Montag, der 17.3.2025 Die Stadt der Guaranies der Mongola

Gestern hatte ich eine Empfehlung für ein Restaurant gehabt. Ich bin da am Mittag schon mal vorbeigegangen und es war unglaublich voll. Ich bin dann abends, gegen 7:00 Uhr hingegangen und kein Mensch saß darin. Fuck! 


Ich habe dann auch den Kellner gefragt, wann man hier essen kann. Er meinte ja, mittags wäre gut und abends ab 8:00 Uhr oder  9:00 Uhr. Das bedeutet, dass es hier dunkel ist und (sorry to say) das hier streunende Hunde rumlaufen. Nichts, was ich toll finde. Generell gilt Südamerika im Dunkeln auch nicht als der sicherste Kontinent der Welt. Aber ich denke hier in dem kleinen Ort ist es sehr  sicher. Was sollte ich nun tun? Noch mal zurückgehen und warten, bis das Restaurant vielleicht von anderen Gästen geflutet wird? Ich entschied mich für Option B: an der Straße gab es mehrere kleine Stände mit Grills und ich kaufte mir vier kleine Spieße und beschloss, in meiner Unterkunft zu essen. Restaurants sind alleine eh nicht so mein Ding.


Ich hatte gestern bei meinem Gastgeber gefragt, ob ich vielleicht einen Wasserkocher haben könnte, um mir Kaffee zu machen. So etwas hatten die aber leider nicht, stattdessen bot man mir an, mir morgens eine Kanne mit heißem Wasser zu bringen. Damit war mir natürlich auch geholfen und so war es dann heute früh auch. 


So kam ich wenigstens zu einer Tasse Kaffee. Dazu gab es sowas ähnliches wie Berliner, die ich mir gestern an der Straße gekauft hatte. Einer davon war mit Pudding-Füllung, der andere mit einer Marmelade. Ein guter Start in den Tag.


Die erste Weg sollte mich zum See führen. Nach ein paar Metern kam ich aber erst mal an dem alten Bahnhof vorbei.












Hier verkehrt der Tren de Lago, eine alte Dampfeisbahn, die von Asuncion aus hierher führt. Ich hatte im Internet gelesen, dass dieser Zug angeblich noch fährt, fand aber keine Orte, wo man sowas buchen konnte oder wo man Abfahrtszeiten sehen konnte. Schade. Als ich dann hier war, sah ich auch, warum man keine näheren Angaben fand: der Zug verkehrt wohl schon seit zig Jahren nicht mehr. Dafür stehen hier noch ein paar verrottete Waggons herum und dann habe ich auch den Bahnhof sehen können. Er scheint mittlerweile ein Wohnhaus zu sein.

Man kann aber immer noch die Fahrkartenschalter sehen, und auch der Bahnsteig ist klar, als solcher zu identifizieren, obwohl die Schienen fehlen.






Der See ist wirklich riesig groß, aber er wirkt nicht wirklich benutzt. Man sieht keine Schiffe drauf weder Fischer noch irgendwelche Segler, obwohl gegenüber ein Yachthafen ist. Es gibt auch ein Schild, das das Schwimmen hier verboten ist und wenn ich so von dem Steg aus ins Wasser reingucke, ahne ich, warum das so ist. 
















Ich fürchte, der See ist eine große Umweltsünde. Hier am Ufer ist schmutziger Schlamm und im Nahbereich ist das Wasser völlig undurchsichtig, obwohl kein Wind ist und auch keine Welle. Das Schild „schwimmen verboten“hätte man sich schenken können, kein normaler Mensch geht hier rein. Am Anfang der ganzen Anlage, die auf Familienfreizeit getrimmt ist mit Spielgeräten und alle möglichen, ist auch ein Schild mit Eintrittspreisen, aber der noch vorhandene Wärter hat mich einfach durchgewunken mit  Adelante, Adelante, Adelante!


Da mich die Situation mit dem See doch interessierte, habe ich mal auf Wikipedia nachgeschaut und dabei diesen Text gefunden:  Der See ist der am meisten verschmutzte See in Paraguay. Bereits im September 2012 schlugen die zuständigen Behörden auf Grund der hohen Bakterienkonzentration im Wasser des Sees Alarm. Seitdem hat sich die Konzentration an Bakterien mehr als verdoppelt. Nun sollen alle Unternehmen, die an der Verschmutzung des Sees beteiligt sind, bei der Staatsanwaltschaft gemeldet werden. Das Umweltsekretariat des Landes hat bereits 124 Unternehmen ausfindig gemacht, die mitverantwortlich an der Verschmutzung sind.


Auf einem Schild ist zu lesen (ja, soweit reicht mein Spanisch mittlerweile), dass dieser Ort im 16. Jahrhundert gegründet wurde von den Spaniern. Ursprünglich lebte hier Tapaycu, ein Häuptling eines Guaranie Stammes. 








