Sonntag, den 30.3.2025 zweiundsiebzig

Auch hier gefällt es mir wieder sehr gut. Es sind kleine, überwiegend Einbahnstraßen, die rechtwinklig angeordnet sind. Leider geht es ständig bergauf und bergab, und ich habe gestern auf dem Berg ein Licht gesehen und kann mir vorstellen, dass wir hier von Gipfeln umgeben sind.


Schon der Flughafen hat ja deutlich höher gelegen. Ich bin einfach mal um den Block gegangen und habe zu mindest auf den ersten Blick gesehen, dass es eine ganz nette Gegend zu sein scheint. Es gibt ein paar kleine Restaurants, einen riesigen Supermarkt und auch sonst noch ein paar kleine Geschäfte. Die Straße rauf scheint auch eine alte Kirche zu stehen, aber das werde ich heute in Ruhe alles auskundschaften.


Heute ist also mein Geburtstag. 72! Nicht schlecht! Der Tag beginnt mit einem leckeren Frühstück und danach beginne ich meinen Spaziergang. Als ich aufgewacht bin, waren es noch 10°, aber jetzt sind es schon 14. Ich verzichte auf das Sweatshirt und probiere es mal im T-Shirt.


Mein Hostel

Mein Appartement



Und es ist herrlich. Anders als sonst gehe ich jetzt auf der Sonnenseite entlang, man muss hier keinen Schutz im Schatten suchen. Auch schön! Die Stadt präsentiert sich noch ruhig, aber unter dem strahlend blauen Himmel unglaublich freundlich. Wenige Meter hinter meinem Hostel sind die Straßen gesperrt. 




Es ist ein Schild, auf dem ein Festprogramm angekündigt wird für heute. Offensichtlich feiert man hier meinen Geburtstag sehr intensiv. Der erste Weg führt mich zur Plaza de Majo, der zentrale Platz hier in der Innenstadt und dort sind auch schon Bühnen aufgebaut und ich denke hier wird es gut losgehen! Das wird ein schöner Tag.


Hier sind auch wieder ganz viele Stände, wo Schmuck und Textilien verkauft werden im traditionellen Stil der Bolivianer. Es scheinen tatsächlich Handarbeiten zu sein und vor allem die Ponchos sind wunderschön. Da hebt sich allerdings die Frage, was macht man zu Hause mit einem Poncho. Sucre wird auch die weiße Stadt genannt, weil hier fast alle Häuser weiß sind. Und die strahlen natürlich in der Sonne wunderbar.


Ich gehe weiter und merke relativ schnell ein paar Dinge: 

1. ich bin zu warm angezogen. Ich hätte jetzt gerne wieder meine Shorts und meine Sandalen zurück. 

2. in der Sonne ist es sehr warm. Klar, wir sind hier etwas höher und die Sonne scheint hier sehr unbarmherzig. 

3. es geht in dieser Stadt bergauf und bergab. Während ich ursprünglich dachte, ich komme mit dem Atmen hier gut klar, stelle ich jetzt fest, dass vor allem beim bergaufgehen ziemlich schnell die Puste weg bleibt. 












Als ich ein kleines Stückchen den Berg hochgegangen bin, bin ich kurz stehen geblieben, um wieder normal atmen zu können und habe mich umgesehen:der Blick war unglaublich! Vor mir die Stadt und im Hintergrund die Berge. Zum hinknien schön. 


Von jetzt an gehe ich auch bevorzugt auf der Schattenseite. Relativ leicht finde ich das Busterminal, von wo aus ich in ein paar Tagen nach Potosi fahren will. Es ist nicht sehr groß, und zumindest als ich da war, war es relativ ruhig. 


Auf dem Weg begegnen mir mehrere Frauen mit ihren Kindern in einem Tuch, was sie meistens auf dem Rücken tragen. Auch bei früheren Besuchen habe ich ein paarmal gefragt, ob ich sie fotografieren darf, aber das wird generell abgelehnt. Das mögen sie überhaupt nicht. Fair Enough! Aber dieses Mal habe ich (manchmal) Glück. 










Ich gehe dann doch wieder zurück ins Hostel, um ab zu rüsten. D.h.: Sandalen und kurzer Hose. So ist mir viel zu warm.


Nach einer kurzen Pause bin ich dann noch mal zu der Plaza gegangen und dort in den Palacio de Gobierno Departamental de Chuquisaca. (ich habe fast 10 Minuten gebraucht, um diesen Namen abzuschreiben. )






Es ist ein unglaublich schöner Prunkbau und es gibt eine Aussichtsplattform, von der man eine traumhafte Aussicht hat über die Stadt bis zu den Bergen, die dahinter liegen. Atemberaubend! Dachte ich. Aber dann habe ich noch eine absolut lebensgefährliche Wendeltreppe entdeckt. Total eng, die auch noch mal 15 oder 20 m über ca 50 enge Stufen weiter hoch führte auf eine ganz kleine Aussichtsplattform nah an den Wolken. 
















