Samstag, der 3.5.2025 Abschied und Ochsentour

Mich empfängt ein sonniger Tag. Heute ist hier im Ort der große Markt. Während der normale Poncho Markt auf einem großen Platz stattfindet, sind jetzt auch alle Straßen voll mit Ständen und es werden überall Produkte aus Wolle verkauft, teilweise handgemacht aber sicherlich sind auch viele dabei, die aus dem fernen Osten kommen. Es ist ja generell das Problem, dass man sich auskennen muss. Man muss das Material beurteilen können und auch die Machart, die Farben und so weiter, und auch wenn ich Sachen schön finde, habe ich generell davon überhaupt keine Ahnung. 









Also lasse ich es. 

Als ich morgens über den Markt gehe, ist es noch schön ruhig, aber ich merke, dass genau ich das perfekte Opfer für die Leute bin. Sie sehen natürlich auf den ersten Blick, dass ich ein Gringo bin und wahrscheinlich können Sie auch abschätzen, wie viel Geld ich in meiner Tasche habe. Aber die Leute sind nicht so aufdringlich wie zum Beispiel in der Türkei oder in Ländern dieser Art. Das ist recht wohltuend. Man sieht öfters Menschen auf dem Markt, egal, ob Aussteller oder Besucher, die eindeutig aus dem Indigenen Umfeld kommen. Es ist einfach eine andere Kleidung und vor allem auch anderer Schmuck.















Die Frauen haben oft weiße Blusen an, die reich mit bunten Motiven bestickt sind. Um den Hals, eine ganze Reihe von goldfarbenen Ketten und an den Armen auch vom Handgelenk an aufwärts 20 cm oder mehr goldene oder rote Ketten, dazu einen dunklen Rock und auf dem Kopf ein Tuch, was weit in den Nacken hinein geht.Die Männer haben zum größten Teil Hüte auf und fast immer einen sehr langen Zopf. Erstaunlicherweise sind auch bei den älteren Leuten die Haare oft schwarz und nicht grau wie bei uns.














Nach einer Weile nehme ich mir ein Taxi, um zu dem Tiermarkt zu kommen. Es ist 9:30 Uhr, und fast schon etwas spät, aber ich hoffe, dass da noch was los ist. Der Markt fängt um 5:00 Uhr morgens an und soll angeblich bis zwölf gehen. Der Markt in der Stadt ist ganz nett und man kann da auch gut durch schlendern, aber die Produkte wiederholen sich ein bisschen und viel interessanter sind eigentlich die Menschen, die hier sind.


Als wir so fahren, merke ich erst mal, wie groß die Stadt ist. Offensichtlich habe ich bisher nur das Zentrum wahrgenommen und kennengelernt. Es ist aber dann auch der charmante Teil der Stadt..














So, wie ich das sehe, besteht der Tiermarkt aus mehreren Teilen. Es gibt so einen offiziellen Teil, der ist eingezäunt. Da sind überwiegend Rinder zu sehen. Dann gibt es einen anderen Teil. Der ist hier inoffiziell zu sehen, da sieht man Schafe, Kälber, Schweine, aber auch Meerschweinchen und Hühner die hier angeboten werden. Dann gibt es noch einen kleinen Markt, der eher wie ein Flohmarkt aussieht wieder mit Textilien und allen möglichen anderen Gegenständen. Hier ist nichts mehr touristisch, hier bin ich der einzige Gringo, der auch immer wieder mal neugierig beäugt wird. Im hinteren Teil sind dann die kleineren Tiere, Hühner, Gänse, Enten, Kaninchen und alles andere, was so in einer Pfanne passt.


















Auf dem Rückweg hatte ich ein etwas Stress, weil ich nicht so genau wusste, wie ich wieder zurückkomme. Der Rezeptionist hatte mir gesagt, dass hier Taxen stehen, aber hier war nichts zu sehen. Als ich dann fertig war und zur Straße ging, fing ich schon an, mir Sorgen zu machen, die aber nach 20 Sekunden zerstreut wurden. Ein Taxi kam die Straße hoch und es war frei. Jackpot.


Taxifahren hier ist okay. Der Portier meinte, die Fahrt kostet fünf oder sechs Dollar, auf der Hinfahrt habe ich vier bezahlt und auf der Rückfahrt drei. Das für eine gute Viertelstunde Fahrt (teilweise über die Panamerikana): nicht schlecht


Heute Früh habe ich noch zwei Nachrichten gelesen, die dieses Land betreffen. Einmal und da bin ich wirklich sauer, die Nachricht, dass die Eisenbahn in Alausi wieder fährt. Nach langen Reparaturarbeiten hat man sie offensichtlich wieder in Betrieb genommen. Ärgerlich! Die andere Nachricht betraf die Gelbfieber-Impfung . Ab dem 12. Mai ist sie hier in Ecuador Pflicht. Ich habe sie zwar, als ich 2019 meine erste Reise um die Welt gemacht habe, erhalten und sie hält ja zehn Jahre, aber dieses Mal habe ich keinerlei Impfstoffbescheinigungen dabei. 

