Freitag, 4.4.2025 Auf nach La Paz

Als der Wecker schellt, bin ich schon lange geduscht. Ich bin heute Nacht kurz nach zwei aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen. Um fünf bin ich dann aufgestanden und habe mich fertig gemacht. Ich hatte mich vorher mit der Rezeption abgesprochen dass ich früh weg will und die hatten mir gesagt das sei kein Problem Und an der Plaza seien Taxen, die mich dann zum Terminal bringen können. Okay.




Soweit die Theorie. Als ich aufstand war in der Halle alles dunkel und niemand war da. Ich habe mir dann mit der Taschenlampe meinen Weg zur Küche gesucht mir da Kaffee gemacht. Dann habe ich auch in dem Aufenthaltsraum den Lichtschalter gefunden und in Ruhe gefrühstückt. 


Außer mir war niemand da. Dann war ich fertig und wollte gehen. Da niemand da war bin ich dann zur Tür gegangen, war aber ein wenig argwöhnisch. 


Es gibt zwei Türen: eine außen zur Straße und eine zweite, die in das Hostel führt. Die erste draußen ist tagsüber immer offen und bei der zweiten muss man schellen. 


Jetzt war ich mir aber nicht sicher ob die Außentür wirklich offen war und klemmte deshalb bei der Innentüre meinen Rucksack dazwischen. 


Das stellte sich als gute Idee heraus. Die äußere Tür war zu. Der Puls stieg leicht.


Im Dunkeln fummelt ich an der Tür rum und fand, dass dort eine Kette vorgelegt war. Es dauerte noch ein bisschen, bis ich das Prinzip der Kette verstanden hatte und sie losmachen konnte. 


Damit war die erste Hürde geschafft. Natürlich waren an der Plaza keine Taxis. Ich war total gut in der Zeit, wollte das aber auch nicht aufs Spiel setzen. Ich positionierte mich an einer Ecke, wo ich möglichst weit sehen konnte und lauerte auf ein Taxi. Und tatsächlich kam eins, der Fahrer verstand mich und wir fuhren los.


…kein Neuwagen!

Die Stadt ist um diese Zeit noch sehr leer, ich denke, ich sehe mehr Hunde herumlaufen, als Menschen. Und einen weiteren Vorteil hat die frühe Stunde: Das Rotlicht der Ampel gilt nur als Empfehlung. 

Irgendwann mal macht der Fahrer rechts das Fenster runter und fuhr langsamer. Wir hielten und da saß eine Frau inmitten von Körben und schlief. 


Er weckte sie auf und reicht ihr ein Bündel. Daraufhin fing sie an, hektisch in ihren Körben zu wühlen und holte da einen kleinen Snack raus, der in Blätter eingewickelt war. Wahrscheinlich war das der Deal. Offensichtlich saß sie da und wartete auf gute Geschäfte im Laufe des Tages. Bei 4°. Das ist ein hartes Leben hier oben.


Das neue Terminal (es gibt auch ein altes) sieht aus wie eine gigantische fliegende Untertasse. Es ist riesig und auf Wachstum ausgerichtet. Es sind schon Fahrgäste da, einige sitzen, einige liegen und schlafen. Spontan zähle ich auch 8 Hunde, die es sich auf den Sitzen bequem gemacht haben. 


Ich finde tatsächlich den Schalter von Transin dil Rey (meine Busgesellschaft) und die Frau sagt: ok, Bahnsteig 11!

Ich gehe raus und sehe den roten Bus mit der Aufschrift Transin dil Rey. Er ist offen und ich setze mich rein.


Nach 5 Minuten kommt die Frau wieder und sagt: der andere Bus! Bahnsteig 11!


Tatsächlich war in der Zwischenzeit ein zweiter Bus gekommen und ich bin dann von dem auf Bahnsteig 12 umgestiegen in den auf Bahnsteig 11! Noch mal gut gegangen! 




Mein Sitzplatz ist noch etwas unbequemer, als der auf der Hinfahrt. Meine Sitznachbarin beansprucht viel Platz und hat viel zu essen dabei. Sie hat sehr dicke Wollkleidung an und ist im Bus besser angezogen, als ich. Eine Heizung scheint es nicht zu geben. 


