Sonntag, 13.4.2025 Horrortrip II / Reise nach Cuenca

Der Wecker schellt um 3:15 Uhr. Das ist definitiv nicht meine Zeit, war aber nötig. Gestern Abend habe ich nichts mehr gemacht, außer noch einmal kurz auf die Markt gehen, aber an Essen und Trinken war nicht zu denken. Ich hatte mir zwar, positiv wie ich bin, ein Wasser, eine Dose Bier und eine Packung Cracker geholt, aber alle drei liegen jetzt noch im Hotelzimmer. Die Cracker habe ich heute Morgen versucht, aber da kann man genauso gut in eine Rheinische Post beißen. 

Ansonsten war mein fensterloses Apartment unglaublich kalt. Unter der Decke ging es, aber außerhalb war Feindesland. Ich habe dann heute Morgen auch nicht geduscht, sondern nur das Notwendigste gemacht und bin dann runter in die Rezeption. Wenig später kam dann auch der Fahrer und brachte mich zum Airport. Hier musste ich erst eine Ausfuhrerklärung ausfüllen, das kenne ich ja schon, das ist kein Problem. 

Wenn man das aber im Rahmen der Digitalisierung auf seinem iPhone-Mini machen muss und auch nicht mehr so tolle Augen hat und vielleicht auch ein bisschen dicke Finger, ist das schon quälend. Aber dann ging es durch die erste Kontrolle. Interessanterweise hat die Beamtin alle Fluggäste von hinten fotografiert.

Danach habe ich mich dann ganz mutig an einen Cappuccino gewagt und fürs erste kann ich sagen: lecker.


Und dann kam das Boarden. Eines meiner vielen Probleme ist mein Gepäck. Ich habe es zwar auf Bordgepäck reduziert, aber Latam, die Gesellschaft, mit der ich fliege, will da auch schon Geld für zwar 79€ pro Teilstrecke, also 237€. 

Hey! Ich bin Rentner! 

Also habe ich kein Gepäck gebucht. Dieses Mal ist es gut gegangen. Jetzt noch 2 mal.




Und dann die nächste Überraschung. Wir kamen vom Check-in in diesen Tunnel, der zur Flugzeugtüre führt. Da standen wir dann und warteten. Nun kam die Anweisung, uns auf die linke Seite zu stellen und das Gepäck auf die rechte. ????

Es dauerte 2-3 Minuten, dann kam ein Soldat mit einem Drogenspürhund. 

Wow!

Ich  wurde etwas unruhig. Drogen? Ja sicher! Ich konnte nicht anders, als mir welche von den Coca-Bonbons mitzunehmen. Und die waren in meinem Rucksack. Allerdings verschweisst und nicht angebrochen. Ein komisches Gefühl hat man trotzdem. 

Der Hund war sehr hektisch, marschierte aber an meinem Drogenversteck vorbei. Zur Strafe sitze ich jetzt im Flieger ganz hinten und am Fenster. Aber egal!




Das wird heute ein langer Tag. Ich muss (ging nicht anders) von La Paz aus nach Lima fliegen, dann on die Hauptstadt von Ecuador (Quito) und dann wieder zurück in den Süden des Landes nach Cuenca. Von hier aus soll es dann durch das Land in Richtung Norden nach Quito zurückgehen. 

Das heißt: viel fliegen, viel warten und vor allem noch ein paar mal zittern wegen des Übergepäcks….


In Lima gelandet, fällt es mir sofort auf. 

Luft!

Hier gibt es Luft. Klar, wir sind auf Meereshöhe. Das macht wirklich einen Riesenunterschied. Einfach auch mal schneller gehen oder die Treppe rauf: egal! Wenigstens für ein paar Stunden. Der Flughafen ist sehr groß und ziemlich hektisch, aber ich habe einen Platz in einer Ecke gefunden und brauche jetzt nur noch eine Steckdose….


Jetzt kommt neues Spiel, neues Glück. Die restlichen Bolivianos wegpacken und Dollars ins Portemonnaie. In Ecuador wird mit amerikanischer Währung bezahlt. Und es wird wieder etwas kälter. 13-15 Grad Höchsttemperatur kann ich erwarten und hoffentlich nicht zu viel Regen. 


Hinter mir liegen 18.300 km und bisher (Stand Lima) 8 Flüge. 