Aber es trifft mich ja nicht, weil ich am 10. Mai wieder zu Hause sein werde. 


Naja, und nach dem Poncho-Markt und dem Tiermarkt fehlt eigentlich nur noch der normale Mercado Zentral. Es ist ein modernes Gebäude und auch sehr luftig gemacht, so dass die Gerüche überwiegend angenehm sind. Klar gibt es hier auch eine gigantisch große Comida und ansonsten wird hier alles verkauft, was nicht niet- und nagelfest ist. 

Also Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch, Textilien, Schuhe: also alles. Es ist ein sehr ordentlicher sauberer Markt und trotzdem immer wieder schön. 














Ein Mann sprach mich an und wollte wissen, wo ich herkomme. Ich sagte Allemania, und er sagte Germany? Hallo! Guten Morgen! Tschüss! Wir haben also quasi eine komplette Unterhaltung geführt. Ich liebe es!

Leider ist es noch zu früh, etwas zu essen, aber wenigstens einen Kaffee habe ich mir gegönnt.




Nach dem Markt bin ich erst mal zurück ins Hotel gegangen und habe fertig gepackt. Dabei musste ich leider erfahren, dass das Packen nicht ausreicht, ich sollte auch direkt auschecken. Insgeheim hatte ich ja gehofft, länger im Zimmer bleiben zu können, aber: Pech. 

Aber ich konnte wenigstens mein Gepäck unterstellen und so noch ein bisschen spazieren gehen. Immer auf der Suche nach etwas Leckerem habe ich dann den Fehler gemacht, das erste Joghurteis in meinem Leben zu essen. Das schmeckt ziemlich gruselig. 

Einen Ausgleich kriegte ich dadurch, dass ich etwas später eine kleine Ceviche, diesmal auch mit Hühnerfleisch bekam. Es war eine kleine Schüssel mit Mais, Bohnen, Zwiebeln und noch 2-3 anderen vegetarischen Zutaten und natürlich homöopathische Mengen Hühnerfleisch.

Aber ja, ich muss zugeben, das war ganz gut. Ich hatte es auf der Straße gekauft und diese kleine Schüssel kostet ein Dollar! 

Kurz darauf  fing es an zu regnen, aber ich konnte mich etwas unterstellen und so schlimm war es dann auch wieder nicht. Nach einer halben Stunde kam die Sonne dann wieder mit Macht raus und es wurde wieder sehr warm. 

So gegen zwei bin ich dann wieder ins Hotel und habe meinen Rucksack abgeholt. Bis zum Terminal dauert es nur ein paar Minuten und wie gewohnt ist dort die Hölle los. 

Die Stelle, wo der Bus stand, kannte ich ja schon von gestern und als ich ankam, war er auch bereit, loszufahren und so sprang ich da schnell rein. 

Ich hatte auch noch das Glück einen Platz zu bekommen, und sogar noch einen in der Nähe von einer der wenigen USB Steckdosen. 

Da ich heute eine lange Fahrt vor mir habe, will ich das Telefon so voll geladen wie möglich. haben. Der Bus war voll. Ich saß in der ersten Reihe und meinte, die Füße ausstrecken zu können. Das war aber illusorisch, weil wenig später sieben Leute da standen und mir abwechselnd auf die Füße getreten haben. Ein fünf Jahre alter Junge kniete so auf dem Boden und nach kurzer Zeit konnte man mitbekommen, wie sein Kopf vor Müdigkeit immer wieder nach unten fiel. Als der Vater ihn hoch nahm, machte er nicht einmal mehr die Augen auf. 

Zu allem Unglück fing mein Sitznachbar an, leise zu singen. So etwas habe ich auch noch nicht erlebt.








Aber dann, nach 3 Stunden, war es so weit und wir kamen in Carcelen an. Das lief wirklich ganz gut, weil hier auch ein Flughafenbus abfährt. Sehr praktisch! Ich bin zwar viiiel zu früh, aber so herum ist es mir lieber. 

Auf dem Flughafen mache ich mich auf die Suche nach dem Büro von Iberia. Die haben mir eine Mail geschrieben und mir angeboten, dass ich ein Gebot auf einem Platz in der Business Class abgeben kann. Auf meinem Flug von New York nach Berlin hatte ich ja schon mal das Glück gehabt, für relativ kleine Marie einen solchen Platz ergattern zu können.


