Dienstag, 6.5.2025 Santo Domingo

Der dubiose Mann in meinem Hotel scheint ganz nett zu sein. Er erklärt mir den Weg zum Bus am Supermarkt, der mich nach Bavaro (Ortsteil von Punta Cana) bringen soll, von wo aus der Bus nach Santo Domingo geht. 

Cool!

Heute früh habe ich dann auch nichts mehr unternommen. Die Klimaanlage hat mich im Zimmer gehalten. Dann habe ich mir doch einen Uber gerufen und mich zum Terminal fahren lassen. Uber ist das einzig günstige hier. 










Dabei lerne ich auch den Ortsteil Bavaro kennen. Schön ist das nicht. Hier stehen Häuser und Gewerbegebiete, aber irgendeine Stadtplanung, eventuell auch unter ästhetischen Gesichtspunkten, gibt es hier nicht. Alles ist staubig, viele Schlaglöcher in der Straße, verfallene Häuser….

Das Terminal ist ultramodern, sauber und wird von einem Wachmann mit Pumpgun bewacht. Es ist aber der erste, den ich hier sehe, nach der Masse an Soldaten und Polizisten in Ecuador ist das ein Novum für mich. Vor allem, weil sich hier auf der Insel Hispaniola ja 2 sehr unterschiedliche Staaten das Terrain teilen müssen, und der andere Teil (Haiti) ist ja nicht ganz so friedlich.


Das Boarden begann schon um 10:40. Der Bus ist sehr neu und sauber. Der Typ, der vor mir sitzt macht als erstes den Sitz auf Liegeposition und fängt lautstark an, zu telefonieren. Ich liebe ihn schon jetzt. 










 Aber: nach 2-3 Minuten stellt er den Sitz wieder gerade. Und dann, wieder 10 Minuten später, geht der Sitz wieder runter, der Typ dreht sich um und fragt, ob das ok sei. Was soll man da sagen? Korrekt! 


Um Punkt 11 fahren wir los. Der Fahrstil ist ok, die Klimaanlage tut ihren Dienst und die Landschaft zieht am Fenster vorbei. 


Leider halten wir noch mal im Norden von Bavaro und hier steigen viele Leute ein, wobei ich leider auch einen Nachbarn bekomme. Es ist ein recht großer Mann, der auch viel Platz beansprucht, so kann die Fahrt etwas länger dauern. 

Draußen ist es sehr bewölkt, aber wenn ich die Scheibe von innen anfasse merke ich dass es draußen ziemlich heiß ist.

Mein neuer Nachbar hört leider mit kurzen Pausen irgendwelche bescheuerte Rap Musik auf seinem Handy, natürlich ohne Kopfhörer. Das könnte unsere Beziehung etwas belasten!


Wir gehen bald auf dem Highway drei sehr entspannt und gleichmäßig in Richtung Santo Domingo. Die Fahrt ist echt langweilig, weil es nicht viel zu sehen gibt. Es ist hier alles sehr flach, manchmal sieht man Felder und manchmal einfach nur Gras und Gebüsch. Es ist immer noch sehr wolkig sieht recht grau aus.


Alles vergittert!



Dass wir nach Santo Domingo kommen, merken wir daran, dass der Stau beginnt. Erst geht es noch so mit 20 oder 30 km/h in Richtung Zentrum, dann reduzieren wir das auf Schrittgeschwindigkeit und dann stehen wir. Die letzten 5 km kosten uns über eine halbe Stunde. Leider weiß ich nicht genau, wo der Bus hinfährt, und während ich in Südamerika einfach gefragt hätte, mache ich das hier nicht weil ich diese Freundlichkeit und dieses Entgegenkommen hier noch nicht erfahren habe. Circa zweieinhalb Kilometer von meiner Herberge entfernt, beschließe ich, auszusteigen.


