Mittwoch, 2.4.2025 Reise zum Silberberg

Fazit: bis jetzt gefällt mir Bolivien sehr gut und wo mir schon Santa Cruz de la Sierra sehr gefallen hat, hat Sucre noch gehörig einen draufgesetzt. Es ist eine sehr sympathische Stadt, selbst abgesehen von den Sehenswürdigkeiten macht es Spaß, durch die Straßen zu schlendern. Und auch die Leute sind alle sehr freundlich und hilfsbereit. Bisher ein absolutes Highlight auf meiner Reise.


12°, warm ist anders. Aber ich habe schon die warme Kleidung an, in Erwartung von dem, was nun kommt. Um 10:00 Uhr geht der Bus, also kann ich gemütlich frühstücken, mein Hotel bezahlen und zum Bus gehen. In einer längeren Diskussion mit der Rezeptionistin habe ich herausgefunden, wo der Bus fährt, welche Bezeichnung er hat und was er kostet. Ich weiß auch, dass von dem Busterminal, von dem ich jetzt aus nach Potosi fahre und zu dem ich auch zurückkehren, das von da aus auch ein Bus zum Flughafen geht. 


Diese ganze Diskussion hat auf Spanisch stattgefunden und auch, wenn es vielleicht grammatikalisch nicht ganz astrein war, hat es geklappt. Der kleine Mikro Bus bringt mich (übervorsichtig, wie ich bin) zum Terminal und ich bin viel zu früh da. Aber sicher ist sicher,und der Verkehr in den engen Straßen ist wirklich bemerkenswert. 





Im Mikro-Bus ist es sehr eng, aber ich bin froh, dass ich nicht zu Fuß gegangen bin. Wenn ich sehe, wie der alte Bus sich die Berge hochquält, die ich vor ein paar Tagen zu Fuß gegangen bin, ist das eindeutig die bessere Wahl. Die Sonne scheint, aber die Wolken hängen ziemlich tief. Laut Wetterbericht soll es heute auch nicht so warm werden hier, aber in Potosi wird es noch kälter sein.


Terminal in Sucre


Am Terminal will ich auf den Bahnsteig gehen, aber obwohl ich mein Ticket vorzeige, wird es mir verwehrt. Taxi! Taxi! Sagt der Mann immer wieder.

Mein Groschen fällt sehr langsam. Ich muss eine Terminalsteuer (Englisch:Tax) bezahlen. Dann ist alles ok. In meiner Kindheit musste man auch eine Bahnsteigkarte lösen, wenn man im Bahnhof auf den Bahnsteig wollte. Als Kind habe ich das gerne gemacht, um die gewaltigen Dampflokomotiven zu sehen. 

Der Bus hat bessere Tage gesehen. Das muss aber schon lange her sein. Und er ist sorgfältig gesäubert worden. Damals, in den guten Tagen. 


Der Bus ist ziemlich voll und es sind auch viele kleine Kinder an Bord ich weiß, dass viele Europäer darauf stehen, Kinder aus Südamerika zu adoptieren und ich verstehe das völlig. Somit 4-5 Jahren sind die wirklich zuckersüß. Ich schaue aus dem Fenster und bin etwas irritiert. Vorsichtig taste ich mit der Hand nach der Scheibe und tatsächlich: da ist Glas drin. Das Fenster ist einfach nur sauber. Das habe ich bisher auch noch nicht gesehen. 


…das kleine Mädchen

Der Koka-Fan

Meine Nachbarin

Habe ich gesagt, der Bus sei voll? Er ist übervoll. Und es ist sehr warm. Die Leute haben Unmengen von Gepäck dabei und ich bekomme eine Nachbarin, die offensichtlich auch gut über den Winter gekommen ist. 

4 Stunden! 

Ich freu mich! 

Zum Glück hat der Typ vor mir seinen Sitz nach hinten gekippt, das macht das Ganze noch etwas gemütlicher. Rechts vor mir ist ein älterer Mann, der die ganze Zeit Kokablätter kaut. Aber: man muss auch das positive sehen. Es gibt USB Steckdosen, und vor mir hat jemand ein Kabel reingesteckt, die scheinen sogar zu funktionieren.



Mein überpünktlich-sein hatte etwas Gutes. Der Bus fuhr 1/4 Stunde zu früh los. 


Der Fahrer hat zum Glück eine Dachluke aufgemacht, so kommt etwas frische Luft in den Bus.