Hier war es aber sehr kompliziert. Auf der Webseite zum Bieten war ein Basiswert von 490 € eingestellt. Den konnte man erhöhen um so viel wie man wollte. Mein Ticket hat 470 € gekostet. Wenn ich jetzt 100 € drauflegen, wächst die Gesamtsumme auf 590 €. Kann ich jetzt hier die 470 € die ich bezahlt habe, abziehen oder kommen die 590 auf die 470 drauf. Ersteres wäre okay für mich, Zweiteres auf keinen Fall! Aber auf der Webseite findet man da keine Informationen zu, und ein Callcenter will ich mir nicht antun. Der Mann von Iberia kennt sich aber nicht aus und ich muss auf den Supervisor warten. Na ja…

Ein Business-Class-Ticket kostet übrigens zwischen 3000€ und 4000€. 

Der Supervisor hatte wahrscheinlich auch keine Ahnung, wusste aber, wie er mich loswerden konnte. Er sagte einfach, die 590 kämen dazu. Todsicherer Tipp!


Und nun sitze ich im Foodcourt des Flughafens (ich esse nichts, aber hier gibt es gepolsterte Bänke und einen vernünftigen Tisch zum arbeiten) und schreibe diesen Bericht. 


In 5 (fünf) Stunden geht es los. Ich habe wieder eine Zitterpartie mit dem Gepäck und dann heben wir (noch ist der Flug als ‚in time‘ gekennzeichnet) ab und fliegen in die Dominikanische Republik. 


Ursprünglich hatte ich andere Pläne: Venezuela! Wenigstens ein paar Tage Caracas! 


Hier ein Erklärungsversuch, warum ich NICHT nach Venezuela gefahren bin. Entscheidungen werden oft aus dem Bauch heraus gefällt. Mein Bauch sagte (und er hat einiges Gewicht): Lass uns nach Venezuela fahren. Wenigstens kurz. Einen Stopover auf dem Weg nach Buenos Aires oder nach Montevideo. 


Das hätte mir gefallen. Ja, die Stadt gehört nicht zu den sichersten der Welt, aber auf der Liste der gefährlichen Städte sind auch viele, die ich besucht habe (und ungeschoren überlebt). Allerdings sind 2 Portemonnaies und ein iPhone jeweils in Georgetown/Malaysia, Guatemala City und Santiago de Chile. Auf meiner letzten Reise um die Welt hatte ich ursprünglich Tegucigalpa, die Hauptstadt von Honduras, eingeplant. Mit dem Bus von Managua über Tegucigalpa nach San Salvador. Aber auch da haben mir Forumsteilnehmer abgeraten. Zu gefährlich. Allerdings: San Salvador und auch Managua sind auch keine Kinderspielplätze. Aber wie-auch-immer: Meine Frau toleriert meine Reiselust und wünscht sich aber unversehrte Rückkehr. Damit verbunden ist das Vermeiden von solchen Orten. Daher: NO! 


Und über die Hauptstadt: Santiago de León de Caracas, wie die Stadt offiziell heißt, hat ca. 3 Millionen Einwohner. Kolumbus mit seinen Männern war der erste Europäer, der hier seinen Fuß auf das Land gesetzt hat. Die Stadt wurde und wird oft von Erdbeben heimgesucht und wurde oft zerstört. Und sie hat ein weiteres Problem. Mit 120 Morden pro 100.000 Einwohnern ist die Mordrate hier sehr hoch. 

Folgende Tabelle zeigt beispielhaft die Mordraten, aber auch die absoluten Zahlen. Die mit einem Stern markierten Orte habe ich besucht und überlebt. 


São Paulo

Brasilien

14,2

1621

Bogota*

Kolumbien

16,5

1281

San José *

Costa Rica

17,7

55

Kathmandu*

Nepal

18,5

166

Managua*

Nicaragua

18,7

236

Port-O-Prince

Haiti

40,1

494

San Salvador*

El Salvador

52,5

157

Panama Stadt*

Panama

53,1

492

Kapstadt*

Südafrika

59,9

2018

Belize City*

Belize

105,1

74

Guatemala City*

Guatemala

116,6

1253

Caracas

Venezuela

122

2550

St. Kitts

Kleine Antillen

131,6

17

Das war der Grund, Venezuela dieses Mal auszulassen.  Bei meinen Recherchen habe ich aber gesehen, dass Flüge von Quito über die DomRep nicht viel teurer sind, als wenn man direkt nach Madrid fliegt. Und Domrep bedeutet: ein 5-Stunden Flug und ein 8-Stunden Flug statt eines 12,5-Stunden Fluges. Und Santo Domingo soll auch sehr schön sein. Ich bin gespannt!

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