wir quatschen kurz miteinander, und er erzählte mir, dass er aus Chile käme. Dann haben wir uns den Berg angesehen und waren beide der Meinung, dass das vielleicht für die Knie nicht das Optimale ist. Und während er dann von unten Fotos machte, sagte ich okay, let’s go. 

Er fragte, dann willst du da hoch gehen? und ich antwortete ja, ich versuche es. 

Da haben wir wieder den Beweis bekommen, dass die Chilenen offensichtlich intelligenter sind als die Deutschen. Er ist nämlich umgekehrt. 










Das hier, wo ich bin, ist eine Inka Treppe. Ich gehe über fünf Stufen und mache eine Pause. Aber schon von hier aus ist der Blick überwältigend.

Die Treppen nehmen kein Ende. Zwischendurch setze ich mich immer kurz, aber das Aufstehen ist sehr schwer, weil man dann herunter blicken muss. Und das ist sehr viel unangenehmer, als wenn man die Steigung vor sich hat. Ich muss immer aufpassen, dass mir dabei nicht schwindlig wird . Hinter mir kommt eine junge Frau, ich denke so Ende 20, und die überholt mich natürlich lächelnd. Aber das ist okay. 

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Die letzten paar Meter bin ich dann auf allen Vieren gegangen, weil mir das zu steil war.

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frage mich ernsthaft, ob das hier dieses Rentnerdasein ist, von dem viele so schwärmen. Wenn es das ist, wäre es durchaus eine Option, weiter zu arbeiten.












Die ersten gut 100 Stufen auf der Inka Treppe waren ja noch entspannt, und man war ja auch noch frisch. Aber an der Stelle war erst noch ein Häuschen, wo man den Eintritt bezahlen musste. Mit anderen Worten hier ging es erst mal richtig los.




Das verrückte ist ja, dass ich für diese Tortur auch noch Eintritt bezahlt habe. Ist das cool? Die Maya und die Inka sind ja beide bekannt dafür, dass sie in Forschung und Wissenschaft schon relativ weit vorne waren, wobei die Maya  sicherlich da noch mehr geleistet haben. Den Inka würde ich aber gerne mitgeben, dass es klüger gewesen wäre, diese Mondbeobachtungsstation  vielleicht unten am Strand zu bauen. Von da aus kann man den Himmel auch ganz gut sehen und es wäre einfacher gewesen, ihre Werke zu besichtigen. 


Mein Fazit: die Chilenen sind schlauer, und die Deutschen können besser klettern. Der Weg runter war dann schon einfacher. An den steilen Stellen bin ich meistens seitwärts gegangen, weil ich da ein besseres Gefühl für mein Gleichgewicht hatte. Aber später ging es normal vorwärts, eben nur mit dem Nachteil, dass die Inka wohl kein Zentimetermaß hatten. Die Stufen sind teilweise 50 cm tief und ein entspanntes Gehen kann man hier ziemlich vergessen.


Beim aufwärtsgehen kann man sehr bewusst eine Stelle suchen, wo man seinen Fuß aufsetzt. Wenn die Stelle nicht gut ist, setzt man halt den Fuß woanders hin. Beim bergab-gehen ist das schwieriger, weil man die Stelle, wo man dann mit seinem ganzen Gewicht drauf treten will, nur optisch prüfen kann. Man muss einfach schauen was sieht hier vertrauenswürdig aus dann kommt man mit dem ganzen Gewicht hinterher . Da muss man sehr bedacht sein.


Es waren etwas über 100 Höhenmeter und ich bin tatsächlich etwas stolz auf mich. Ein gutes Training für meinen Trip zur Isla del Sol. Dort warten 170 Höhenmeter auf mich und ich habe einen Rucksack. Ik freu mir! 


Ganz zum Schluss bin ich dann tatsächlich noch in eine der Touristenkneipen am Strand gegangen und die hatten gerade happy hour. Zwei Drinks zum Preis von einem. Natürlich sind die Drinks kleiner als wenn man sie normalerweise außerhalb der happy Hour bestellt aber manchmal möchte ich auch betrogen werden. 




Also sitze ich in der untergehenden Sonne und lass es mir gut gehen. um 17:30 Uhr steht die Sonne noch ziemlich hoch. Aber die Temperaturen gehen schlagartig runter. Ich sitze hier und die Sonne hat ganz plötzlich keine Kraft mehr, obwohl sie noch so hoch steht. Ich habe immer nur noch ein T-Shirt und eine kurze Hose an, aber ich denke so in 10 Minuten wird das eine schlechte Idee sein. Trotzdem ist die Stimmung hier irgendwie nett. Neben mir läuft Bob Marley, vor mir ein leckerer Drink und der See. Ein schönes Fleckchen Erde.


MIt 3800m über dem Meeresspiegel ist der von der Fläche her mit Korsika (oder mit Bodensee X 15) vergleichbare Titicaca der größte See in Südamerika und das höchstgelegene schiffbare Gewässer der Welt. Als ich 2019 on Peru her am See war, war ich ehrlich erstaunt über die Größe der Fischer und Frachter, die dort im Hafen lagen. 

Die Namensherkunft ist …..na ja. Titi bedeutet „Puma“ und kaka „bleifarben“ oder auch „Blei“.   „Caca“ bedeutet „weiße oder graue Haare des Kopfes“ was ich mit meiner Haarfarbe als etwas beleidigend empfinde.


Aber mal ernsthaft: Der Name ist wohl abgeleitet von Titikala, dem heiligen Felsen auf der Isla del Sol. Eine wichtige Attraktion sind die Schilfinseln, die ursprünglich zum Schutz vor den eindringenden Inkas gedacht waren. Die Inseln schwimmen und wurden im Angriffsfall losgeworfen und auf den See hinausgezogen. In Peru bin ich mal auf so einer Insel gewesen. Die eben genannte Isla del Sol ist die Wiege der Inka. Sie ist heilig und der Legende nach wurden hier die ersten Inka (Manco Capac und seine Schwesterfrau!!! Mama Ocala von einem weißbärtigen Gott geschaffen. 


Leider ist der See stark verschmutzt und die hier lebenden Tiere sind gefährdet. Und wieder leider wirkt auch hier die gerne geleugnete Klimaveränderung. Zwischen April und September 2009 sank der Wasserspiegel um 81 cm. 

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