Freitag, 25.4.2025 Tena
Die Erkältung will nicht gehen. Der Schnupfen ist deutlich besser geworden, dafür huste ich jetzt. In der Apotheke versorge ich mich mit (verschreibungspflichtigen) Drogen und gehe das kurze Stück zum Busbahnhof. Dabei stoße ich mich mit dem Arm an einem Pfahl und zerreiße mir damit mein Uhrarmband. Shit! Ich hatte es ja letztens schon notrepariert, aber es ist einfach morsch. Wie oft werde ich jetzt wohl auf mein nacktes Handgelenk schauen?
Ansonsten ist alles normal. Ich soll um 9:30 am Bahnsteig sein und um 9:30 soll der Bus auch abfahren. Um 9:15 bin ich da und um 9:17 rollen wir auf die Straße. Pünktlichkeit wird hier nicht belohnt. Aber ich bin ja lernfähig!
Der Busfahrer gehört auch wieder zu den schnellen seiner Zunft. Man muss sich schon im Sitz etwas verkeilen, damit man nicht umfällt. Wir fahren durch Berge mal hoch und mal runter und durch enge Kurven.
Es fällt mir schwer, die Umgebung zu beschreiben, weil sie so abwechslungsreich ist. Steile Berge oder tiefe Täler, Flussläufe und kleine Dörfer; es ist unglaublich. Ich versuche Fotos zu machen, aber dadurch, dass ich nicht nach vorne sehen kann sondern nur zur Seite aus dem Fenster bin ich immer zu spät. Also lasse ich es.
Ich hatte zuerst auf meinem zugewiesenen Platz gesessen, habe mich dann aber umgesetzt, weil ich eine freie Sitzbank gesehen hatte. Hier sitzt man sehr gemütlich, was bei dreieinhalb Stunden auch vorteilhaft ist.
Und dann bin ich irgendwann in Tena angekommen. Heute Morgen im Wetterbericht hatte ich gesehen, dass hier angeblich 27° sein sollen und habe das für einen absoluten Fehler gehalten. 22° ja, aber 27?
Als ich dann aus dem Bus ausgestiegen bin, wusste ich, dass der Wetterbericht unrecht hatte. Es waren 29°.
Vom Terminal aus sind es 10-12 Minuten bis zu der Unterkunft und die letzten Meter gingen über eine staubige Straße. Dort sah das Schild des Hostels und eine kleine Tür. Die war verschlossen, und so schellte ich.
Niemand öffnete.
Ich hatte beim Frühstück zwei große Kaffee gehabt und wäre jetzt gerne hineingegangen und schellte ein zweites Mal.
Die Reaktion blieb aus, und so wählte ich die Telefonnummer und ein Mann meldet sie sich. Er sprach Spanisch und ich sprach Englisch. Aber nach ein paar Worten hin und her (von mir auch ein bisschen spanisch) hatten wir uns verstanden.
Ich hatte nur die Türe gesehen, nicht das Tor. Peinlich!
Er sagte dann etwas, was ich nicht verstand, aber dann sah ich ihn auf der Veranda, und er deutete mit dem Arm nach rechts. Aber dann drückt er auch die Tür auf und ich könnte hineingehen. Ich blickte mich um und sah, dass neben der Tür, die ursprünglich verschlossen war, ein großes, zweiflügligen Tor war, dass weit offen stand.
Okay, da hatte ich nicht richtig hingesehen. Ich habe dann eingecheckt und schon nach ein paar Sekunden hörten wir mit diesem Spanisch / Englischen Kauderwelsch auf und sprachen Deutsch. Der Wirt hieß Michael und kam aus der Nähe vom Bodensee. Er war hierher ausgewandert und betreibt jetzt dieses Hostel.
Das Zimmer ist geräumig mit einem privaten Badezimmer und zwei Ventilatoren. Dazu gibt es eine kleine Küche, die ich benutzen darf, so ist mein Frühstück also auch gesichert.