Mit mir zusammen steigen viele Leute aus und mindestens genauso viele Motorrad Taxifahrer warten auf uns und reden auf uns ein. Ich kann diesen Druck nicht vertragen und winke ab und gehe einfach weg. Motorrad Taxi in so einer Stadt ist auch nicht so mein Ding, und normale Taxen hab ich nicht gesehen. Etwas später fuhr ein Taxi an mir vorbei, aber daher hätte ich mich schon aus verkehrstechnische Gründen nicht reingesetzt. So wie es aussah, stand mir ein Spaziergang bevor. Das finde ich normalerweise nicht schlimm, aber hier kommen wieder meine alten Probleme auf mich zu: Bergauf, heiß, zwei Tassen Kaffee zum Frühstück.










Ich bin in Eile. Ich komme durch ein Viertel, bei dem ich denke, hier habe ich nichts zu suchen. Keine Ahnung ob das ein Elendsviertel ist aber es sieht zumindest so aus. Kaputte Häuser viel Müll und Figuren, den man besser nicht begegnet. Ich gehe mit strammen Schritt weiter in meine Richtung und suche immer nach Ecken, wo ich unbemerkt mein Handy rausholen kann um die Navigation zu prüfen. Ich hätte auch gerne Fotos gemacht, aber auch das traue ich mich nicht. Nach circa 10 Minuten sehen die Leute auf der Straße nicht mehr so aus wie Mörder, Die einen mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen, sondern eher wie Mörder, die Werkzeuge wie Messer oder Pistolen verwenden. Und dann nach einer Weile sehen die Leute fast normal aus. Außer der einen Frau, die so 30 m hinter mir geht und sehr laut vor sich hin schimpft Und der Typ, der von rechts kommt eine Angel trägt und auch recht laut irgendwas erzählt.

Laut Navi sind wir nun nur noch 300 m von meiner Unterkunft entfernt, aber wirklich schön ist die Gegend immer noch nicht. Aber gut, da ist eine Kirche und eine kleine Plaza wenigstens etwas.


Ich finde die Unterkunft und die Tür ist zu. Es gibt verschiedene Schellen und ich probiere einige davon aus, aber ohne Erfolg. Dann klopfe ich gegen die Türe: vergebens ich gehe dann ein Stück nach rechts da ist ein Fenster, und man kann da tatsächlich reingucken. Ich sehe eine Art Desk und etwas, was ein Lockenkopf sein könnte. Jetzt klopfe ich energisch gegen die Scheibe und der Lockenkopf wacht auf.


Das Einchecken geht schnell. Mein Zimmer ist im 1. Stock und besteht aus Wohn-Schlafraum mit Kochnische, Bad und Balkon. Kein Klima, dafür ein Ventilator. 

Alles recht dunkel und alt. 






Mein Hof!

Aber ich lege nur mein Zeug ab und mache mich dann direkt wieder auf den Weg.


Der Spaziergang durch die Stadt beziehungsweise durch das historische Zentrum frustriert mich etwas. Als erstes gehe ich über eine Fußgängerzone, die den Charme von der Bolkerstraße in Düsseldorf hat. 

Nicht, dass das falsch verstanden wird, ich finde die Bolkerstraße ganz schön, aber von einer so hoch gelobten Stadt habe ich doch sehr viel mehr erwartet, so von wegen Weltkulturerbe und so.


















Ich versuche, architektonisch schöne Häuser zu fotografieren, aber es gelingt mir nicht. Klar, es gibt eine Plaza und es gibt eine Kirche und es gibt auch ein Fort, das schaue ich mir morgen an. 

Ich bin runter zum Fluss gegangen, aber da liegen Containerschiffe und man kann das Wasser nicht sehen. Zweiter Versuch war, irgendwie ans Meer zu kommen. Das gelingt mir auch, indem ich über eine sechsspurige Schnellstraße laufen muss, an der es keine Übergänge gibt. Allerdings liegt genau gegenüber von meinem Ausgangspunkt das Monument A   Antonio de Montesinos und daneben ist der „Strand“, an dem Kolumbus die Insel betreten hat. 














 Antonio de Montesinos ruft irgendetwas in den Wind. Ich meine, zu verstehen: „wer hat gesagt, dass das eine schöne Stadt sein soll?“ 








Ich glaube nicht, dass sie eine Antwort bekommen hat, denn sonst würde er nicht immer noch so dastehen. Der Strand von Santo Domingo ist nicht sehr einladend, (ich an Kolumbus Stelle wäre hier nicht an Land gegangen) das harmonisiert aber auch sehr gut mit dem Rest der Stadt.










