Samstag, 5.4.2025 Erkundung von La Paz

Heute Nacht habe ich deutlich besser geschlafen. Aber sehr geschwitzt habe ich nicht. Heute Morgen waren es 5° (draußen) aber meine Heizung hier im Zimmer funktioniert nicht. Im fünften Stock des Hotels gibt es eine Terrasse dort gibt es Frühstück. Man kann drinnen oder draußen sitzen , aber drinnen war mir lieber. Vor allem, weil heute Morgen in der Dusche das Wasser auch nicht warm werden wollte. Da müssen wir noch dran arbeiten. Zum Ausgleich dafür hat eine unglaublich liebenswerte Frau, die auch ein paar Brocken englisch sprach, mir ein sehr leckeres Frühstück gemacht. Das gleicht alles wieder aus.


Und dann machte ich mich auf!






Mein erster Eindruck: es ist hektisch, laut und auf jeden Fall sehr steil. Dankenswerterweise haben Sie hier an den steilen Stücken der Straße Treppen auf den Bürgersteigen eingebaut. Mein Hauptinteresse hier ist jetzt atmen. Wenn man mal freien Blick hat, sieht man, dass es auch noch deutlich höher gehen kann. Aber ich bleibe erst mal zurückhaltend.










Erstes Ziel ist der Mercado Negro, der schwarze Markt. Angeblich ist es der schönste Markt hier und am Samstagen soll er am lebendigste sein. Bald jeder dritte oder vierte Stand ist ein Stand, wo es etwas zu essen gibt. Und viele Leute nutzen das auch und nehmen hier wohl ihr zweites Frühstück ein. Vor allem die älteren Frauen mit den lustigen Hüten haben fast alle Haare bis weit über den Hintern und die sind zu kunstvollen Zöpfen geflochten, und am Ende werden immer noch so ein paar Trotteln eingeflochten. Die Röcke, die sie tragen, sind hinten immer sehr breit und ich bin mir gar nicht sicher, ob sie, wie man so schön sagt, gut über den Winter gekommen sind oder ob das mit Absicht  und damit Teil dieser Tracht ist. 








Am Nachmittag ist mir aber zufällig eine jüngere Frau begegnet, und an der oberen Hälfte des Körpers konnte man sehr klar sehen, dass sie recht schlank war. Also scheint es doch Teil der Tracht zu sein. Es ist auch sehr auffällig, dass eigentlich immer die Hüftbreite nicht zum Rest des Körpers passt. Wieder was gelernt!







Irgendwie nimmt der Markt kein Ende. Normalerweise nerven mich Leute, die im Schneckentempo über solche Märkte gehen aber heute bin ich ganz froh und reihe mich ein. Zwischendurch hasten Träger mit unglaublich schweren Lasten durch die Menschen, auch kein schöner Job. 


Ich habe heute meine neue Jacke an.Sie ist sehr schön warm und auch angenehm zu tragen. Sie hat auch eine schöne Innentasche mit Reißverschluss da fühlt sich mein Geld und mein Handy einigermaßen wohl in diesem Gedränge. Allerdings relativiert sich das schön warm, wenn man längere Zeit bergauf gehen muss. Nachdem ich jetzt diesen Markt gesehen habe, werde ich erst mal ins Hotel gehen und die Jacke weg hängen.

Dann wollte ich weitergehen und startete mein Navigationssystem, aber ich hatte keine Verbindung mit dem Internet. Ich hab mal den Mobilfunk ein und ausgeschaltet, aber es blieb so. Mittlerweile habe ich den Code, um zu prüfen, ob ich noch genügend Volumen auf meiner Karte habe und die Antwort war null. Mein Prepaid Volumen war abgelaufen. 


In einer solchen Umgebung, die so optisch herausfordernd ist, achtet man nicht auf den Weg, den man gegangen ist. Und nun war das Problem, zurück zu finden. Ein bisschen erinnerte ich mich, aber ich suchte dann doch eher mein Heil darin, einen Shop zu finden, wo ich meine Karte aufladen konnte. 


