Montag 14.4.2025 Luft!!!





Der Start in den Tag war perfekt. Ich habe hervorragend geschlafen und bin gut ausgeruht. Meine Schlafstörungen haben offensichtlich etwas mit der Höhe und mit den Atemproblemen zu tun gehabt. Auf 4000 m muss man, auch wenn man sich ganz normal und ruhig bewegt, alle 7-8 Atemzüge einen oder mehrere sehr tiefe Atemzüge machen. Und das gilt auch, wenn man ruht. Ein paar flache Atemzüge und dann 2-3 sehr tiefer Züge und dann geht es weiter. Vielleicht wirkt sich diese Art Atemnot auf die Schlafqualität aus. 


Aber, wie gesagt, die letzte Nacht war super. Zum Frühstück heute gab es leider Ananas, eine der wenigen Dinge, die ich absolut nicht esse. Aber Kaffee und Rührei haben vieles wieder gut gemacht. Der Morgen begann sehr sonnig und sehr schön warm. Gute Gelegenheit, meine lange Hose zu waschen und endlich wieder mal eine kurze Hose anzuziehen. Und so ging ich sehr gut gelaunt zu der Plaza und als erstes zu der Kathedrale. 




Es ist eine Kathedrale mit Wow Effekt. Das klingt despektierlich, aber man kann es nicht anders sagen. Sie ist riesig groß, unglaublich prunkvoll gemacht, wirkt aber nicht überladen. 














Die turmhohen Säulen sind mit Marmor verkleidet und der Altarbereich übertrifft alles, was ich bisher (selbst in Rom) gesehen habe. Aber das korrespondiert absolut mit dem hohen Grad an Gläubigkeit, die die Menschen hier haben, und die ich ja gestern auch gesehen habe.Solche überfüllten Gotteshäuser kenne ich bisher nur von den Philippinen.


Man kann hier sehr entspannt gehen. Das liegt einmal daran, dass es nicht so extreme Steigungen gibt, aber natürlich auch daran, dass es hier Luft gibt. Sehr zufällig komme ich an einem Museum der Universität vorbei und gehe rein. Es gibt Bilder von ehrwürdigen Universitätsdekanen oder Studenten und die Räumlichkeiten an sich sind eigentlich für mich das Sehenswerte.










Mal wieder hinter der Schulbank sitzen!

Da es eine medizinische Fakultät ist, werden viele medizinische Geräte ausgestellt und unter anderem gibt es das Schaubild eines Rechners, bei dem die einzelnen Komponenten deutsch bezeichnet sind. Es ist ein sehr alter, sehr einfache Rechner, wo viele Dinge, die heute in einem Prozessor vereinigt sind, noch einzeln definiert waren. 




Interessante Statistik!





Hochinteressant. 


in einer anderen Ecke werden mechanische Schreibmaschinen ausgestellt, nicht diese uralten, sehr hohen und sehr schweren Geräte, sondern schon die etwas kleineren, ähnlich der, auf der ich meine Diplomarbeit geschrieben habe. D.h., die Hilfsmittel meiner Diplomarbeit sind mittlerweile in einem Museum, mit anderen Worten: ich bin alt! 












Wenn ich dann hier die Treppen hoch steige, komme ich natürlich auch ein bisschen aus der Puste, aber es ist nicht so schlimm, weil es ja Puste gibt. Was auch interessant ist: hier an den Treppen gibt es Aufzüge für Rollstuhlfahrer und es gibt auch ein einfaches Transportsystem für Fahrräder und / oder Elektroroller.










Ich gehe bei dem wunderbaren Wetter die Cala largo entlang, die Lange Straße. Sie ist auch lang, aber sie ist auch sehr lebendig mit kleinen Geschäften,  Restaurants und am Ende auch mit einem großen Markt (Mercado 10 de Agosto). Es ist wirklich ein Vergnügen, hier spazieren zu gehen. In der sehr großen Halle des Marktes ist es fast langweilig. Das Fleisch ist überwiegend in Kühlung gelagert. Es ist alles sehr sauber und ich bin ja fast froh, als ich wenigstens einen Hund sehe, der auf der Suche nach etwas Essbarem auf dem Fußboden ist. Als ich ihn dann fotografiere, sagt einer der umstehen Metzger zu mir auf Englisch, dass das der beste Freund wäre. Ich nicke, und er sagt „willkommen“! 
