Ein würdiger aus Ort für einen Geburtstag. Wunderschöner Sonnenschein, hier oben geht auch ein leichter Wind und man hat einen wunderschönen Blick über die Stadt. Der TÜV in Deutschland wurde die Konstruktion nicht gerne sehen, aber wir sind weit weg vom deutschen TÜV. 




Alles sehr wackelig



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Die Stadt liegt friedlich unter mir, von der Plaza bringt Musik nach oben, man hört Vögel und man kann diese wunderschöne Altstadt sehr schön überblicken.

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Oben waren dann auch noch Höhenkletterer, die an der Außenwand des Palastes Scheinwerfer anbrachten. So ganz sicher sah das auch nicht aus, und als ich unten das Gebäude verließ, schlugen neben mir wie Geschosse zwei große Muttern in den Boden. Lebensgefährlich hier!




Danach bin ich dann noch an der Plaza in ein Café gegangen und habe mich dort in den Schatten gesetzt. Es hat einen Cappuccino gegeben und ich habe einfach das Treiben um mich herum genossen. 




Ich spüre ein wenig dieses spanische Lebensart, einfach mal nichts tun und die Welt um einen herum geschehen lassen. Und man kommt hier wirklich gut runter, wenn man sieht, mit welcher Ruhe hier Bolivianer mit ihren Kindern vorbeikommen, ein Vater bringt seinem Sohn offensichtlich das Fahrradfahren bei,kleine Mädchen spielen mit einem kleinen Hund, Pärchen gehen Arm in Arm über die Straße , so kann ein Samstagnachmittag aussehen.

Schön hier!



Die Märkte in der Stadt und leider auch. Die Museen haben heute alle geschlossen. Kann gut sein, dass das mit der Fiesta auf der Plaza zusammen hängt. Aber wenn die jetzt extra für mich eine Fiesta machen, dann muss ich dann da auch hingehen. Und es war wirklich nett . Unheimlich viele Leute waren da und ich habe eine ganze Zeit lang bei der Band zugehört. Zuerst war eine Reggae Band da, dann kam eine Rockband. 

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Die Texte waren alle spanisch, aber Musik ist schließlich international. In der Mitte des Platzes fand eine Show statt, deren Sinn ich nicht ganz verstanden habe. Schöne Frauen in schönen Kleidern haben schöne Hunde herum getragen. Aber was genau war der Sinn der Sache? Sollten wir die Hunde kaufen? (es waren überwiegend Welpen) oder ging es um die Kleider oder um die Frauen? Keine Ahnung! Aber es war durchaus beeindruckend, und das Publikum war begeistert. Es wurden auch Tänze vorgeführt in schönen Kostümen. Ich war lange da und habe mir dann auch in einem Restaurant am Platz ein Geburtstags Bier gekauft.



















Aus den 20°, die man uns heute hier versprochen hat, sind 25 geworden, aber das wird dann heute Nacht auf 9° zurückgehen. Aber dafür habe ich ja die lange Hose und das Sweatshirt und hier schlafe ich auch wieder mit einer dicken Bettdecke. 


Und abends? Ich habe hier immer Schwierigkeiten mit den Restaurants. Wenn ich am Abend ausgehe (zwischen 7 und 8) sind die Restaurants meist geschlossen oder aber total leer. Hier war es heute anders. Ich hatte mir schon tagsüber ein Restaurant ausgesucht und als ich heute da hinkam, war es mehr als halb voll. Die hatten eine gute Karte und nette Kellner. Das erste Gericht, was ich mir ausgesucht hatte, wollte er mir nicht geben. Was ich verstanden habe, war: es ist sehr groß! Und: es ist für 2 Personen! 

Da war ich einsichtig und habe ein kleines Gericht bestellt, von dem ich aber auch einen Teil nicht geschafft habe. 




Schöner Abend mit einem kleinen Verdauungsspaziergang an der Plaza!  


Abends an der Plaza


Nachtrag: es ist so ein kleiner Spleen von mir, meinen Geburtstag im Ausland zu verbringen. In den vergangenen Jahren habe ich das öfters gemacht. Hier die Liste: 


2013 Dali / Yunnan / China

2017 Manila / Philippinen

2018 Mumbai / Indien

2019 Lima / Peru

2022 Phitsanulok / Thailand

2023 Bogota / Columbien

2024 Spitzkoppe / Namibia

2025 Sucre / Bolivien

2026 ??

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