Donnerstag, 10.4.25 Bootsreise zur Isla del Sol / Yumani
Die Isla del Sol liegt im Titicacasee, dem höchstgelegenen schiffbaren See der Welt (3.812 m über dem Meeresspiegel), und gilt als spirituelle Wiege der Inka-Zivilisation. Hier wurde der Sonnengott Inti auf der Insel geboren, und die ersten Inka, Manco Cápac und Mama Ocllo, stiegen dort aus den Tiefen des Sees empor. Das ist der Beginn der Inka-Geschichte.
Als die spanischen Eroberer um 1530 Peru erreichten, trauten sie ihren Augen nicht. Sie waren den Sagen gefolgt, nachdem es hier viel Gold geben sollte und nun breitete sich eine ungeheure Pracht vor ihnen aus. Die Inka schätzten das Edelmetall, allerdings nicht als Zahlungsmittel, sondern als Grundstoff für Kunst- und Kultgegenstände.
Aber da war noch mehr. Sie trafen auf ein straff organisiertes Staatswesen, auf ein hervorragend ausgebautes Straßensystem und auf Siedlungen, die in ihrer Größe und Pracht viele Städte auf der Iberischen Halbinsel übertrafen.. In der Inkahauptstadt Cuzco lebten beispielsweise mehr als 200.000 Menschen.
Die Herrschaft der Inkas wird heute oft mit dem antiken Römischen Reich verglichen. Bei der Hochkultur der Maya, die schon vor dem Reich der Inkas entstand, zeigen sich dagegen Parallelen zum antiken Griechenland.
Die Geschichte der Inka beginnt mit einer Legende. Was für das antike Rom die legendären Gründungsväter Romulus und Remus, sind für die Inka die göttlichen "Kinder der Sonne": Manco Capac und Mama Occlo.
Der Legende zufolge blickte die Sonne einst voller Mitleid auf das Elend der Menschen. Sie schickte ihre beiden Kinder Manco Capac und Mama Occlo auf die Erde, um eine Herrschaft aus Toleranz, Freundlichkeit und Erkenntnis zu errichten. Sie sollten den Menschen Ackerbau, Viehzucht, Handwerk, Religion und Gesetze bringen. Wo sie ihren goldenen Zauberstab mühelos in den Boden steckten konnten, sollte das Zentrum des neuen Reiches entstehen.
So stiegen die beiden Kinder auf die Erde hinab, wanderten von den Ufern des Titicaca-Sees nach Norden und steckten im Tal von Cuzco ihren Stab in den Boden. An dieser Stelle entstand die Hauptstadt der Inka. Manco Capac wird der erste König der Inka, seine Schwester Mama Occlo die königliche Gemahlin.
Historiker datieren den Beginn der Inkageschichte um das Jahr 1200.
Der Name Sonneninsel (Isla del Sol) hat zwar religiösen Ursprung, passt aber auch in unsere Zeit. Es gibt kein Stromnetz. Viele Haushalte nutzen Solarpanels, was der Insel passend zu ihrem Namen eine nachhaltige Energiequelle liefert.
Es gibt hier eine atemberaubende Landschaft, getobt noch durch den majestätischen See. Es gibt hier keine Straßen, sondern nur Inka-Pfade, die zu verschiedenen, historischen Ruinen führen. Ich wohne in Yumani, einem von 2 kleinen Dörfern hier. Menschen leben hier ein einfaches Leben zwischen Landwirtschaft und Fischerei. Im Reiseführer steht: „Die Isla del Sol ist nicht nur ein Ort von natürlicher Schönheit, sondern auch von tiefer spiritueller Bedeutung – eine Insel, die Seele und Geist gleichermaßen berührt.“ Ein perfekter Abschluss für meinen Aufenthalt hier in Bolivien.
