Freitag, der 21.3.2025 Itaipu

Wenn ich aus meinem Apartment raus nach links gehe, komme ich in das kommerzielle Zentrum. Gehe ich nach rechts, geht es bergauf und alles, was modern ist oder glitzert verschwindet. Hier sind nur ärmliche Straßen und Häuser und es erinnert mich sehr an Managua, die Stadt, die ich für die hässlichste in der Welt halte. 










Aber es nützt nichts, ich will zum Busbahnhof. Einerseits, weil ich mal testen will, wie lange man läuft, da ich morgen da auch hin muss. Zum anderen will ich da fragen, wie ich nach Itapu komme. Eigentlich wollte ich das als fertige Tour buchen, aber für heute war nichts mehr zu bekommen.


Es stellt sich heraus, dass der Weg mit 2,6 km zwar machbar ist, aber nicht erstrebenswert. Ich denke ich werde morgen mit dem Uber fahren. Die Auskunft über Itapu deckt sich mit der aus meinem 8 Jahre alten Reiseführer. 


Allerdings fährt der Bus im Zentrum ab und so habe ich heute einen zweiten Spaziergang.


Der Reiseführer meinte, dass die Bushaltestelle vor dem historischen Museum sei. Also ging ich zuerst dahin, aber das war eine relativ kleine Straße und das Museum war auch noch geschlossen. Der Reiseführer meinte nämlich, man könne sich da die Zeit vertreiben, bis der Bus kommt. 


Ich habe dann Leute gefragt und die haben mir wieder viel aus ihrem Leben erzählt, aber nicht das, was ich wissen wollte.

Aber mit weiteren Fragen fand ich dann ein kleines Busterminal und fragte dort einen weiteren Mann, wo denn hier der Bus nach Hernandaris abfahren würde. Der bemerkte meine Hilflosigkeit, brachte mich dann zu einem dritten Herren, der mir sagte, ich sollte mich hinsetzen und er würde mir Bescheid sagen, sobald der Bus da wäre. Und so geschah es dann auch. 


Auch dieser Bus stand aus einer Zeit, als Hannibal mit den Elefanten über die Berge geritten ist. Das Getriebe scheint nicht mehr ganz in Ordnung zu sein, zu mindestens hört es sich so an. Als ich bei der Bundeswehr in der Fahrschule war, hat mein Fahrlehrer auch öfter zu mir gesagt: du schaltest so wie ein Soldat sprechen soll: laut und deutlich!










Interessant auch, dass der „Schaffner“ zwischendurch eine große Flasche Wasser nahm, eine Klappe innen vorne am Motor öffnete und das Wasser da reinkippte. Offensichtlich ist der Kühlkreislauf auch nicht mehr so das Wahre.


Und auch der Motor hat so seine Macken. Wir fahren eine minimale Steigung hoch, aber der Fahrer dreht den zweiten Gang bis zum Maximum hoch und fährt damit über eine Viertelstunde schleichend bergauf. Das tut beim Zuhören schon weh! 


Der „Schaffner“, meist ein junger Mann, steht immer vorne in der geöffneten Tür und ruft auch schon mal, wenn er Fahrgäste sieht, das Fahrziel aus. Als ich noch ein kleines Kind war standen an den Fahrgeschäften der Kirmes oft Schilder mit: „junger Mann zum Mitfahren gesucht“! Daran musste ich denken, als ich den Schaffner sah.


Wir kommen zwischendurch an einigen Eingängen von Itapu vorbei und bei den ersten habe ich ganz aufgeregt gefragt, ob ich hier aussteigen müsste. Nein, meinte der Fahrer und zeigte nach vorne. Aber dann, mitten auf der Strecke, sollte ich aussteigen. 


Wieder zeigte der Fahrer nach vorne, ich solle weitergehen. Dann bog er links ab nach Hernandarias und ich war etwas skeptisch, dachte aber, ein paar Meter werden nicht schaden. 






