Freitag, 11.4.2025 Regen!
Mein Weg gestern Abend zum Abendessen war schwierig. Laut Google sind es nur 20 Höhenmeter, aber gefühlt sind es eher 50. Es ist sehr steil und, wenn man wieder durch Felsbrocken geht, schwer zu gehen. Dazu kommt noch die Dunkelheit. Zum Glück habe ich eine Taschenlampe dabei, damit ging es einigermaßen, nur als aus dem Dunkel plötzlich drei riesige Gestalten auf mich zukommen, habe ich einen ziemlichen Schreck bekommen.
Es waren drei Esel. Da es hier keine Autos gibt, werden die Esel als Transportmittel benutzt. Aber schließlich habe ich den Berg geschafft und mich dann auch schnell für ein Restaurant entschieden. Kriterien dafür sind nicht die Karten, sondern ob Leute drin sind. Viele Gäste sind immer ein gutes Zeichen. Und da die Bolivianer auch relativ spät essen habe ich auch keine Lust in einem Restaurant alleine zu sitzen.
Hier gab es ein Menü, dass ich auch gewählt habe. Erster Gang war eine wirklich sehr, sehr leckere Gemüsesuppe, Hauptgang ein Hähnchen-Steak und Nachtisch Eis. So viel hab ich schon lange nicht mehr gegessen. Die Preise hier sind der Höhe angepasst, aber das ist verständlich, weil ja wirklich alles hier hoch gebuckelt werden muss.
Gestern Abend habe ich dann in meinem Zimmer gesessen. Man muss sich das so vorstellen: die Terrasse und auch das Fenster von meinem Zimmer gehen raus auf den Titikaka. Natürlich ist es stockdunkel, nur der Vollmond bringt ein bisschen Licht. Es ist, glaube ich, das erste Mal, dass ich einen wirklich bequemen Stuhl habe in meinem Zimmer und auch einen Tisch, an dem ich meine „ Hausaufgaben“ machen kann. Und während ich schreibe und ab und zu rausgucke, zieht ein Gewitter auf. Das ist auch eine besondere Erfahrung, wenn man buchstäblich etwas näher an den Blitzen dran ist (fast 4000 m über dem Meeresspiegel) aber es ist doch schön, dieses natürliche Ereignis in einer sehr natürlichen Umgebung zu sehen.
Heute früh gab es dann ein leckeres Frühstück und ich habe Rebecca und Joanne kennen gelernt. Zwei junge Frauen aus England, die ich zuerst nicht verstanden habe. Ich fragte, wie immer, woher sie kommen und sie sagten etwas in einer seltsamen Sprache zu mir. Ich bin dann aufgestanden und zu ihnen rüber gegangen, weil ich keine Ahnung hatte, was für eine Sprache das sein sollte; ich vermutete irgendwas skandinavisches.
Nein, es war ein ziemlich übler englischer Dialekt, die beiden kamen aus England . Sie haben sich dann aber auch bemüht ein korrektes Englisch zu sprechen und dann klappte es auch mit der Kommunikation. Die beiden sind seit einem halben Jahr unterwegs und sind von Buenos Aires aus runter nach Feuernland gegangen und dann über Chile und Peru hier nach Bolivien gekommen. Und sie finden es hier genauso himmlisch, wie ich. Man trifft immer wieder sehr interessante Leute und auch solche die von dem Reise Virus sehr stark gepackt worden sind.
Nach dem Frühstück fing es dann an, zu regnen. Es war ein richtig erwachsener Regen und so war ich froh, ein schönes Zimmer zu haben.
Um kurz vor eins hat es dann aufgehört zu regnen und die Wolken zogen sich langsam zurück. Aber es war immer noch sehr kalt draußen und so habe ich halt den ganzen Vormittag damit verbracht, mal Daten zu löschen auf meinen Geräten und den Rucksack neu zu packen. Dann kam langsam die Sonne raus, aber natürlich war von dem ultralangen Regen alles sehr durchnässt und auch ein bisschen rutschig. Das motiviert mich nicht sehr, irgendwas größeres zu unternehmen, und auch mein Vorhaben, heute zum Mirador hier zu gehen, habe ich erst mal beiseite geschoben.
Bei einem solchen Untergrund braucht man schon vernünftige Schuhe und auf die habe ich aus Gewichtsgründen verzichtet und habe nur einfache Sneaker, die natürlich im Gelände nichts taugen.
Ich hatte mir kurz vor der Reise extra noch bessere Schuhe gekauft, dann aber beim einlaufen gemerkt, dass sie drücken. Damit wollte ich nicht auf Reisen gehen.
Also braucht man einen Plan B und das ist nichts einfacher als das: hier oben gibt es viele Terrassen und als dann die Sonne komplett rauskam war es ja auch sehr sehr angenehm. Damit habe ich genau das getan, was ich gestern schon avisiert habe: ich mach hier gar nix.
Aber dann hat der Schweinehund doch verloren und ich habe mich aufgemacht und bin doch zu diesem Viewpoint gegangen.