Aber wo Sonne ist (Sonneninsel) ist auch Schatten. Die Unterkunft, die ich hier in Yumani gebucht habe, schrieb mir, ich solle wenig Gepäck mitbringen, da der Weg zum Dorf über einen alten Inka-Pfad führt und dass man dafür ca. 25 Minuten braucht. Er ginge überwiegend bergauf über alte Treppenstufen im Fels. Als ich vor Jahren schon mal am Titicaca war, hatte ich den von der peruanischen Seite aus besucht. Und ich hatte auch da eine Tour zu der Insel Taquile gemacht, die mitten im See liegt. Vom Anleger aus ging es auch über eine mörderisch steile Strecke hinauf ins Dorf und am Schluss über eine fast 600 stufige Treppe, die wegen der Uneinheitlichkeit schwer zu gehen war (klettern wäre hier das bessere Wort). Hier gibt es also auch eine Treppe. Spannend. 25 Minuten lang Treppensteigen in einer Höhe von ca. 3800m. Man kann sich das Leben auch schwer machen…
Aber mal der Reihe nach. Leider schlafe ich hier sehr schlecht. Keine Ahnung warum, aber meistens wache ich um 4:00 Uhr auf und kann dann auch nicht mehr einschlafen. Zu Hause wäre das egal, weil ich da ja immer irgendwas machen kann aber hier?
Ich bin dann ganz gemütlich meine Morgenroutine durchgegangen und etwas früher zum Strand gelaufen. Dort gibt es eine kleine Comida, die machen einen guten Kaffee und eventuell auch ein kleines Frühstück.
Das Frühstück ist vielleicht ein bisschen anders bei uns, es gab ein Stück Fleisch, gebraten, ein Spiegelei, zwei Tomatenscheiben, ein in zwei Hälften geteiltes gebratenes Würstchen, ein Brötchen und Kaffee. Ungewöhnlich, aber ich selber hatte auch nur noch drei Kekse und das war mir dann doch zu wenig.
Danach bin ich dann zu dem kleinen Office gelaufen, wo ich das Ticket gekauft habe um zu fragen, wo denn das Boot liege.
Und jetzt wurde es unschön.
Ich sollte mich erst mal setzen. Das war okay, weil es war noch 20 Minuten bis neun , dem Abfahrtstermin.
Aber nach 10 Minuten hab ich dann noch mal gefragt, wo das Boot sei und er fing an mir eine lange Geschichte zu erzählen. Ich verstand nicht alles, aber doch einiges und er wollte warten, bis zehn Leute zusammen wären und dann würde er fahren.
Das gefiel mir nicht und ich sagte nein, ich habe ein Ticket für 9:00 Uhr gekauft und ich möchte gerne um 9:00 Uhr fahren.
Sehr wahrscheinlich hat er mir dann das Gleiche erzählt, was er eben schon mal erzählt hatte, mit den zehn Leuten und so, und ich habe ihm dann mit meiner Übersetzungs-App erklärt, dass mich die Geschichte mit den zehn Leuten nicht so sehr interessieren würde, sondern dass ich um 9:00 Uhr fahren wollte.
Er erzählte mir wieder ganz viel aber ich habe dann auch absichtlich nicht mehr hingehört.
Um kurz nach neun sagte ich dann zu ihm auf Englisch: let’s go! Und machte eine einladende Handbewegung.
Er erzählte wieder ganz viel und sagte dann einen Moment.
Dann telefonierte er und sagte, ich solle mitkommen. Okay das hört sich schon mal nicht schlecht an. Er ging runter zum Strand und dann zum Hafen wo die ganzen Boote lagen.
Dann erklärte er mir dass da ein Boot wäre das würde in den Norden der Insel fahren, da, wo ich gestern gewesen wäre und dann könnte ich von da aus gehen.
Jetzt verlegte ich mich auf die deutsche Sprache. Ich fragte ihn ob er irgendwas geraucht hätte, schließlich wären das 17 km und wahrscheinlich auch erhebliche Steigungen und schlechte Wege das könnte er doch wohl nicht ernst meinen. Das verstand er natürlich nicht und ich habe dann auf Spanisch gesagt: laufen nein.
Im Gehen fing er dann an zu telefonieren und sagte dann dass das Boot zwar in den Norden fahren würde, dass er mich aber in Yumani rauslassen könnte. Ich habe dann noch sicherheitshalber gefragt erst Yumani, dann den Norden der Insel? Und er nickte.
Wie gingen dann zu einem Ausflugsboot was schon sehr voll war. Der Captain stand noch am Ufer und ich fragte den auch noch mal: Yumani zuerst? Und er nickte.
Okay, das hörte sich gut an. Jetzt bedanke ich mich bei meinem betrügerischen Bootsagenten und bestieg das Boot.