Der Spaziergang durch die Stadt ist recht anstrengend. Die Hitze bin ich nicht mehr gewohnt, obwohl ich wirklich leicht angezogen bin. Hier in der Stadt ist eine Menge los, es gibt viele Shops und viele Leute hasten von hier nach dort.
Ich gehe zum Bus Terminal , weil da viele kleine Comidas sind und zögere kurz, als ich das Schild Asado de Cui sehe. Da ist es wieder, unser Meerschweinchen.
Aber ich entscheide mich vorerst für ein kleines Pollo Asado, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Die Stadt ist nicht im eigentlichen Sinne schön, aber sie ist sehr lebendig. Auf der Straße sind 1000 Taxis und viele Busse und natürlich auch normale LKW und PKW. Es reiht sich im Grunde genommen ein Geschäft an das andere von Textilien über Elektronik über Restaurants, Cafés, hier ist alles mögliche vertreten und das macht die ganze Sache wirklich dynamisch.
Ich gehe über die recht laute Hauptstraße zum Park Amazonica. Hier ist die Kneipenszene, und das Besondere an dieser Stelle ist, dass hier die beiden Flüsse zusammen fließen, der Misahualli und der Rio Tena. Vielleicht gehe ich heute Abend hier was essen, mal sehen.
Hier in der Stadt gilt es laut Michael einen Standardpreis für die Taxen. Tagsüber 1,25, abends 1,50. Da das letzte Stück zur Herberge einen Berg hochgeht, erscheinen mir 1,50 nicht besonders viel. Zumal Tena auch nicht die sicherste Stadt in Ecuador ist. Michael meint, nach 10:00 Uhr sollte man sich auf keinen Fall mehr auf der Straße aufhalten, weil die dann den Drogenbanden gehört. Die lassen zwar Touristen normalerweise in Ruhe, aber wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist, kann trotzdem etwas passieren. Die Gewalttaten in der Stadt haben zu einem ziemlich dramatischen Rückgang der ohnehin spärlichen Touristen geführt. Und diesen Eindruck habe ich auch, das hier ist keine Touristen Stadt, lediglich in dem in dem Kneipenviertel am Fluss habe ich Gringos gesehen. Ansonsten ist es hier ein wohltuendhomogener Ort von Leuten aus Ekuador. Und von Drogengangstern.
Auf der Straße sind öfter Leute zu sehen, die aus einem kleinen Schuhkarton heraus Bonbons einzeln verkaufen oder Seife oder andere Kleinigkeiten. Arbeitslosigkeit ist hier ein großes Thema, ich kam an einer großen Baustelle vorbei, wo mehrere Schilder waren „keine Arbeitsplätze“!
Tena mit seinen 13000 Einwohnern gilt als das Tor zum Amazonas. Hier in der Nähe im Regenwald leben viele Indigene so, wie ihre Vorfahren auch schon gelebt haben. Der Ort liegt auf 600m Höhe und ist umringt von Wald mit vielen Vögeln und anderen Bewohnern wie Affen, Schmetterlinge oder interessante Insekten. Die Stadt ist berühmt für ihre Nähe zu beeindruckenden Wasserfällen und Flüssen wie dem Río Napo. Besucher können auch indigene Kulturen kennenlernen und ihre traditionelle Küche probieren. Mit seinem milden Klima und einer entspannten Atmosphäre ist Tena ein idealer Ausgangspunkt, um die Wunder des Amazonas zu erkunden. Neben dem Tourismus dominiert hier die Landwirtschaft mit Mango, Bananen oder Kakao. Die Stadt spielt eine Schlüsselrolle in der Förderung indigener Rechte und der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen. Politische Initiativen konzentrieren sich auf den Schutz der Umwelt und die Stärkung der Infrastruktur, um die Verbindung zwischen Amazonas- und Andenregionen zu verbessern.
Es ist praktisch, Ihre Muttersprache an einem unbekannten Ort zu sprechen.
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