Montag, 7.4.2025 Reise nach Copacabana

Es hat mir in La Paz außergewöhnlich gut gefallen. Ist La Paz eine schöne Stadt? Nein, das ist sie nicht, genauso wenig wie Mumbai oder auch Rio de Janeiro. Aber La Paz ist unglaublich verrückt und sehr interessant. Schönheit liegt im Auge des Betrachters, aber wenn man von ästhetische Schönheit ausgeht, trifft das hier nicht zu. Trotzdem könnte ich mir vorstellen, wenn ich noch mal in irgendeinem anderen Land in der Nähe bin, hier noch einmal vorbeizuschauen.

Wieder mal früh aufgestanden. Schade, das Frühstück hier im Hotel in La Paz war lecker, und Ana, die es mir zubereitet hat, war ein Schatz und hat mir viele Tipps gegeben. 





Aber der Bus fährt früh und ich muss ja auch die Fähre erwischen. 

Wie oft an solchen Tagen bin ich früh wach. Frühstück gibt es heute nicht, aber dafür eine gemütliche Dusche. Ich hatte gestern nach einem Taxi gefragt und man sagte mir, der boy wurde mir morgens eines rufen. Ich bin dann um sieben in die Rezeption gegangen und ein sehr netter junger Mann sagt ja, er könne mir ein Taxi rufen und ob Uber okay wäre. 

Okay sagte ich, Uber kann ich mir auch alleine rufen und probierte das. Das Ergebnis war das gleiche wie am Flughafen. Die App gaukelt vor, das ein Fahrer in der Nähe sei aber dann fängt eine lange Suche an. 


Der „boy“ meinte dann dass Jango vielleicht besser wäre und fing an, dort zu suchen. Das dauerte auch eine Weile, aber dann hat ein Fahrer die Fahrt angenommen. 

In 6 Minuten sollte er da sein und mein Zeitpolster schmolz dahin. Zu allem Unglück sagte er dann auch, dass in Bolivien 6 Minuten alles mögliche sein könne. Man sehe das hier nicht so eng so ist es doch immer sehr spannend hier. 








Aber tatsächlich, nach vielleicht 8 Minuten kam der Fahrer und brachte mich dann zu dem riesigen Busbahnhof. Auf diesen Bahnhöfen ist immer viel Randale, weil jede einzelne Busgesellschaft einen Ausrufer hat, der permanent die Fahrtziele schreit. Das ist aber in ganz Südamerika so. Ich werde dann jetzt doch zu früh da, was mir sehr recht war und habe mir dann noch einen Kaffee gekauft.

Es ist kalt heute früh. Man kann mühelos seinen Atem sehen und auch mein Cappuccino wird schnell kalt. Eine Heizung im Bus wäre schön. 


Der Bus ist ein reiner Touristenbus und nimmt auch unterwegs keine Leuten mit. Ich bin hier der Alterspräsident, es sind noch drei Männer über 50 drin und der Rest sind junge Leute unter 30. Wir fahren ziemlich schnell auf einer Art Autobahn in Richtung Flughafen, da geht es zügig voran. Aber dann müssen wir ein Stück durch die Stadt fahren. Die Strecke führt über eine sechsspurige Schnellstraße, die aber Schlaglöcher hat, die auch für einen Höhlenforscher interessant sein könnten. Entweder umfahren alle diese Schlaglöcher, was dann aus der Straße eine einspurige Straße macht oder sie fahren ganz langsam da durch. Langsam kommt die Sonne auch raus und es wird etwas wärmer. 


Mit meinem Sitzplatz habe ich das große Los gezogen. Es ist der einzige Platz (und der neben mir), wo man komplett die Beine ausstrecken kann. Normalerweise gibt es eine Tür zwischen dem Fahrgastraum und dem Fahrer und die ist durch Vorhänge zu gehängt. Die Tür gibt es auch hier, aber man kann nach vorne gucken. Das macht die Fahrt natürlich angenehmer und interessanter.