Es war größer als das gestern und es waren bestimmt 40-50 Leute an Bord. Wir leben hier in einer sehr freien Welt, wo man übrigens noch keine Schwimmwesten braucht! 😮
Der Fahrgastraum war schon voll, und auf dem Dach wollte ich nicht sitzen, also blieb ich im Cockpit. Wir legten ab und schon nach kurzer Zeit schickt der Captain zwei weitere Leute aus dem Cockpit oben auf das Dach. Er wollte mich auch da hochjagen, aber ich sagte: nein nein ich bleib hier sitzen.
Ich merke langsam: mit Deutsch kommt man hier gut klar!
Ich habe dann gesehen dass die Leute, die hoch mussten, da oben auch keinen Sitzplatz mehr bekamen, sondern auf dem Boden saßen.
Die Fahrt bis in den Norden der Insel dauert so zweieinhalb Stunden, gemütlich kann das nicht gewesen sein. Ich aber wurde nach gut anderthalb Stunden in Yumani abgesetzt.
Und jetzt kommt der peinliche Teil dieser Geschichte. Ich habe mir natürlich Gedanken gemacht, wie ich hier hochkomme und da war noch diese eine Mail, die ich von dem Gastgeber hier bekommen habe. Er hatte mich ja gewarnt, viel Gepäck mitzubringen, weil der Weg halt nicht so einfach sei. Und er hat geschrieben für circa sieben Euro könnte er aber auch jemanden schicken, der mein Gepäck trägt.
Jeder, der mich kennt, weiß, dass das unter meiner Würde ist. Aber nach meinen Erfahrungen mit den Bergen hier und mit der dünnen Luft habe ich gedacht: Würde hin, Würde her, ich nutze diesen Service. Shame on me!
Aber es wird noch schlimmer.
Als ich hier im Hafen ankam habe ich mich umgesehen, ob ich irgendwo Arnold Schwarzenegger oder wenigstens Ralf Moeller entdecke.
Da war aber keiner.
Dann kam eine Frau auf mich zu und fragte ob ich zu dem Hotel Quilla Wasi wollte? Ich nickte und sie bereitete ihr Tuch auf dem Boden und sagte, ich soll meinen Rucksack da reinlegen . Dann schnürte sie das Bündel zu, packte sich das auf den Rücken und sagte: Vamos.
Da waren noch zwei andere Frauen, die auch den Berg hoch mussten die drei gingen vor mir und ich dackelte hinterher. Und die haben sich auf dem Weg auch noch die ganze Zeit unterhalten!
Die ersten zwei Drittel des Weges waren ziemlich steil und es waren auch nicht immer Stufen da, sondern man musste schon schauen, wo man zwischen den Steinen die Füße hinsetzte. Ich bin zwei oder dreimal stehen geblieben und habe, um das Gesicht nicht zu verlieren, Fotos gemacht.
Im Nachhinein denke ich, dass ich das auch mit Rucksack geschafft hätte, aber ich gebe zu, so war es (bis auf die Schmach) angenehmer.
Die Frau, die meinen Rucksack getragen hat, ist offensichtlich auch die Vermieterin hier. Sie brachte mich nicht bis nicht nur bis zu meiner Herberge, sondern direkt bis ins Zimmer.
Hier sind mir zwei Dinge aufgefallen: erstens ist das Zimmer sehr groß, geschmackvoll eingerichtet, sehr sauber und offensichtlich ist alles auch sehr neu.
Und zweitens gibt es einen atemberaubenden Blick von meiner Terrasse auf den See. Ich konnte es kaum glauben, als ich mich umdrehte und das sah.
Über mir blauer Himmel, vor mir das blaue See und eine kleine Insel und am Horizont ein paar Wolken. Hier gibt es natürlich keine Autos also ist das einzige was ich höre, das Zwitschern der Vögel und ab und zu mal ein Schaf, das blökt. Ich bin im Paradies.
Franziska, meine Wirtin, fragt mich, ob sie mir vielleicht ein Wasser bringen solle. Ich fragte sie dann in meinem ausgezeichneten Spanisch, ob es vielleicht möglich wäre, etwas heißes Wasser zu bekommen, ich hätte Kaffee und könnte mir dann einen Kaffee machen. Sie nickte, aber ich war mir nicht sicher ob sie das verstanden hatte.
Hatte sie aber.
Nach 5 Minuten kam sie mit einem Tablett an mit heißem Wasser einer Tasse und Zucker. Weiteren 3 Minuten schleppte sie einen kleinen Tisch und einen Stuhl auf die Terrasse, wahrscheinlich weil sie gesehen hatte, wie begeistert ich von dem Blick gewesen bin.
Ich bin im Paradies gelandet.