Der Weg führt uns durch eine sehr grüne Gegend und die Straße schlängelt sich in engen Kurven am Berg entlang. Wir fahren vielleicht höchstens 50 km/h, das erklärt, warum die Fahrt so lange dauert. Hinter mir habe ich wieder so einen Künstler, der laut TikTok Videos schaut. Sehr nervig! 


Die Frau auf der anderen Seite des Durchgangs hat die ganze Zeit ihre kleine Tochter auf dem Schoß sitzen. 

Mich nervt ja schon die Tasche, die auf meinem Schoß ist, aber so ein kleines Kind mit seiner Körperwärme ist sicher auch eine Herausforderung. Das haben die Eltern wohl auch so gesehen und nach einer Weile wechselt das Mädchen von der Mutter zum Vater. Der macht es aber nicht so lange mit, sondern legt eine Decke auf den Fußboden im Gang und legt das Mädchen da drauf. 



Er lächelte mich dabei so freundlich an, dass ich ihn gefragt habe, ob ich ein Foto machen darf. Er fragte dann zuerst seine Frau, aber die stimmte dem auch zu.Ich weiß, dass ich hier als Gringo ein Außenseiter bin und die Leute schauen auch etwas neugierig. Auch der Kokablätter-Fan dreht sich öfters zu mir um und lächelt dabei freundlich.


Wir sind in den Bergen. Es ist wirklich beeindruckend, noch gibt es etwas grün, zwar keine Bäume mehr, aber kleine Sträucher. Wir passieren ein ausgetrocknetes Flussbett und sehen in der Ferne weitere Berge und relativ selten auch einmal ein Haus oder ein Gehöft. Ich mach ein Fotos und der Kokablätterliebhaber gibt mir durch Zeichen zu verstehen, dass das eine tolle Landschaft ist. 


Ich nicke ihm freundlich zu und bestätige das. Der Bus mag nicht bequem sein, aber die saubere Scheibe und die Landschaft machen das wett.


Zwischendurch halten wir an und Händler mit Speisen und Getränken kommen in den Bus. Natürlich muss das kleine Mädchen dann immer seinen Platz in der Mitte räumen, beschwert sich dann fast 2 Sekunden lang und schläft dann im Arm des Vaters weiter. Der Rückweg funktioniert ähnlich, nur ohne quengeln. Der Vater nickt mir dann zu und sagt: sie ist sehr müde. 


Die Täler werden tiefer und die Vegetation spärlicher. Das ist hier eine recht menschenleere Gegend, aber ich sehe, dass ich auf meinem Telefon immer noch LTE Empfang habe. Wenn man bedenkt, wie viele Funklöcher zum Beispiel zwischen Dortmund und Kassel sind, kann man nachvollziehen, dass für Deutschland das Internet tatsächlich Neuland ist.



Zwischendurch steigen immer wieder Leute aus. Der Vater nimmt dann immer das Kind hoch und einmal habe ich ihm geholfen und habe auch die Decke hochgehoben, damit die Passagiere nicht da drüber trampeln. 


Es ist eine sehr schwere Wolldecke, sehr dicht gewebt, in bunten Farben mit einer gehäkelt Bordtüre. Ich kann nicht beurteilen, ob das Handarbeit ist, aber wahrscheinlich. Super Qualität! Die Leute, die hier durch wollten, sind sehr frühzeitig aufgestanden und haben jetzt ihr Gepäck im Gang verteilt. In der Zwischenzeit habe ich die sehr sehr warme Decke auf dem Schoß; auch ein wenig kontraproduktiv.


Mister TikTok hinter mir ist inzwischen wieder aufgewacht. Eine Zeit lang war es schön ruhig im Bus, aber jetzt höre ich wieder diese ständig wechselnden Stimmen und Musikstücke. Aber die Reihen im Bus haben sich gelichtet, ich sitze jetzt auch wieder alleine in meiner zweier Bank und wir sind mittlerweile auf 3300 m.Es ist blauer Himmel, die Sonne scheint und das Wetter ist draußen wahrscheinlich sehr schön.





So circa 60 km vor Protoski kommen wir durch eine kleine Ortschaft. Es gibt hier viele kleine Häuser, aus einfachen Ziegeln gebaut Stein auf Stein und unverputzt. Es ist ärmlich, und man sieht Menschen herumlaufen, Frauen, Männer und viele Kinder und die meisten sind traditionell gekleidet. 


Ich denke, hier bin ich in dem echten Bolivien.