Später wurden die Straßen besser, und das Wetter wurde besser und nach knapp 2 Stunden konnten wir zum ersten Mal den Titicavca - See sehen. Links von uns der See, darüber ein blauer Himmel mit wenigen Wolken. Ein beeindruckender Blick. Am See entlang geht es durch eine karge Landschaft, schmucklose Häuser sind zu sehen. Zwischendurch werden wir einmal von einer Militärkontrolle angehalten. Es gibt auch immer mal wieder Störungen, einmal weil die Straße weggeschwemmt worden war, und einmal mussten wir aus welchen Gründen auch immer über eine Schotterstrecke ausweichen. Ansonsten sind die Straßen hier aber gar nicht schlecht.










An der Straße von Tiquina verlassen wir alle den Bus und kaufen uns Tickets, um mit kleinen Booten weiter zu fahren. Unser Bus wird auf ein primitives Ponton geladen und damit dann über diese Meerenge gefahren. Wir folgen mit kleinen Motorbooten, auf die jeweils 15 Leute passen und warten dann auf der anderen Seite auf dem Bus. 

Video

Eine abenteuerliche Operation.In der Regel passt auf so ein Ponton jeweils ein Bus und ein weiterer PKW und die Autos fahren über schwere Holzplanken auf diese Pontons. Das Ablegemanöver geschieht dann erst mal mit Stakstangen.. dann kommt ein kleiner Aussenborder zum Einsatz, mit dem dann die tonnenschweren Busse über diese Enge transportiert werden.






Unser Bus!


Zwischen San Pedro und San Pablo setzen wir über



Kurz vor zwölf kamen wir dann an.


Hier gibt es kein richtiges Terminal, nur einen großen Platz, wo mehrere Busse stehen. Von hier aus sind es nur ein paar Minuten bis zu meinem Hotel. Zuerst wollte ich mir das Sweatshirt ausziehen, weil es doch sehr warm war, und als ich dann oben ankam, wusste ich, dass es die bessere Idee gewesen wäre. 


Das Hotel ist einfach, aber sehr nett. Es gibt einen sehr gemütlichen Innenhof, der überdacht ist und wo viele Sofas stehen. Mein Zimmer ist im ersten Stock und ist sehr sehr einfach, aber ich habe wieder so eine Selbstmörder-Dusche mit dem Durchlauferhitzer im Duschkopf und einen Elektroradiator als Heizung. In meinen ersten Wohnungen, die ich während meiner Studienzeit hatte, hatte ich auch immer so ein Ding. Ich habe dann nur meine Sachen abgeworfen und war bereit, den Ort zu erkunden.










Ich bin runter zum Wasser gegangen (ja, ich muss nachher wieder rauf) und das haut einen schon um. Dieser Himmel, diese Wolken, das blaue Wasser: da bleibt er wirklich die Sprache weg. Es liegen bestimmt 40-50 Boote vor Anker, die die Touristen über den See fahren sollen. Eins davon würde mir reichen, wenn ich in ein paar Tagen zur Sonneninsel fahre. 












Aber soweit ist es noch nicht. Erst mal gehe ich ein Stückchen am Strand spazieren und es ist mir wirklich fast zu warm. Aber mir ist schon klar, dass die Sonne hier eine andere ist, als bei uns zu Hause.Das hält mich aber nicht ab, mich in ein Café zu setzen, einen Cappuccino zu kaufen und stumpf auf das Wasser zu blicken. Der Cappuccino wird hier übrigens fast immer mit einem Hauch Zimt gemacht. Schmeckt auch sehr, sehr gut.


Herrlich! 










Während ich da sitze bereitet sich gerade eine hochmotivierte Touristengruppe auf die Fahrt zur Insel vor. Einige Backpacker haben erstaunlich viel Gepäck dabei, so viel, dass ich das noch nicht mal in der Ebene tragen würde. Aber wenn die dann auf der Sonneninsel den Berg hoch müssen… Ich mag da gar nicht dran denken! Natürlich sind die alle viel jünger als ich, aber wenn die mit dem Gepäck oben angekommen sind, wird sich das geändert haben.