Mittags habe ich mich erst mal ein bisschen hingelegt, um ein wenig Schlaf nachzuholen. Wie ein Stein bin ich eingeschlafen!
Dann bin ich losgegangen, um das Dorf ein bisschen zu erkunden.
Natürlich ging es aufwärts.
Aber als ich dann auf dem Grat ankam, gab es eine neue Belohnung: ich konnte beide Seiten der Insel sehen, auf der einen Seite Bolivien, auf der anderen Seite Peru.
Und oben auf dem Grad ist dann auch die hiesige Party-Szene. Viele kleine Restaurants, die alle eine Terrasse haben und die alle einen umwerfenden Blick auf das Meer und die Berge haben. Das erschien mir der richtige Ort zu sein, einen Kaffee zu trinken, und so habe ich mich in die Sonne gesetzt und auf dieser Seite mal aufs Meer geschaut.
Hier in Yumani ist nichts los. Hier ist einfach nur Frieden. Das führt aber auch dazu, dass man mit anderen Reisenden schnell ins Gespräch kommt.
Das klappt sowieso immer gut aber hier wo es keine Ablenkung gibt noch umso besser. Die kurze Zeit des Kaffeetrinkens reichte aus um mich sehr lange mit einem Amerikaner aus New York zu unterhalten, der mit dem Fahrrad unterwegs war und da spannende Geschichten zu erzählen hatte. Wenig später quatschte ich dann noch mit zwei jungen Mädchen aus Göttingen, die aber auch recht intensiv reisten und auch viele Reiseerfahrung hatten.
Die beiden reisen ausschließlich in Bolivien und haben erst mal zwei Wochen in Sucre zugebracht, um da einen Spanischkurs zu machen. Auch keine schlechte Idee. So hatte ich einen sehr gemütlichen Nachmittag in schönstem Sonnenschein mit sehr netten Leuten, einem guten Kaffee und einem tollen Blick. Nichts los sein hat, durchaus seine Vorzüge.
Wenig später entdeckte ich an einer Blume einen sehr hektischen Colibri, der mit wahnsinnigen Flugmanöver zu den einzelnen Blüten flog, um da den Nektar rauszuholen. Zugegeben: sowas habe ich noch nie vorher gesehen.
Aber dann habe ich schnell begriffen, dass das hier nichts besonderes ist. Die sind hier überall zu sehen, wo es große Blüten gibt.
Das mögen Kleinigkeiten sein, aber für mich ist so eine Begegnung mit einem Colibri etwas, was ich nie vergessen werde und was ich auch immer miteinander in Verbindung bringen werde. Der Tiger in Indien, der Orang Utan in Indonesien oder mein geklautes Handy in Chile.
Stories!
Das Schicksal wollte es wohl so, dass ich nur ein paar Meter weiter ein Restaurant entdeckt habe mit einer Terrasse, auf der sie Liegestühle hatten. Liegestühle, die mit Lammfell gepolstert waren. Wahnsinn! Aber auf der anderen Seite ist schon klar: so geht Paradies!
Ich muss es noch mal sagen, diese Stille ist einfach genial. Ich kenne sowas nicht. Wie gesagt, es sind Vögel und hier gibt es sogar einen Esel, der manchmal randaliert und man hört von Ferne Stimmen von Leuten, die sich ganz normal unterhalten.
Mehr nicht.
Ich glaube, das ist das friedlichste Fleckchen Erde, dass ich jemals betreten habe. Nur schade wegen der dünnen Luft und dem ständigen Bergaufgehen, aber das sagte ich ja bereits.
Auch, wenn ich schon viel geschwärmt habe, möchte ich doch noch sagen, dass dies ein Ort ist, der das Potenzial hat, einen glücklich zu machen. Ich habe hier lange gesessen und aufs Wasser gesehen und bin innerlich sehr zur Ruhe gekommen und merke, dass ich eigentlich total gut drauf bin. Ein Paradies.
Ich hatte vorher etwas Stress mit meinem Trip zu der Sonneninsel. Da war der schwierige Aufstieg, der mir Sorgen machte dann aber auch die Frage: was mache ich da zwei Tage lang? Alle Aktivitäten würden definitiv mit dünner Luft und Bergaufklettern verbunden sein. Ich bin trotzdem gefahren und bin überglücklich, das getan zu haben.
Dann mache ich eben nichts!
Schöne Landschaft und köstliches Bier
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