Unnötig, zu sagen, dass die Anlage menschenleer war. Menschenleer stimmt nicht ganz, es waren bestimmt zehn Leute damit beschäftigt, alles aufzuräumen und sauber zu machen. Allerdings ist heute auch Montag. Vielleicht ist es auch so, dass die Leute erst abends hierher kommen.


Der Weg hierher führt über eine Straße, die durch einen breiten Mittelstreifen getrennt ist. Am Anfang des Mittelstreifen hatte ich schon ein großes Schild gesehen, dass ich natürlich nicht lesen konnte, aber Google hat mir etwas geholfen. 

Der Text stand aus der Offenbarung und lautete: unsere Liebesgeschichte hatte einen Anfang, aber es hat kein Ende. Denn elterliche Liebe kennt keine Entfernung, keine Zeit, kein Leben, keinen Tod. Denn wir werden jeden Tag an sie denken und sie für immer in unseren Herzen behalten bis zu dem Tag an dem wir uns wiedersehen.






Und als ich dann da langgegangen bin, waren alle paar Meter rechts oder links Blumen oder pPflanzen, die mit kleinen Zäunen geschützt waren. Und innen drin stand immer ein Schild mit zum Beispiel „in Memoriam“ und dann gefolgt von einem Namen. 

Keine Ahnung, ob das vielleicht Gräber waren oder ob das nur ein Pfad für Erinnerungen gestorbene Kinder sein sollte. Seltsam, so mitten auf der Straße!










Gestorben wird an dieser Straße offensichtlich viel. Ich kam an zwei Friedhöfen vorbei, die allerdings nicht für Menschen gedacht waren, sondern für Autobusse. Hier standen viele Wracks herum einer davon bestand nur noch aus einem Grippe, offensichtlich war er ausgebrannt. Seltsam! Es stehen ein paar schöne Häuser an der Straße, aber auch einige Lostplaces. An einem ganz schönen und offensichtlich auch Neuen Haus stand ein „zu verkaufen“ Schild und der Preis für das Haus mit einem 600 m² Grundstück war umgerechnet circa 220.000€. Vielleicht mit ein Grund, warum der eine oder andere Deutsche hier eine neue Heimat gesucht hat. Für 220.000 bekommt man in Düsseldorf eine Doppelgarage in guter Lage! 


Habe ich schon gesagt, dass es warm ist? Warm und drückend. Ich komme an der Straße an einem kleinen Shop vorbei da standen zwei Krüge: einer mit einer gelben Flüssigkeit gefüllt, der andere mit einer roten. Kalt sah das aus. Ich fragte, was das kostet, und es waren 5:00 Guaranies. Dann erklärte mir die Frau, dass das gelbe Ananassaft sei. Und das rote habe ich nie verstanden. 




Da ich Ananas nicht mag, nahm ich das rote, und bei der Farbe dachte ich fast, das könnte auch eine rote Beete - Saft sein. Auch der gehört nicht zu meinen Favoriten. 


Bis jetzt! Ich habe das Zeug probiert, es war wunderbar kalt und es schmeckte echt toll. Werde ich mir merken! Als ich allerdings dann am Nachmittag das erste Mal für kleine Königstiger musste, hatte ich ein klein bisschen die Befürchtung, dass der rote Beete Saft… Aber nein, alles normal!


Weiter ging dann mein Weg zur Kirche des Dorfes. Naja, darf Dorf darf ich nicht sagen, immerhin ist es die Hauptstadt der Region Central. Aber zur Kirche ging ich tatsächlich. Leider ging der Weg konsequent bergauf und als ich dann ankam, war die Kirche auch noch geschlossen. Andererseits hatte man von hier oben einen ganz schönen Blick und konnte auch den See sehen.








Auf dem Weg kam ich noch an einem kleinen nennen wir es mal Kunstshop vorbei. Anders als sonst im Dorf gab es hier keine Gartenzwerge mit großen Geschlechtsteilen, sondern etwas, was ich vielleicht als naive Kunst bezeichnen würde. Tiere aus Holz oder auch Figuren und einige Bilder waren zu sehen. Mit Sicherheit nicht mein Geschmack, aber deutlich besser als die anderen Dinge im Dorf.








Man kann hier keine fünf Schritte laufen, ohne nicht an einem Geschäft mit Tonwaren vorbeizukommen. Ich habe zwar schon ein paar Fotos gemacht, aber das Geschäft, an dem ich gerade vorbei kam, war schon etwas besonderes.