Den fand ich dann auch in einem normalen Textilgeschäft. Eine sehr freundliche junge Frau versuchte verzweifelt, mich zu verstehen, und hat mir dann auch noch geholfen, das Volumen zu aktivieren und mein Leben ging weiter.












Als ich dann zurück zum Hexenmarkt kam, speziell zu dem ersten Teil dieses Marktes, fand ich den authentischen Teil. Hier werden seltsame Tinkturen verkauft Kräuter und verschiedene Mittelchen, die wahrscheinlich gegen den bösen Blick und andere Dinge helfen. Es ist tatsächlich ein bisschen gruselig. Am schlimmsten fand ich die Toten, getrockneten Lama Babys oder auch die ganz kleinen Embryonen. Gänsehaut! 


Und zurück im Hotel gab es eine kleine Überraschung: ich hatte heute Morgen der Frau beim Frühstück gesagt, dass die Heizung nicht ging, und als ich es mittags in mein Zimmer kam, war es wohlig warm. Das lass ich mir gefallen!














Und dann habe ich den Sechser im Lotto gezogen. Ich bin mit der Teleferico gefahren. Die Verkehrsplaner hier in La Paz haben ein Herz für ältere, übergewichtige, fußlahme Menschen und wollen ihnen nicht zumuten, die extremen Hänge hoch zu gehen. Deshalb haben sie diese Verkehrsmittel geschaffen. Man kann hier für drei Bolivianos circa 8-10 Minuten fahren und legt dabei eine Strecke zurück, die man auch nicht für alles Geld der Welt gehen wollte. 


Es sind kleine Gondeln, in die jeweils acht Leute passen und die fahren mit erstaunliche Geschwindigkeit den Berg hoch. Die Sicht ist natürlich fantastisch. Erst ist es noch halbwegs normal, aber dann wird es steiler. Man sieht, dass es immer weniger Straßen gibt und dafür aber viel mehr Treppen. Das ist vergleichbar mit den Favelas in Rio, die auch in den Berg hinein gebaut worden sind oder auch mit dem kolumbischen Medellin, da gibt es auch solche Gondeln und Rolltreppen. 










Mi Teleférico ist mit derzeit zehn Linien und 30,431 Kilometern Gesamtlänge das weltweit größte städtische Seilbahnnetz. Die Gondelbahnen erschließen den bolivianischen Regierungssitz La Paz und die Nachbarstadt El Alto und befördern täglich mehr als 300.000 Fahrgäste.


Auf der einen Seite macht es Spaß mit diesen Gondeln zu fahren, auf der anderen Seite kommt mal so in andere Stadtteile und der Blick ist natürlich fantastisch. ich hatte ein Mädchen in der Gondel gefragt, ob sie mal ein Foto von mir machen wollte und sie war so freundlich. Etwas später fragte dann eine ältere Frau, die mit ihrem Mann schräg gegenüber saß, ob sie auch ein Foto von mir machen sollte. 


Das fand ich ja total süß! Sie sprach auch ein wenig Englisch und begann dann natürlich das Verhör. Sie war sehr interessiert und sehr freundlich. Eine schöne Fahrt!

Hier oben ist natürlich auch ein Markt, über den ich auch gehe. Es ist ein Frischmarkt mit Gemüse und Obst und es sieht so aus, als ob es alles die Erzeuger selber sind, die es hier verkaufen. Hier oben kann man sehr schön gehen, weil es flach ist . (viel höher geht es wohl nicht) und weil hier kein Verkehr ist. 














Die Luft hier oben ist wirklich viel besser. Dieser Markt hier ist sehr viel größer, als ich anfangs gedacht habe. Es kommt immer noch eine Straße und noch eine Straße und noch eine Straße. Schließlich entdecke ich auch einen Teil, der eher wie ein Großhandel aussieht. Unmengen von Zwiebeln und Kartoffeln werden hier verkauft, die unterschiedlichsten Sorten und Formen. Sehr interessant.