Ja, es ist ein schöner Tag. In der oberen Etage (es gibt hier sogar Rolltreppen) gibt es neben Gemüse auch eine riesige Comida. So wie ich sehe, gibt es hier alles, was das Herz begehrt. Alle möglichen Säfte und natürlich alles, was man kochen, braten oder grillen kann. Ich sehe auch zwei oder drei Securities hier rumlaufen, die sehr martialisch aussehen, und auch böse schauen, aber die zumindest keine Pistole bei sich tragen. 



Sie müssen sich mit einem Schlagstock behelfen, das lässt auf keine sehr große Gefährdungslage schließen.

Aber ich bin hier in einer anderen Welt. Man sieht entweder nicht mehr so viele traditionelle Kleidung, wie in den anderen Ländern in den Bergen. Oder die Kleidung ist hier einfach schlichter. 












Auch die typischen Hüte, die die Frauen in Peru und in Bolivien tragen, fehlen hier. Frau tragen hier auch Hüte oder Caps , aber nicht mehr ganz so stylisch wie in den genannten Ländern. Als ich wenig später bei einem Hutmacher vorbeikomme, sehe ich aber, dass diese für mich langweiligen weißen Hüte hier offensichtlich der Standard sind.


Und dann habe ich wohl das erstaunlichste Museum der Welt gefunden. 








Der sehr freundliche Sohn des Gründers erklärte mir, dass es hier darum ginge, gesellschaftliche Tabus zu brechen. Und das wurde hier auch ausgiebig getan. Die ganze Szenerie ist dominiert von Totenköpfen oder abartigen Gestalten. es gab ein paar interaktive Bereiche, zum Beispiel konnte man bei einer Figur, die eine schwangere Frau darstellte, den Bauch öffnen und das Baby da drin sah auch nicht so toll aus. 








Oder es gab ein Regal voller Masken, die man ausprobieren konnte, was ich natürlich auch getan habe. 








Und sicher eines der Highlights ist ein im Boden eingelassener Sarg, wo man auch schon mal zur Probe liegen kann. Als er ihn dann zu machte, war es schon ein komisches Gefühl.





Schon mal Probeliegen! 😇





Wieder auf der Straße empfingen mich eine mittlerweile doch ganz schön warme Temperatur. Es scheint hier ein Künstlerviertel zu sein. Zumindest sieht hier alles sehr kreativ aus und etwas weiter unten ist dann der Rio Thombamba.














Und dann, wieder einer von meinen verrückten Ideen, bin ich in den Markt gegangen und habe überlegt, ob ich irgendetwas von dem Schwein essen soll, oder eine Fanesca. Der Ausschlag ging dann doch in Richtung der Fanesca. Es ist keine Suppe, sondern eher ein Brei. Sehr dickflüssig und auch sehr heiß. Schmeckt gar nicht schlecht, scheint aber auch sehr nahrhaft zu sein. Nur der Fisch schmeckte etwas fischig, und das ist nicht so mein Ding.






Ich weiß, das freundliches Wetter vieles buchstäblich in einem positiven Licht erscheinen lässt. Aber selbst wenn ich das berücksichtige, strahlt diese Stadt und seine Menschen etwas freundliches, positives und leichtes aus. Und das wirkt auf mich, das finde ich schön und das macht gute Laune bei mir. Ich bin dann langsam durch die belebten Straßen wieder zurück zu meinem Hotel für eine kurze Pause gegangen.


Die kurze Pause hat fast 1 Stunde gedauert, weil ich fast augenblicklich wie erschossen eingeschlafen bin.