Ziemlich weit vorne in der Auslage standen zwei Zwerge mit ihrem beeindruckenden Geschlechtsteil, und dahinter standen zwei Figuren des Christo Redentor,  der ja in Rio steht. Die Kombination der beiden hat mich (sorry to say) auf den Gedanken gebracht, dass die Zwerge selbstbewusst ihre Männlichkeit zeigen während die beiden Christo-Figuren dahinter das nicht nötig haben, sondern nur mit ihren ausgebreiteten Armen einen Hinweis geben. Ich werde das nie wieder aus meinem Kopf bekommen.


Und so streife ich am Nachmittag kreuz und quer durch den Ort. Es ist kein Ort, wie bei uns mit mehrstöckigen oder aneinandergereihten Häusern, sondern es sind alles Grundstücke mit alleinstehenden, meist größeren Häusern darauf. Sehr reich scheinen die meisten Leute hier nicht zu sein und die Straßen sind wirklich abenteuerlich. 


Die Autos fahren meistens nur unwesentlich schneller als Schrittgeschwindigkeit und ich gehe auch deutlich langsamer als sonst um nicht auf die Nase zu fallen. Aber ich sehe relativ viel von der Stadt. Komme durch Gegenden, wo ich echt überlegen muss, wie ich es wieder zurückkomme und habe das Gefühl, dass das hier vielleicht das richtige Paraguay ist. Hauptstädte sind ja immer besonders und anders, aber das hier dürfte das normale Leben darstellen. Das kennenzulernen ist einer der Gründe, warum ich reise.




Ich habe dann mal die Google Maps - Suche das Wort „Sehenswürdigkeiten“ eingegeben. Das erste Ergebnis war ernüchternd, weil da nur eine Bushaltestelle angezeigt wurde, aber als ich dann die Suche etwas erweiterte, kamen ein paar Treffer heraus. 







Das erste war das Castillo Carlota Palmerola. Wie mit vielen Sehenswürdigkeiten habe ich auch mit diesem Castillo ein Problem: es ist geschlossen. Das Schild sagt, dass es bis auf weiteres wegen Renovierung nicht zu besichtigen ist. Man würde aber eine neue Ankündigung machen, wenn es soweit wäre. So lange kann ich aber leider nicht warten.










Und weiter ging mein Rundgang zur Mirador ita o Aregua. Ich hätte unter Mirador ja immer einen Aussichtspunkt verstanden, aber dieser ist es offensichtlich nicht. Von hier aus war nicht viel zu sehen. Es ist eine kleine Kapelle, die aber verschlossen war. Weitaus interessanter als diesen Bau fand ich allerdings die Bäume, die hier herum wachsen. Über der Kapelle ist ein Baum, der aus einem Felsen zu wachsen scheint und daneben steht auch so ein gigantischer Baum, der wohl auch schon sehr alt sein muss. Toll!


Und dann blieb noch die Escalinata di Aregua. Nun ja: eine Treppe ist eine Treppe ist eine Treppe. Und so ist das auch mit dieser Treppe. Man kann sie hinauf gehen man kann sie auch herunter gehen. Hinauf ist anstrengender als runter. 

Das hat sie mit vielen Treppen gemeinsam. 

Ich verstehe ja, dass man in so einem an Sehenswürdigkeiten recht armen Ort nach jedem Strohhalm greift, vor allem, wenn die Hauptsehenswürdigkeit, der See, nicht mehr so toll ist. Jetzt muss ich aber auch mal eine Lanze für die Stadt brechen, in der ich studiert habe: Treppen können die in Wuppertal echt besser!










Am späteren Nachmittag bin ich noch mal zum See gegangen. Mittlerweile war es bewölkt und auch nicht mehr ganz so heiß. Dazu weht ein leichter Wind, so dass das Spazierengehen auch Spaß machte. In dem Freizeitpark am See waren die Aufräumer von heute Morgen nicht mehr da, dafür hatten ein paar Leute keine Stände aufgebaut, um Souvenirs oder Snacks oder Eis zu verkaufen. Ein Mann vermietete seine Pferde zum Reiten und ich hab mich gefragt für wen? Auf dem Gelände (ich habe es gezählt waren acht Leute unterwegs, die genauso wie ich einfach mal übers Wasser gucken wollten. Offensichtlich stirbt die Hoffnung zuletzt.


Als ich die Reise vorbereitet habe, bin ich über 2 Mythen in Paraguay gestolpert. 

Da gibt es das Luz Mala, das böse Licht. Es wird oft als Vorbote des Todes oder als ein Zeichen für vergrabene Schätze angesehen. Es erscheint nachts auf Feldern oder in der Wildnis. Der Sage nach kommt das Licht von Verstorbenen. 


Und da ist auch noch „La Llorona“. Das ist eine Geschichte / eine Figur, die es in vielen südamerikanischen Ländern gibt. Es ist eine weinende Frau, die durch die Nacht streift und die Geister ihrer Kinder sucht, die sie selber umgebracht hat. Gruselig!

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