Ich habe zwar meinen Sweatshirt schon im Hotel gelassen und führe jetzt meine neue Jacke spazieren, aber auch das ist zu viel. Es ist Mittag und die Sonne scheint ziemlich unbarmherzig und auch die Markthändler hier fangen an, ihre Ware mit Tüchern abzudecken. Es ist vielleicht von der Temperatur her höchstens 16° , aber die Sonne brennt ganz schön. Das hier oben gefällt mir sehr gut. Das ist so ein bisschen die Provinz, die ich in jedem Land sehr schätze, weil man hier so ein bisschen mehr sehen kann wie das Leben so ist. 




Ich gehe dann in eine kleine Comida und zeige einfach auf einem Teller, der auf einem anderen Tisch steht. Das will ich auch haben! Namen sind Schall und Rauch. Teilweise kann man von hier oben aus runter nach la Paz schauen, aber da ist immer irgendein Zaun davor und es ist auch etwas dunstig . Es gibt hier einen Mirador, ich will mal sehen, ob der auf hat.


Pustekuchen, natürlich hat er nicht auf. Ich bin dann wieder runter gefahren, und die Fahrt jetzt zwar fast noch spektakulärer als die Hinfahrt. Es ging unglaublich steil runter und dann sieht man erst mal wie hoch man gekommen ist. Leider hat es zwischendurch kurz geregnet und die Scheiben waren voller Tropfen, so dass man keine Bilder machen konnte . Aber das ist heute sowieso ein Fluch, es gibt so viele Eindrücke. Es gibt so viel zu sehen, dass ich wie immer viel zu viele Bilder mache.


Mein nächstes Ziel war das Coca Museum.


Ein freundlicher Typ empfängt mich im Museum und erklärt mir erst mal, wie man das Zeug nimmt. Er gibt mir einen kleinen Splitter eines Coka Bonbons und sagte, ich darf es nicht kauen, sondern ich muss es lutschen. Ich tue das und tatsächlich merke ich schon nach kurzer Zeit, dass die Zunge taub wird und der ganze Mundraum ähnlich wie beim Zahnarzt etwas zurücktritt. 


In einem geschichtlichen Abriss wird berichtet wie 1886 Coca-Cola erfunden wurde und wie Freud ein Jahr vorher mit dem Zeug experimentiert hat und somit der erste Kokainsüchtige der Geschichte wurde. In der Geschichte gibt es Beschreibungen, nachdem die Cocapflanze als medizinisches Betäubungsmittel schon sehr früh eingesetzt worden ist.


Es wird auch berichtet, dass die Indios, als sie bei den Silberbergen in Potosi eingesetzt worden sind, bis zu 48 Stunden ohne Unterbrechung gearbeitet haben, das war nur durch ständiges Kauen der Coca Blätter möglich . Später haben dann Firmen angefangen künstliches Kokain ohne Cocablätter herzustellen. Ein Genfer Abkommen von 1961 verbietet Kokain und Coca, aber es gibt einen Artikel der Coca als Geschmacksverstärker erlaubt. 


Ausschließlicher Nutzer ist die Coca-Cola Company, die einzige die Cocablätter mit diesem Ziel verwenden darf. Daher kommt das Monopol dieser Marke. Heute hat man es durch Koffein ersetzt.

In den dörflichen Gemeinschaften gibt es ein Rotationsprinzip bei der Führung. Jeder muss einmal die Führung übernehmen und wird dabei auch die Verteilung der Kokablätter vornehmen. Das schafft Vertrauen, denn der Legende nach:  mit Coca lügt man nicht.


Halloween gibt es hier auch, es ist der Tag, an dem die Seelen der Toten die Lebenden heimsuchen. An diesem Tag wird mehr Coca konsumiert als sonst.

 

Wenn man Coca mehrmals an einem Tag kaut, werden die Mundschleimhäute betäubt und es entsteht ein leichtes Euphorie-Gefühl.Das  Coca-Kauen setzt Kokain aber nur in sehr geringe Maße frei und selbst bei übermäßigen Gebrauch wird keine Abhängigkeit verursacht. 