Wenn m an hier am Strand steht. Ist rechts Kuba, links Puerto Rico und geradeaus Venezuela. 

Schon vom Bus aus ist mir aufgefallen, dass hier nahezu alle Fenster vergittert sind. Für eine Stadt, die etwas auf sich hält, finde ich das sehr fragwürdig. 


Ich habe dann auch die Rezeptionistin gefragt, ob das Viertel hier sicher sei. Und sie meinte, ja, das historische Viertel wäre sehr sicher. 

Da war so ein komischer Unterton, die erinnere mich daran wie ich früher mal mit 17/18 mit meiner Freundin gesprochen habe wenn es um die Verhütung beim Sex ging und ich behauptet habe ich würde aufpassen! Sie hat dann auch gefragt, ob das sicher sei und ich hatte antwortete ja, das ist sehr sicher. 














In der Fußgängerzone und an manchen Kreuzungen gibt es ein paar Polizisten, aber ich müsste überlegen, ich glaube, das ist hier der Ort, wo ich mich vielleicht auf der ganzen Reise doch am wenigsten sicher fühle. 


Heute habe ich meine Bauchtasche dabei, aber morgen zieh ich wieder die andere Hose mit den vielen Taschen an, damit nicht so offensichtlich ist, wo meine Reichtümer stecken.


Ein seltsamer Ort. Vielleicht war es ein Zeichen, was ich gesehen habe, als wir in die Stadt hinein fuhren. Auf einer Verkehrsinsel stand eine Betonfigur, die einen Pater darstellte, der offensichtlich die Autofahrer oder die Passanten segnete. 

Für ein katholisches Land, sicherlich eine passende Statue. 


Was mich verstört hat, war, dass irgendein Spaßvogel, den Pater im Kopf weg schlagen hatte. Langsam sehe ich den Zusammenhang. In der Fußgängerzone (wie romantisch!) kaufe ich mir einen Kaffee. 


Und tue das, was man am besten bei einem Kaffee machen kann: Leute beobachten, die vorbeikommen. 

Es sind relativ wenig Touristen. Sicher sind da ein paar aus dem spanischen Sprachraum, die etwas schwerer zu erkennen sind, während Amerikaner und Europäer ja doch immer ein wenig auffallen. Aber von denen sieht man wenig. 


Generell finde ich es hier für einen schönen Tag Anfang der Woche um 17:30 Uhr relativ ruhig. Die ganzen Schlepper, die vor den Kneipen stehen haben, genügend Zeit, mich anzusprechen.




So, jetzt habe ich genug gemeckert. Natürlich ist das alles nicht wahr, was ich erzählt habe. Es ist eine wunderschöne Stadt mit großartiger Architektur, schönen Plätzen, alten Kirchen und allem, was so eine schöne alte spanische Stadt ausmacht. 

Ich bin nur mit dem falschen Fuß aufgestanden und habe einfach die Schönheit noch nicht erkannt. Ich gehe jetzt was essen und dann schlafe ich mich noch mal richtig aus und morgen höre ich auf, dieser wunderschönen Stadt Unrecht zu tun. 


Offen gestanden bin ich selber gespannt.



Santo Domingo ist die älteste von Europäern errichtete Stadt in der Neuen Welt. Bartolomeo, der Bruder von Christoph Kolumbus, errichtete sie an der Mündung des Flusses unter dem Namen „Nuvea Isabela“. Die hiesige Kathedrale ist gleichzeitig auch die älteste in Amerika. Wen wundert es, dass die Festung Fortaleza Ozama ebenfalls die älteste in Amerika ist. Die Stadt ist ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum mit lebendiger Musik, Tanz und Küche. Der Malecón, die Uferpromenade, bietet tolle Ausblicke auf das Karibische Meer. Man verbindet hier Geschichte mit modernem Leben. Bedingt durch die bewegte Geschichte ist sie ein Schmelztiegel der Kulturen.

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