Und tatsächlich, keine 500 m weiter war ein Eingang mit dem Schild „Visitors“. Ein Wachposten stand am Eingang, und ich sagte ihm, dass ich die Anlage besichtigen möchte. Er antwortete wieder wortreich und wieder unverständlich. Dann gab er mir ein Zeichen, ich solle mitkommen. 


Er verließ das Tor (jetzt hätte jeder reinkommen können)  und ging mit mir zum Eingang des Besucherzentrums. Dort tippte er dann in sein Handy und wenig später könnte ich lesen: die Tour beginnt in 1 Stunde, ich könnte hier warten. 


Bingo! Es gab ein kleines Café, und da gab es einen kleinen Cappuccino, gemütliche Ledersofas, eine Klimaanlage und meine Welt war in Ordnung.






Am Eingang mussten wir uns dann registrieren. Wir, das war ein Schwede mit einer Schweizerin zusammen eine Amerikanerin und ich. 


Warum das Pärchen allerdings die ganze Zeit mit ihren Rucksäcken hier rumliefen (es gab hier Schließfächer für Umme), erschließt sich mir nicht. 




Danach gingen wir vier in einem Kino Raum mit circa 300 Plätzen. Ich habe mir einen schönen Platz in der Mitte ausgesucht. Jetzt kam ein Information – Image Film über das Kraftwerk. Es wurden viele technische Einzelheiten genannt, auf die hier nicht eingehen will, ich kann nur empfehlen das mal zu googeln und sich vielleicht auch mal auf YouTube passende Videos dazu anzusehen. Natürlich haben die Leute dabei ziemlich auf den Putz gehauen, aber auch zurecht.




In nur 17 Jahren so ein Jahrhundertbauwerk hinzustellen, mit einer solch unglaublichen Leistung: wow. Egal was angesprochen wurde, es waren nur Superlative. 


Es ging um die Leistung des Kraftwerkes, um den Bau,  um die Umweltschäden, die vermieden werden beim Betrieb und die gleichzeitige Schonung der Umwelt während und auch nach der Bauphase. 


In dem Film sieht man wirklich, wie sie einzelne Nasenbären einfangen und umsiedeln. Das Ganze ist heute ein Naturreservat und Fauna und Flora werden hier sehr geschützt, gleichzeitig werden auch umfangreiche Umweltstudien betrieben. Ein toller Film, wo mir ab und zu eine Gänsehaut kam. Und zwischendurch musste ich auch mal an den Bau vom Flughafen in Berlin denken, aber lassen wir das jetzt.


Aber ein paar „Kleinigkeiten“ will ich doch nennen: 

Die Fluttore des Dammes können 40 mal so viel Wasser transportieren, wie die Wasserfälle drüben in Brasilien. 

Die Höhe des Hauptdamms (196 m) entspricht der Höhe eines Gebäudes mit 65 Etagen. 

Bei der Konstruktion wurde 380 mal so viel Stahl verbaut wie beim Eiffelturm in Paris. 

Die Menge an Steinen und Erde, die hier bewegt worden ist, ist das achteinhalb-fache des Eurotunnel zwischen England und Frankreich und das Volumen an Zement ist das 15-fache.



Danach gab es eine Busfahrt zum Damm mit einer leider nur spanisch sprechenden Führerin.


Die Fluttore









Die Schieber an den Toren

Connie, der Condor! 🤪

An einer Stelle hielten wir an und hatten von da aus einen guten Blick auf die Fluttore und auf die gigantischen Röhren, durch die das Wasser zu den Turbinen geleitet wird. Die Fluttore werden aufgemacht, wenn zu viel Wasser im See ist und es einfach ungenutzt abgeleitet werden muss . Im Video haben wir das gesehen, es ist ein unglaubliches Schauspiel, weil die Fluttore natürlich auch riesig groß sind. Ein Condor (oder ein enger Freund von ihm) fliegt die ganze Zeit über das Wasser und zieht seine Kreise.