Aber wir kommen gut voran und sind in weniger als 4 Stunden in Sucre. Heute ist Reisetag. Es ist ziemlich kompliziert, aber so wird es (hoffentlich) klappen. Mit dem Bus nach Sucre, dann mit dem Taxi zu einem anderen Busbahnhof, dort den Bus zum Airport schnappen, Flug nach Santa Cruz und dort umsteigen nach La Paz. Warum es von der Hauptstadt keinen Direktflug zum Verwaltungssitz gibt? Keine Ahnung!




Ich hatte mir Gedanken wegen der Kleidung gemacht. In Potosi war es sehr kalt, aber Sucre war ja eigentlich warm. 

Eigentlich.

Heute sind es dort mickerige 13 Grad und es regnet. Ich bin also korrekt gekleidet. 

Ich gebe meinen Rucksack in der Aufbewahrung ab und kaufe mir erst mal einen Kaffee. Das habe ich mir verdient! 


Bevor ich dann zu dem anderen Busterminal gefahren bin, hab ich mir noch eine Chorrellana gekauft. Das ist fast food und besteht aus Reis, Pommes, einem großen Stück Fleisch, einem Spiegelei und sehr vielen leckeren Zwiebeln. Für circa zwei Euro ist es eine Mahlzeit, mit der ein Landwirt gute zwei Tage auskommen würde. Kleine Portionen können die hier irgendwie nicht. Ich habe auch bei weitem nicht alles gegessen, aber das ist eine gute Unterlage für den Tag.


Das Taxi, von dem die Information im Busbahnhof meint, dass es 5 Bolivianos kostet, kostet 10 Bolivianos. Der Gringo-Tarif. Aber der Fahrer bringt mich zum gewünschten Ziel. 


Das Problem mit dem Mikrobus ist wie folgt: wenn er am Flughafen steht, kommt normalerweise ein Flugzeug an und viele Fahrgäste wollen natürlich in die Stadt. Dann werden auf einen Schlag vielleicht zwei oder drei Busse voll und sie fahren sofort los. Andersherum ist es schwieriger. Die Busse stehen an der Parade und warten, bis sie voll sind. Es ist ja eine relativ weite Strecke und die wollen sie nicht halbleer fahren. Und das ist jetzt so ein bisschen mein Problem! 

3 andere Fahrgäste wollen auch nach Santa Cruz, deshalb gibt es eine Diskussion mit dem Fahrer und wir gewinnen. Mit nur 6 Fahrgästen fahren wir los. Der Bus, in dem wir sitzen, ist ein Spezialfahrzeug. Dem Konstrukteur wurde nicht gesagt, dass es auch bergauf fahren muss. 

Bergab geht klasse, bergauf keucht sich die Karre die Seele aus dem Leib. 

Der Bus heute früh war angenehm ruhig. Mr. TikTok war nicht da und jetzt weiß ich auch, warum: er sitzt hinter mir. Ich kann aber hier den Sitz etwas nach hinten kippen und tue das auch. So haben wir beide unseren Spaß! 


Der Flughafen ist klein und übersichtlich und wir kommen pünktlich los. Das iPad wollten sie in der Security sehen, Flüssigkeiten wurden in Riesenflaschen an Bord gebracht. Der Flug war etwas „bumpy“, aber ok. 




In Santa Cruz haben wir bei Ankunft 27° und ich habe Schuhe mit Socken, eine lange Hose und ein Sweatshirt an. Irgendwas passt da nicht. 

Was aber auch nicht passt, ist die Anzeigetafel: alle Flüge sind pünktlich, nur 2 nicht. Und zu welcher Gruppe zähle ich? 

Genau!

Eine knappe Stunde Verspätung. Mist! Das bedeutet: Dunkelheit bei der Ankunft! 


Im Hintergrund der Huayna Potosi mit über 6000 m

Mit gut 1 Stunde Verspätung komme ich in La Paz an. Am Flughafen ist das übliche Chaos und ich versuche erst mal, mir einen Uber zu rufen. Aber die App gaukelt einem falsche Tatsachen vor. Wenn man die Adresse eingibt, kriegt man die Info, dass ein Fahere 1 Minute entfernt ist Und wenn man dann den Abholungspunkt bestätigt, dann fängt die Suche an und Uber sucht dann 5 Minuten lang oder sogar noch länger nach einem Fahrer. Ich lasse die App 3 Minuten suchen, breche dann ab und storniere die Anfrage. Jetzt muss ich leider ein Taxi nehmen, aber so wie es aussieht, gibt es feste Raten in die Stadt. Ich lasse mich drauf ein und bin sehr gespannt, ob das auch so ausgeht. (Spoiler: es ist gut gegangen)Es ist fast dunkel und ganz weit hinten sieht man einen hohen Spitzen Berg. Kann gut sein, dass es hier noch höher geht als die 4000 m auf denen ich gerade bin. Hier ist es auch wieder ordentlich kalt und ich bin sehr gespannt, wie die Stadt sein wird.