Die Großstädte geben dann doch immer ein anderes Bild ab, als wenn man in der Provinz ist. Das Leben ist hier wahrscheinlich nicht einfach und wir sind ganz offensichtlich oberhalb von der Baumgrenze. Es gibt einen kleinen Fluss, und in dem flachen Kiesbett steht ein Auto im Wasser. Eine Frau steht dabei und wäscht es. Kann man so machen! 


Es ist immer noch ein freundlicher Tag, es sind ein paar Wolken am Himmel und der größte Teil ist einfach nur blau. Draußen sind es 15°, da kann man gut mit leben aber ich rechne, dass es heute Abend deutlich kälter wird.


Wir kommen am alten Terminal an. Es scheint näher zu sein, als das neue Terminal. Also steige ich hier aus und versuche irgendwie zu meinem Hotel zu kommen. 


Der Taxifahrer, den ich anhalte, weiß genau, dass es 15 Bolivianos kostet (der Busfahreri hatte gesagt zehn), aber er wusste nicht, wo die Straße ist.



Alles ist sehr hektisch hier und es scheint Straßensperren zu geben. Ich habe heute zum Frühstück zwei große Tassen Kaffee gehabt und würde jetzt gerne zum Hotel kommen. 

Bei dem Taxi steht das Lenkrad gerade, aber die Servolenkung scheint kaputt zu sein. Das Lenkung ist sehr schwer gängig und auch sie beziehungsweise die Radaufhängung macht üble Geräusche. Wir fahren aber in die richtige Richtung und der Fahrer fragt mich ob ich Spanisch spreche. Ich sage ein bisschen und dass ich aus Deutschland sei. 


Daraufhin tippt er während der Fahrt in sein Handy und dann höre ich aus dem Lautsprecher des Autos auf Deutsch die Frage aus welchem Teil von Deutschland ich komme. 

Er hat tatsächlich seinen Übersetzungsprogramm gestartet und nun befriedigt er seine Neugier über den Translator und über die Bluetooth-Verbindung zu seinem Radio. Ich finde das ja ganz toll, würde aber gerne meine Unterkunft. Wie ich erkennen kann liegt die mitten im Zentrum das sieht schon mal ganz gut aus.






Hier wird alles sehr schnell gehen…😩

Der schöne Eingangsbereich des Hostels

Ich checke ein und wow! Das Zimmer ist gruselig! Es ist wirklich sehr sehr einfach und kalt. Ich hatte beim Buchen darauf geachtet, dass die Zimmer eine Heizung haben und hatte auch ausdrücklich danach gefragt. 

Da erkennt man die Leistungsfähigkeit der Deutschen Sprache: „Hat das Zimmer eine Heizung?“ ist was ganz anderes als „Wird in dem Zimmer die Heizung angemacht?“ Und das Bad: na ja! Aber da habe ich dem Hostel im ersten Moment Unrecht getan. Abends waren die Heizungen an.


Erst will ich mal schauen, wo ich bin. Mit dem Taxi bin ich an einer Plaza vorbeigekommen und hier in der Nähe ist ein Markt. 


Auf dem Weg in komme ich an einem imposanten Haus vorbei. Es ist eine Beschreibung angebracht und demnach ist es das ehemalige Haus des reichsten Bergmannes hier in Potosi und wird zur Zeit als Schule benutzt. Ich weiß, dass man da nicht rein darf, aber irgendwie fand ich es doch zu interessant.

Ich würde es erst mal recht langsam angehen lassen, weil wir sind hier tatsächlich auf 4000 m und so ein klein wenig merkt man das schon. Im Hostel steht, dass wir genau auf 4060m sind! 

Und natürlich geht es hier nur bergauf. Das Akklimatisieren in Sucre scheint aber sinnvoll gewesen zu sein. Schwummerig ist mr schon ein wenig, aber keine Zeichen von Höhenkrankheit, wie ich sie mal sehr leicht (1/2 Tag) in China hatte. 


Wenn man so durch die Stadt geht, sieht man im Hintergrund den Cerro Rico, den Silberberg. 


Im Hintergrund der Silberberg

Auf der Plaza kaufe ich mir ein kleines Eis und schlendere gemütlich zum zentralen Markt. Er liegt auch wirklich sehr zentral, aber da es schon recht spät ist, ist da schon nichts mehr los. 








Die Leute packen alle ein und auch in der Comida spült man das Geschirr ab. Daneben finde ich noch einen anderen Markt, der überdacht ist. Da es gerade angefangen hat zu regnen, begrüße ich das sehr. 