 

Wir fahren noch ein Stück über den Damm und sehen dann den großen See auf der einen Seite und den Fluss auf der anderen. Der Höhenunterschied ist gewaltig. Die ganze Anlage kann man nicht beschreiben, aber ich denke es gibt auf YouTube genug Filme darüber oder auch Bilder in Google. 




Darunter sind die Turbinen 

Der Parana, durch die Scheiben des Busses schwer zu fotografieren 

Nach einer Stunde ist die Tour vorbei und ich gehe ein Stück die Straße runter bis zur Hauptstraße, stelle mich an einer Ampel hin, um auf dem Bus zu warten. 


Hier war auch ein Taxistand, und der Fahrer hat mich natürlich angesprochen, ob er mich fahren könne. Als ich verneinte, hat er mich aber auch in Ruhe gelassen. Dann kam der Bus, und ich dachte er hält hier an der Ampel auch, aber er hielt 50-60 m vorher an. Der Taxifahrer rief mich und deutete an, dass ich schnell dahin laufen sollte, bevor der Bus weiterfährt.

Ich werde nicht müde, mich über die Freundlichkeit wirklich aller Leute hier zu freuen.






Auch die Fahrt mit diesem Bus hat etwas Abenteuerliches. Der Fahrer macht die ganze Zeit kräftige Lenkbewegungen, obwohl wir mit 50-60 km/h geradeaus fahren. Ich habe hier auch die ganze Zeit weder in Bussen noch in Taxis ein Lenkrad gesehen, das gerade stand. Hier bei dem Bus ist wahrscheinlich das Lenkgetriebe total ausgeschlagen. Wenn ich in meinem Wagen, der allerdings eine sehr straffe Lenkung hat, solche Lenkbewegungen bei 60 km/h machen würde, würde ich mich wahrscheinlich überschlagen.


Dem Bus fehlt auch ein rechter Außenspiegel, aber den braucht man nicht, wenn man einen Schaffner hat. Er lehnt sie sich nämlich jedes Mal aus der Tür raus und sagte dem Fahrer Bescheid ob rechts hinter ihnen frei war oder nicht. Kann man auch so machen!


Nach einer Dreiviertelstunde waren wir wieder in Ciudad del Este und ich ging die letzten Meter zu Fuß in Richtung Innenstadt. Glücklicherweise kam ich auf dem Weg an einem kleinen Grill vorbei wo es zum Stückpreis von umgerechnet 0,60 € zwei leckere kleine Spieße gab. 












Dann führte mich mein Weg zur Avenida San Blas, die als Einkaufsstraße hoch gelobt wird. Die Unterschied ist aber nicht wesentlich von den ganzen kleinen Händlern die hier bei mir auf der Straße stehen, nur dass da etwas mehr Platz war und es auch etwas mehr touristisch ausgerichtet wurde. 






In einem Shop sah ich eine nette Regenjacke und schaute sie mir genauer an. Ich fragte die Verkäuferin in meinem perfekten Spanisch: No agua? und deutest du dabei mit der Hand Regen an und einen Regenschirm. 


Sie verstand, dass ich eine Jacke suchte, die als Regenjacke dienen sollte. 


Und geschäftstüchtig wie sie war, bestätigt sie das natürlich auch. Momentan regnete es nicht, wie sollte der Schwindel auffallen? Wenn der Mann eine Regenjacke haben will, soll er sie auch bekommen. 

Mir war das dann aber doch etwas suspekt, weil auch auf dem Anhänger, der an der Jacke hing, kein Regensymbol zu sehen war. Schade, 140.000 wäre ein cooler Preis gewesen und mein alter Regenponcho scheint kaputt zu sein. 


Ein anstrengender Tag, aber auch sehr schön. Vor allem habe ich mich gefreut, Itaipu gesehen zu haben 

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