Heute sind in Ecuador Präsidentschaftswahlen. Man rechnet damit, dass die gesamten Arbeiten im öffentlichen Bereich heute langsamer laufen. Ich freue mich schon. Es scheint hier in Südamerika so zu sein, wie fast überall in der Welt. Populisten und Republikaner streben an die Macht und die Massen wählen sie. Meine Facebook-Freundin, die in Cuenca lebt, fürchtet venezualische Verhältnisse. Gleiches habe ich aber auch in Paraguay und in Bolivien gehört. 


Beim 2. Flug mach Quito saß ich wieder hinten, jetzt aber am Gang. In der Mitte ein netter Südamerikaner und am Fenster eine junge Frau mit einem 2- jährigen Jungen.

Ein Teufelsbraten.

Er bewegte alle Teile in seiner Umgebung, die beweglich waren oder die beweglich zu machen könnten. Dazu war er sehr laut und wenn die Mutter ihn begrenzen wollte, brach der Sturm los.

Die Menschen hier gehen da anders mit um. Der Typ neben mir versuchte, das Kind mit irgendeinem Kinderlied auf seinem Handy abzulenken und ein Mann in der Reihe vor uns machte Grimassen und Versteckspiele. 

Schließlich kam sie Stewardess und holte Mutter und Kind an einen anderen Platz weiter vorne. Beeindruckend. Der Typ in der Reihe vor mir hat dem Kleinen auch noch nachgewunken!  


Und wir hatten eine 3er-Reihe zu zweit!








Und dann kamen die 4 Stunden Aufenthalt. Doof! Aber die Zeit geht auch rum. 


Und dann war es so weit. Der letzte Flug nach Cuenca dauert etwas mehr als eine Stunde, ich komme wieder mit meinem Gepäck durch und sitze wieder ganz hinten. Aber: der Mittelplatz blieb frei! Mit dem Gepäck ist es immer ein Drama. Einerseits gibt es Leute, die geben bei der Buchung kein Gepäck an und bringen trotzdem was mit 😮 oder andere, die den Begriff „Handgepäck“ großzügig auslegen. Wenn die jetzt wenigstens früher boarden würden…

Aber es gab auch was Schönes. Vor mir saß eine Mutter mit Kind (5 oder 6). Das hustete ziemlich oft und (leider) zog danach wirklich professionell die Nase hoch. Das war der unangenehme Teil der Performance. 

Die Mutter checkte ihr Telefon und die Stewardess brachte einen Beruhigungstee. Cool! 



Der letzte Flug dauert dann auch nur 1 Stunde und geht dann endgültig von Quito nach Cuenca. Auch dieses Mal bin ich wieder mit meinem Gepäck durchgekommen und auch dieses Mal haben sie mir aus Rache, weil ich keinen teureren Flug gebucht habe, einen Platz ganz hinten gegeben.


Zum Schluss gab es noch etwas Aufregung. Das Flugzeug sank relativ schnell, und für meinen Geschmack zu schnell , und  dann, ungelogen, titschte es zweimal auf, dann noch einmal mit dem rechten Rad und dann endlich mit beiden oder vielleicht sogar mit allen drei Rädern. Ich kann nicht sagen, wie oft ich geflogen und wie oft ich gelandet bin, aber so noch nie. 



Am Flughafen angekommen, habe ich mir dann ein Taxi genommen, was nicht so einfach war. Viele Fahrgäste, wenig Taxen. 


Und es war auch nicht ganz klar, wo der vorderste Haltepunkt der ankommenden Taxen war, öfters wurden Taxen vorher auch schon weggeschnappt. Aber ich blieb geduldig, das Wetter war schön, circa 20°, was will man mehr. 


Und dann kam ein Taxi und ich ging langsam drauf zu und 4-5 andere schnell. Aber der Taxifahrer zeigte auf mich. Okay, dachte ich Glück gehabt. Im Auto war ich dann doch ein bisschen misstrauisch, ob er sich vielleicht den Gringo ausgesucht hat und war sehr gespannt, ob er den vereinbarten Preis (fünf Dollar, hatte ich vorher eine Info erfragt) halten würde. 

Und ich wollte natürlich wissen, ob er wirklich zu meinem Hotel fährt oder vielleicht auch woanders hin. Ecuador gehört nicht zu den sichersten Ländern hier in Südamerika. 

Aber die Fahrtroute stimmte und dass wir dann in der Altstadt in einen Stau kamen, dafür konnte er nichts. Ich bat ihn, früher anzuhalten und sagte, ich gehe das letzte Stück, und das tat er auch. Er nahm seine fünf Dollar und wünschte mir einen schönen Tag. 