Man merkt auch bei jedem Schritt, den man geht, dass die Luft dünn ist, im wahrsten Sinne des Wortes. Und es wird kälter! Noch bin ich im T-Shirt unterwegs, aber ich denke das wird sich schnell ändern.

Der Regen kann was. In dem kleinen Markt, in dem ich jetzt bin, sitze ich trocken und es gibt einen kleinen Stand, wo gebackene Fladen verkauft werden. Die sind größtenteils aus Luft werden entweder mit Puderzucker bestreut oder man tut etwas Sirup drauf. 




SIe schmecken sehr sehr lecker und sind mit Sicherheit sehr sehr ungesund . Aber mit dem Verzehr erkaufe ich mir mein Bleiberecht unter diesem Dach und das ist allemal mehr wert. Auch andere Leute kommen auf die Idee und so füllt sich der Markt langsam wieder mit Besuchern und Hunden, auch, wenn die Shops fast alle geschlossen haben. 


Die Leute, die reinkommen, sehen aber auch nicht so toll aus. Sie sind von Kopf bis Fuß nass und ich bleibe hier erst mal sitzen, bis jemand mich verjagt. Als dann eine größere Gruppe kam, musste ich aber doch wohl oder übel gehen, habe dann aber im oberen Geschoss noch eine Comida entdeckt, wo es tatsächlich Kaffee gab. Das passt jetzt natürlich auch gut in meinen Tagesablauf und ja, es wird dann langsam so kalt, dass man sich über einen heißen Kaffee freut.




Als ich mich daheim auf Bolivien vorbereitet habe, bin ich auch über einen wirklich seltsamen Brauch gestolpert. Es geht hier um ein Fest, dass einmal im Jahr (8.11.)  in La Paz stattfindet. Ich habe diesen Artikel einfach mal als Zusatz übernommen, weil ich sowas Ähnliches schon mal gelesen habe. 


Vor zwei Jahren bin ich in Indonesien gereist auf der Insel Sulawesi. Dort war ich auf dem Weg in einen Ort mit dem Namen Rantepao. Dort gab es einen Brauch, der auch einmal im Jahr stattfand und wo die Bewohner die mumifizierten Körper der Toten aus den Gräbern geholt haben, diese dann bekleidet mit normalen Anzügen durch das Dorf getragen haben. Das findet da tatsächlich einmal im Jahr statt, leider konnte ich da nicht hinreisen, weil eine große Überschwemmung auf der Insel mich zur Umkehr zwang.


Potosí liegt zwischen 3976 m und 4070 m Seehöhe auf einer Hochebene in einer kargen Gegend. Die Stadt gehört zu den höchstgelegenen Großstädten der Welt. Die Stadt verdankt ihren früheren Reichtum dem legendären Silberberg, Cerro Rico Potosí. 1545 wurden hier reichhaltige Silbervorkommen entdeckt und die Spanier begannen unverzüglich mit dem Abbau des kostbaren Edelmetalls. Bis heute wurden über 46.000 Tonnen Silber abgebaut und es soll ca. 5.000 Mineneingänge in den Berg geben. 

Der Rio de la Plata (Silberfluss) heißt ja auch nur deshalb so, weil hier die Ausbeute aus dem Minen transportiert wurden.

Durch den Silber-Run war Potosí mit 150.000 Einwohnern im Jahre 1611 eine der größten Städte der Welt. Im Spanischen gibt es die Redensart „vale un Potosi“, was soviel bedeutet wie „es ist ein Vermögen wert“. Die Zwangsarbeiter, Indios, die aus der Umgebung kamen, starben zu Tausenden in den Minen. Die Indios starben in dem Staub, die eingeführten afrikanischen Sklaven an der Anstrengung in der dünnen Luft. Man spricht von 8 Millionen Toten alleine unter den Indigenen Arbeitern. Auch heute sterben hier noch viele Menschen, oft auch an Spätfolgen. Die Lebenserwartung von den Bergleuten liegt zwischen 40 und 50 Jahren, man vermutet auch vermehrt Kinderarbeit. In der Stadt selber gibt es viele Kolonialbauten. Attraktion ist hier der Mercado de los Mineros, wo man 96%igen Alkohol kaufen kann und Dynamit. Es ist weltweit der einzige Markt, wo Dynamit frei erhältlich ist.  

Heute wird in Bolivien Zink, Blei und Aluminium abgebaut, die Silberressourcen können die „privaten“ Schürfer heute nicht mehr ernähren. 

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