Da sitze ich nun. Ich bin in einem exotischen Land, ich bin am Wasser, die Sonne scheint und ich habe was Leckeres zu trinken vor mir stehen. Kann es einem besser gehen? Wenn es meine Frau noch bei mir wäre, das wäre die Krönung. Sie wäre sicherlich auch gerne hier, doch die beschwerliche Reise ist nicht ihr Ding. Aber wir können beide mit diesem Arrangement gut leben, und gut leben ist wichtig.














Ja, man kann hier zur Ruhe kommen. Nachmittags um viertel vor viel bin ich nach einer kurzen Pause auf meinem Zimmer noch mal runtergegangen zum Hafen. Eine innere Stimme sagt sie mir: „Kauf dir eine Dose Bier und setzt sich auf eine der Bänke und genieße einfach das, was du siehst“. 


Dieses Mal war die Perspektive anders, auf der einen Seite der kleine Hafen mit dem Booten, auf der anderen Seite der riesige „Hausberg“ und rechts neben mir ein kaltes Bier. An dem Berg haben sich ein paar Leute sehr extravagante oder auch verrückte Häuser hingestellt. Das wirkt irgendwie sehr surreal hier.  








Der Wetterbericht meint, dass es im Moment 12° sind und gefühlt sogar noch weniger aber hier, wo ich im T-Shirt sitze, ist es wunderbar warm und angenehm. Vorhin habe ich auch Kinder gesehen, die hier im See gebadet haben. Aber da mag ich gar nicht dran denken.





Als ich dann noch durch den kleinen Ort geschlendert bin, habe ich 3 mal den gleichen Typen getroffen. Etwas jünger als ich, aber auch solo. Beim 3. Mal kamen wir ins Gespräch. Er ist in Chile und Peru gereist und jetzt, nach Bolivien, will er noch nach Mexico. Danach geht es dann nach Hause nach British Columbia in Kanada. Ich habe mir vorerst verkniffen, ihn darauf anzusprechen, was er von einer Angliederung an die USA hält. Nicht bei diesem schönen Wetter!


Copacabana erinnert an den beliebten Stadtteil und Strand von Rio de Janeiro, liegt aber in Bolivien und ist die interessanteste Stadt am Titicacasee auf bolivianischer Seite. Der Wallfahrtsort auf 3818 Metern befindet sich unweit der peruanischen Grenze auf der Copacabana-Halbinsel. Trotz der Höhe herrschen hier tagsüber lt. Reiseführer angenehme Temperaturen. Aber sobald die Sonne verschwindet wird es schnell kalt. 

Die Stadt mit ihrer halbmondförmigen Bucht (und auch mit den ca. 5000 Bewohnern) blickt auf über 3000 Jahre Geschichte zurück – schon die Inkas hatten sich hier niedergelassen und errichteten ihre Kultstätten am Titicacasee. Umrahmt von sanften Hügelketten prägen kleine  Häuschen mit Blumengärten das Stadtbild.

Copacabana ist auch der Ausgangspunkt für Fahrten zur Isla del Sol und zur Isla de la Luna (Sonnen- und Mondinsel). Beides sind heilige Inseln der Inka.


Aber es gibt mehr „Heiliges“


In Copacabana ist das Wort cha`lla in aller Munde. Es ist unabhängig vom Glauben, egal ob Christ, Aymara (ein bolivianisches Volk) oder Inka. Cha`lla oder auch „Benedicion de Movilliades“ (segnen der Automobile). Dabei wird Alkohol über die Fahrzeuge gekippt (manchmal auch in die Fahrer) und danach kann man gefahrfrei  fahren. Das geschieht mit Privatfahrzeugen, aber auch mit Bussen von Transportfirmen, vor allem, wenn sie eine neue Flotte angeschafft haben. Es ist eine attraktive Alternative zur Fahrzeugversicherung…..


 











Kommentare

  1. Ich gehe auch gerne an einen neuen Ort und trinke ein lokales Bier.

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