Das war ja schon ein guter Anfang, aber er wurde noch besser, als ich das Hotel sah, das ich gebucht hatte. Wunderschön! Ein altes Haus mit einer wunderschönen Holztreppe nach oben und ein sehr geräumiges Zimmer mit Balkon.




Ich bin dann, weil es noch schön war, rausgegangen, um mal zu schauen, wo ich hier gelandet war. 

Es ist eine alte, sehr charmante, mit Kirchen voll gepflasterte Innenstadt und ich stolpere direkt in einen kleinen Blumen – und Kunsthandwerks - Markt hinein. Die Leute, die hier rumlaufen, sind alle sonntägliche gekleidet. Viele Familien mit kleinen Kindern, und alle sind irgendwie fröhlich. Das steckt an. Es gibt eine Kathedrale und eine Plaza, aber die gibt es ja in jeder Stadt hier.










Nach der langen Reise war das ein guter Start.


Abends habe ich dann noch ein kleines Restaurant gefunden wo ich eine leckere Ceviche bekommen habe. Klar, Bolivien ist kein Binnenstaat, hier gibt es frischen Fisch. Aber der Weg dahin war nicht so einfach. Erst musste ich mir den Weg bahnen durch hunderte von Christen, die alle mit Blumen bewaffnet in die Kirche stürmt stürmten. Ich hatte das schon nachmittags beobachtet bei einer anderen Kirche, aber jetzt bin ich an der Kathedrale vorbeigekommen. Klar, es ist die Osterwoche, aber so etwas, mit so vielen Gläubigen außerhalb der Kirche, weil drinnen alles voll war, sehe ich nicht so oft.


Der zweite Punkt war aber noch viel krasser. Draußen ist seit 2 Stunden ein Höllenlärm. Autos Hupen um die Wette und wie ich gesehen habe, fahren Sie auch hupend um die Plaza. Ich habe dann auf dem Rückweg vom Restaurant mal ganz mutig einen Mann angesprochen und gefragt worum es hier gingginge: Fußball oder Präsident. Und ja, es ging um die Präsidentenwahl. Noboa hat die Wahl gewonnen, aber das war wohl ziemlich hauchdünn und er ist wohl auch nur das kleinere Übel. Wie auch immer, kommen keine einfachen Zeiten auf das Land zu. 

Ganz nebenbei bin ich natürlich ein wenig stolz darauf, dass mir solche Konversationen mittlerweile gelingen.


Wahl


Fazit: Schön sind solche Tage nicht, vor allem, wenn man nur im Flugzeug sitzt. Aber eine Busreise von La Paz nach Cuenca hätte knapp 44 Stunden mit 3x Umsteigen bedeutet, das wollte ich mir auch nicht antun. Also: passt schon. Das ist der Preis, den man zwischendurch mal zahlen muss. Hauptsache, Mr. Montezuma ist in Bolivien geblieben.


Cuenca hat eine bewegte und lange Geschichte. In der Gegend haben lange Zeit (ca. 3000 Jahre) Indianer vom Stamm der Kanari gelebt, bis sie Anfang des 16. Jahrhunderts von den Inka unterworfen worden sind. 1557 hat dann der Gouverneur von Quito hier eine Stadt gegründet. In 1820 erhielt die Stadt von Simón Bolívar die Unabhängigkeit.  


Heute lebt die Stadt von der Hutproduktion (Panama-Hut), von der Keramikindustrie, der Lederherstellung und der Schmuckindustrie (Gold und Silber). Berühmt ist hier auch die Fanesca, das ist das traditionelle Mahl zu Ostern. Es ist eine Kabeljausuppe, die in einer basis aus Kürbis gekocht wird. Dazu kommen 12 verschiedene Gemüse und Getreidesorten, die die 12 Apostel repräsentieren. Dazu kommen hartgekochte Eier, gebratene Auberginen und Empanadas. Man sagt, die Einwohner hier seien so entspannt,  dass selbst die streunenden Hunde höflich bellen. Das kommt meiner Hundephobie ziemlich entgegen und darüber hinaus bin ich angesichts der Beschreibung von der Fanesca froh, nicht zu den Osterfeiertagen hier zu sein.

Kommentare

  1. Du beschreibst immer langweilige Reisen so, als wären sie spannend.

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