Und hier kommt ein kleiner Werbeblock. Vor der Reise habe ich mir eine einfache Wanderhose geholt und weil das so praktisch war, habe ich mir zwei gekauft, eine in kurz und eine in lang. Bis auf die Länge sind die beiden von der Art her identisch, so dass ich bei der Organisation der Taschen nicht nachdenken muss. 


Hinten rechts ist das Geld, links in der Baggytasche die Kamera und rechts das Handy. Bei beiden Hosen gleich. 


Beide sind sehr bequem und wie ich heute feststellen musste, ist zum Beispiel die lange nach 3 Stunden schon trocken. Das finde ich natürlich genial. Die Socken hängen noch daneben und tropfen fast noch, aber das ist eine andere Geschichte.


Wenn man aus dem aus der Altstadt heraus kommt, ist man immer noch in der Innenstadt und wahrscheinlich auch noch in einer Art Altstadt, aber es wird moderner. Es gibt hier eine Straßenbahn, die aber offensichtlich dual angetrieben wird. Streckenweise mit einer Oberleitung, dann aber scheint sie die Energie irgendwie aus einer Spur zwischen den Schienen zu beziehen. Seltsam. Und es gibt viel Business.












Als ich weitergehe, komme ich endgültig aus der Altstadt raus und in einem Bereich, der eher von großen Autohändlern oder ähnlichen Gewerbegrundstücken besiedelt ist. Mein Weg soll mich zum Busbahnhof führen, und hier sind fast alle Grundstücke von Sicherheitskräften mit Pumpguns bewacht. Scheint eine raue Gegend zu sein. 

Der Busbahnhof (es ist einer von zweien) ist wie erwartet riesig groß und der Personenverkehr hier lässt sich mit dem auf dem Düsseldorfer Hauptbahnhof vergleichen. 






Ich habe einmal gefragt und bin dann direkt zum richtigen Büro weitergeleitet worden. Entgegen der Auskunft, die ich vorher hatte, gibt es einen direkten Bus zu meinem nächsten Ziel. Zwar nur einmal am Tag, aber ich will ja auch nur einmal am Tag fahren und wenn ich das ohne Umsteigen schaffe: umso besser. Also ein erfolgreicher Besuch. 


Aber auch hier auf dem Busbahnhof gibt es sehr viel gut bewaffnet Polizisten. 

Südamerika!

Ich habe dann die Gelegenheit genutzt, um noch mal kurz die örtlichen Toiletten aufzusuchen. (Kaffee treibt) und beim bezahlen habe ich dann das getan, was ich sonst nur bei sehr alten Leuten beobachte: ich habe mir etwas Kleingeld in die Hand geschüttet und sie aufgefordert, sich etwas auszusuchen. 


In den Ländern bisher war es einfacher, weil es da kaum Münzen gab, sondern nur Scheine. Hier sind die Werte groß aufgedruckt und man hat auch schnell die Farben im Griff. Aber beim Dollar gibt es unzählige Münzen mit winzig kleinen Werten drauf und da tue ich mich noch sehr schwer mit.

Peinlich!


Kurz darauf entdecke ich den Markt des 9. Oktober, der auch sehr schön ist. Auch hier das gleiche Bild wie in dem anderen Markt, alles sehr sauber und sehr gepflegt und natürlich auch sehr hektisch. 

Am Eingang des Marktes steht ein Glaskasten mit einer Heiligenfigur und davor stehen einige Behälter mit frischen Blumen. Die Hunde der Umgebung haben das als willkommene Quelle zum Saufen erkannt. Hier gibt es also für jeden etwas.








Auch hier gibt es eine Comida, aber ich kann ja nicht den ganzen Tag lang essen.

Aber Kaffee kann man trinken. Und so habe ich mir einen Stand ausgesucht und mich dort auf einen Kaffee hingesetzt. Kurz darauf kam eine kleine Familie, und ich bin ein Stückchen zur Seite auf den nächsten Stuhl gerutscht, damit sie mehr Platz hatten. 