Was habe ich nur immer für Ideen?
Das erinnert mich an ein ganz niedliches Buch, dass ich vor vielen Jahren mal gelesen habe. Ich glaube, es heißt auch „Der Schrecksenmeister“ oder so ähnlich und ist auf jeden Fall von Walter Moers.
Denn so geht es in dem Buch darum, dass ein Riese seinen Kopf abgenommen und irgendwo hingelegt hat.
Aber leider hat er dann vergessen, wo genau dieser Kopf ist. Und seitdem liegt dieser Kopf dort. Die Helden unsere Geschichte kommen an dem Kopf an und klettern durch das Ohr hinein. Dort treffen Sie unterschiedlichste Wesen, unter anderem sind dort Blasen, die herumfliegen.
Die meisten sind bunt und ein paar sind dabei, die sind nur weiß. Mit einer solchen weißen Blase freunden sie sich an und die erklärt Ihnen dann auch, dass diese Blasen Ideen sind, die im Kopf herum schwirren.
Und einer der Forscher fragt dann auch, warum denn einige Blasen bunt sein und warum gerade diese Blase weiß sei. Da guckt die Blase ganz verlegen zur Seite und sagt, die weißen Blasen seien schlechte Ideen.
Und sie sei die Idee, die dem Riesen geraten hätte, den Kopf abzusetzen.
Und warum komme ich jetzt gerade auf diese Geschichte? Nun ja,dieser Aussichtspunkt ist 1,7 km entfernt von mir, das ist ja durchaus machbar. Etwas eher erschrecke mich die 100 Höhenmeter, die man überwinden muss, um dahin zu kommen.
Es war nicht wirklich ein Weg, sondern eine Ansammlung von Steinen oder zwischendurch auch mal etwas nasses Gras oder Pfützen mit Schlamm.
Ich habe wieder mein altes Muster verwendet und bin immer 40 Doppelschritte gegangen und hab dann erst mal wieder dafür gesorgt, dass meine Lungen ein wenig Luft bekommen. Aber dann irgendwann war es soweit, dass ich zu mindestens den View Point sehen konnte.
Dann bin ich tatsächlich angekommen. Von hier aus kann man natürlich relativ weit sehen und man kriegt einen guten Eindruck von der Insel und auch von dem angrenzenden Festland. Zum greifen nah ist die Mondinsel und es ist wirklich wunderschön hier oben. Leider sind nur ein paar Idioten hier die die ganze Zeit Musik laufen lassen. Auch wenn ich Musik mag, finde ich einen solchen Ort gehört es nicht unbedingt hin.
Hier oben sieht man viele frisch gepflügte Felder, d.h. in diesem wirklich sehr unzugänglichen Gebiet pflanzen, die Leute irgendwelche Gemüsesorten an. Auch Schafe weiden hier oben, man muss halt nutzen, was es gibt.
Trotzdem eine sehr beschwerliche Art, sein Leben zu Fristen. Auf dem Rückweg hatte ich dann leider nicht mehr diese Landmarke „Aussichtsturm“, an der ich mich auf dem Hinweg auch ohne Weg gut orientieren konnte. Jetzt muss ich wirklich ein bisschen drauf achten, wo ich in dem Matsch Fußspuren finde, um zu checken, ob der Weg richtig ist.
Hier oben wachsen nur sehr karges Pflanzen. Die Pflanzen sind nicht hoch, aber die Äste oder Stiele, an denen sie stehen sind sehr hart und sehr stark.
Darunter gibt es eine Pflanze, die sehr stark nach Minze riecht. Auf der Tour zur Mondinsel hat unser Guide uns das gezeigt und sagte, es wäre gut diese Blätter zu kauen, weil das hilft, besser Luft zu kriegen. Sie schmecken aber auch so wie sie riechen, vielleicht ein bisschen schärfer und intensiver als ein normales Minzeblatt.
Hier oben in einer Weggabelung saß auch eine alte Frau und verkaufte dort Textilien. Sie saß da und spann manuell das Garn, so dass ich davon ausgehen kann, dass die ganzen Sachen, die sie da hatte, Handgemacht waren.
Der Rückweg war dann doch deutlich einfacher, abgesehen von der Bodenbeschaffenheit und von der Tatsache, das mit meinen Knien das Bergabgehen und nicht mehr so viel Freude macht, aber man bekommt wenigstens deutlich mehr Luft. Ich habe mir auch Zeit gelassen und hab einfach die Aussicht genossen .
Als ich dran in Yumani war, habe ich das Café aufgesucht, wo ich gestern schön im Liegestuhl gesessen habe. Es ist etwas kühler als gestern, aber die Sonne schien angenehm und ich habe dann mit meinem Kaffee in der Sonne gesessen und habe es einfach nur genossen.
Schön hier.
Abends war ich noch essen und es gab einen schönen Sonnenuntergang, aber über Peru sah man schon den Regen…1/4 Stunde, nachdem ich wieder in meinem Hostel war, fing das Gewitter an….
Paradies
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