Seltsame Wegführung!

Die Fahrt geht über eine Schnellstraße in die Stadt hinein. Als wir runterfahren, sind wir schlagartig in einem nächsten Kessel aus kleinen Straßen mit unglaublichem Verkehr und unheimlich vielen Leuten, die auf der Straße herumgehen. Hier reiht sich Geschäft an Geschäft, es ist nicht zu leugnen, ich scheine im Zentrum zu sein. Auf den letzten 500 m stehen wir mehr oder weniger nur. Zu Fuß wäre ich schneller gewesen, allerdings ist hier im Taxi die Heizung an und es ist sehr angenehm. Draußen sind es 8°. Und es geht sehr steil bergauf.




Wo bin ich hier gelandet? im Himmel? In der Hölle? Oder dazwischen? Schwer zu sagen. So etwas Verrücktes habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Ich bin auf dem hiesigen Hexenmarkt (Mercado de Hechicería) gelandet. Das ist ein sehr verrückter, touristischer Souvenirladen-Markt in einer kleinen Gasse mit holprigen Pflaster und 1000 Lichtern und ebenso vielen Shops, wo man alles kaufen kann. Ich habe ein T-Shirt entdeckt auf dem Lama steht und auf dem einen Lama aufgestickt ist. Aber es ist nicht nur aufgesteickt, sondern es ist tatsächlich ganz weiches. Alpaka -Fell drauf. Wenn man es streichelt, fühlt es sich ganz weich an. Ich glaube, das muss ich haben.













 Das ganze Viertel besteht nur aus kleinen Straßen und es gibt zwei Richtungen, die man gehen kann: bergauf oder bergab. Aber das kommt aufs gleiche raus weil je nachdem was man zuerst macht, das andere kommt danach auf jeden Fall. Ich bin dann noch schnell ein kleines Restaurant gegangen, was mindestens so verrückt ist wie dieser Markt. Ich glaube, mir gefällt es hier.


Zum grünen Abschluss bin ich noch in einem sehr sehr verrücktes Restaurant gegangen und habe da ein nicht so verrücktes Lama Steak gegessen. Traumhaft zart und sehr lecker.

Über 1800 km waren das heute und dafür, dass man mehrmals umsteigen musste, hat es eigentlich gut geklappt.











Der ursprüngliche Name der Stadt war „Nuestra Señora de la Paz“, zu Deutsch: unsere liebe Frau des Friedens. La Paz ist eine moderne Stadt, die aber in dem alten Kern San Pedro auch eine Gefängnisstadt hat. Hier leben die Gefangenen in einem weitgehend autonomen Stadtteil, den sie aber nicht verlassen dürfen. Die Stadt wurde Mitte des 16. Jahrhundert gegründet. Heute ist La Paz nicht die Hauptstadt des Landes, wohl aber deren Regierungssitz. Hier leben ca. 3/4 Millionen Menschen auf einem Höhenniveau von 3600m. Das ist so hoch, dass man selbst beim Nichtstun außer Atem gerät. Die Stadt ist auch bekannt durch die Seilbahn (Teléferico), die hier als „normales“ Verkehrsmittel fungiert und ca. 30.000 Passagiere pro Stunde befördert. 

Die Seilbahnen sind nicht nur ein Transportmittel, sondern auch die beste Möglichkeit, das Chaos von oben zu bewundern. In den Märkten kann man alles kaufen, von Lamaföten für Rituale bis hin zu Regenbogen-Ponchos, die sogar Einhörner neidisch machen würden. Der Verkehr ist  wild, und wenn man versucht, mit einem „Paceño“ (Bewohner von La Paz)  in Sachen Höhenverträglichkeit mitzuhalten – sie lachen und tanzen, während man schnaufend nach Sauerstoff sucht.

Hier ist es kalt. Die Jahreshöchsttemperaturen bewegen sich zwischen 18 und 19 Grad. Im Hochsommer!  Deutsche Partnerstadt von La Paz ist Bonn. 


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