Das hat fast zur Adoption geführt, und die Anrede dabei war Tio, also Onkel. Das ist hier insgesamt sehr vielfältig. Oft wird Amigo gesagt, Hombre, Patron oder jetzt eben auch Onkel. Ich bin ein Mann mit vielen Gesichtern.


Die Familie war wirklich süß. Mit der Frau konnte ich mich auch ein wenig unterhalten. Sie wollte natürlich wissen, woher ich komme, was ich hier mache und ob mir Ecuador gefalle. Im Gegenzug weiß ich, dass bei ihr die Großmutter war , ihr Mann und dass ihre Tochter drei Jahre alt sei. Sie seien aus den Vereinigten Staaten, aber gebürtig hier in Ecuador, nur die Kleine sei in den Vereinigten Staaten geboren. Ich weiß also alles.


Ecuador ist das vorletzte Land auf meiner Reise. Das Land, im Westen Südamerikas gelegen, hat eine Geschichte, die bis zu den präkolumbianischen Kulturen der Inka reicht, die das Land im 15. Jahrhundert eroberten. 1830 erlangte Ecuador seine Unabhängigkeit von Gran Colombia (das waren mal die Vereinigten Staaten von Südamerika mit Kolumbien, Panama, Ecuador, Venezuela und Teile von Guayana und Peru) und wurde eine eigenständige Republik. Das Land ist bekannt für seine geographische Vielfalt: Die Anden durchziehen das Hochland, im Osten erstrecken sich tropische Regenwälder des Amazonasgebiets. Der Galápagos-Archipel, der 1835 von Charles Darwin besucht wurde, ist berühmt für seine einzigartige Tierwelt. Ecuador hat zahlreiche Vulkane, darunter den aktiven Cotopax (5.900m)i. Der Amazonas-Regenwald ist eines der artenreichsten Gebiete der Erde. Neben dem Nasenbär, dem Ozelot und vielen Hirscharten gibt es den seltenen Bergtapir, ca. 100 Kondore (nach dem Albatross der zweitgrößte, flugfähige Vogel) , ca. 100 Jaguare, Süßwasser - Delfine und viele verschiedene Affen. Die größte Stadt des Landes ist nicht die Hauptstadt Quito, sondern Guayaquil (3,3 Millionen Einwohner). Vom Besuch dieser Stadt ist mir aber dringend abgeraten worden wegen der ausufernden Kriminalität. Das war nicht immer so. Bis 2020 war Ecuador eines der sichersten Länder in Südamerika, aber dann haben Drogen- und andere kriminelle Banden das Ruder übernommen. 2023 war die Mordrate (45/100.000) die höchste auf dem Subkontinent. Anfang 2024 waren 47% der Bevölkerung Opfer eines Überfalls oder eines Raubes. Von Januar 2023 bis April 2024 wurden 14 Politiker erschossen. Ein schönes Land steckt tief drin in der Schei….


Es gibt aber auch amüsantes hier. So verabschiedet man das alte Jahr, indem man kleine Puppen verbrennt. Die werden oft handgefertigt nach den Konterfeis von Politikern, Ex-Partnern oder ungeliebten Chefs. Befreiend! Und es existiert eine recht schräge Beziehung zu Meerschweinchen. Sie werden als Haustiere gehalten und bekommen zu Weihnachten winzige, bunte Outfits, aber sie landen auch oft auf dem Speiseplan. 


Der Name des von 18 Millionen Menschen bewohnten Landes stammt vom Begriff Äquator ab, der im Norden des Landes verläuft. 

Die Bevölkerung setzt sich zusammen aus 72% Mestizen, 7% indigene, 6 % Europäer, 7% „Afroecuadorianer“, und 7% Montubio (ein Küstenvolk). In den Wäldern leben noch einige wenige indigene Völker in selbstgewählter Isolation. 


In Ecuador wird mit amerikanischen Dollar bezahlt, der Einfachheit halber rechne ich 1:1….

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