Stimulierende Pflanzen wie Kaffee, Tabak oder Tee setzen, plötzliche Energien frei verursachen danach einen Energieverlust. 

Pflanzen wie Coca geben Energie und verstärken die Vitalität. Heute konsumiert er Minenarbeiter bis zu 380 g Cola pro Tag, was in etwa 12% seines Lohnes ausmacht. 


Einen Bericht der UN zufolge sind die USA mit einem Jahres Umsatz von 40 Milliarden $ (47 % des Weltmarktes) Hauptbenutzer von Kokain.Der Drogenhandel setzt im Jahr mehr als 1 Billion $ um. 2015 war Kolumbien an der ersten Stelle der Produktion mit 646 t, Peru macht 325 t und Bolivien 265 t. In Bolivien kostet ein Kilo Kokablätter circa zehn Dollar und man braucht 175 Kilo um ein Kilo „Pasta“ zu bekommen. Das ist der Grundstoff für die Kokainherstellung.

In Bolivien kostet ein Kilo Kokain 3000 $. Der Preis steigt um das zehnfache, sobald eine Grenze überquert wird. Der Preis steigt mindestens um das 80 fache, sobald es in europäische Märkte gelangt. In Europa wird das Kilo bis zu 100.000 $ verkauft je nach Feinheitsgrad. In den USA gibt es keine offiziellen Statistiken über Produktion und Konsum von Betäubungsmittel und anderen Drogen. Man möchte nicht als einer der größten Hersteller der Welt auftauchen. Ein UN Bericht sagt, dass zum Beispiel jedes Jahr 30.000 t Marihuana weltweit angebaut werden. Zwei Drittel davon werden in den USA verbraucht. 


Und weiter geht mein Rundgang.


Unten an der Basilika ist es unglaublich voll. Aber das ist eigentlich in ganz La Pau so. Hier sind auch die Schuhputzer, die dafür bekannt sind, dass sie immer mit Motorradmasken oder Ähnlichem arbeiten. 










Man sagt, es ist, weil sie zu einer unteren gesellschaftlichen Stufe gehören, und als solche wollen sie nicht erkannt werden.

An der Ecke steht ein architektonisch recht hübsches Haus und als ich genauer hinschaue, sehe ich da oben Köpfe. 










Da scheint eine Dachterrasse zu sein und das passt mir gerade ganz gut, weil ein Kaffee würde jetzt zur rechten Zeit kommen. Ich gehe in das Gebäude und sehe … Ein Treppenhaus. Habe ich erwähnt, dass es ein hohes Gebäude ist? Also mache ich mich auf den Weg und steige die 86 Stufen hoch. Zu meiner großen Freude sehe ich, als ich komplett ohne Atem da oben ankomme, einen Aufzug. Ich denke, er ging von der ersten Plattform an und nicht von ganz unten, wo ich in das Haus reingegangen bin und ich habe nicht drauf geachtet. Aus Rache werde ich hinunter auch wieder gehen. 










Hier oben auf der Terrasse ist es wunderschön! Man blickt hinunter auf das Treiben. Unten sehe ich zwei Artisten, die eine Mischung aus Breakdance und Bodenturnen machen, es gibt ein großes Publikum, und die Leute scheinen sich gut zu unterhalten. Unten führt eine große Straße vorbei, und das Verhältnis von normalen Autos und Minibussen ist eins zu zwei. 

Meine neue Jacke und ich, wir haben uns angefreundet. Sie trägt sich sehr angenehm und ich fühle mich darin wohl. Meine alte rote Jacke hat zwar deutlich mehr Länder gesehen, aber vielleicht wird diese ja auch noch viel erleben.

Das Wetter ist ganz schön und man hört aus verschiedenen Richtungen Musik und irgendwie war es ein toller Tag.

Kommentare

  1. Die Reihe von Bildern auf dem T-Shirt ist ziemlich interessant, du weißt schon, welches T-Shirt ich meine.

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