Sonnabend, 12.4.2025 Horrortrip 1
In der Nacht hatte es nicht Hunde und Katzen geregnet, sondern eher Pferde und Kühe. Es war ein unglaubliches Gewitter, und es war direkt über uns. Man konnte den Blitz noch sehen, als es schon unglaublich laut und scharf knallte. Das Gewitter war schnell vorbei, aber der Regen blieb. Fast die ganze Nacht. So gegen sechs wechselte er zu einem sehr starken Hagel, das konnte man auf dem Blechdächern recht gut hören. Aber dann, um 7:00 Uhr, verzogen sich die Wolken, und die Sonne kam raus.
Ich hatte schon Panik gehabt, dass ich bei diesem Wetter eine halbe Stunde durch den Regen laufen muss. Da wäre kein Segen drin gewesen. Aber so hatte ich Glück, verabschiedet sie mich noch von Franziska (die gerne noch mal meinen Rucksack getragen hätte) und ging dann den Weg runter zum Hafen.
Das bergab gehen ist vielleicht körperlich nicht so anstrengend, aber man muss unglaublich aufpassen, weil alles immer noch sehr rutschig. Einmal musste ich ein kleines Stückchen durch Schlamm durchgehen und hatte danach eine super Schlammschicht unter meinen Schuhen. Das macht das gehen auf den glatten Steinen nicht viel einfacher, und meine Geschwindigkeit sank und sank.
Eine Eselkarawane kam vorbei, ein kleiner Junge rannte!!! die Treppe hoch Und 2-3 Leute begegnet mir auf der Strecke. Es können auch mehr gewesen sein, weil ich eigentlich nur auf dem Boden geguckt habe. Aber nach einer halben Stunde (ich war wieder viel zu früh da) war ich unten. Jetzt war ich froh, mich wieder mal hinsetzen zu können und die Nase in die Sonne zu halten. Die war für diese Uhrzeit schon sehr stark, aber Schatten war ja auch nicht zu sehen.
Soweit die gute Nachrichten. Die schlechten: gestern Abend hatte ich Besuch. Herr Montezuma war da, und wie ich jetzt nach dem Frühstück weiß, war es der Junior. Mittlerweile ist der Senior angekommen.
Keine schöne Vorstellung, wenn man wenn man den ganzen Tag im Bus sitzt.
Bus ist auch so ein Thema für sich. Der Reiseführer weiß:
„Es gibt ständig Berichte über böse Vorfälle mit Reisenden in illegalen Kleinbussen und Taxis, die Dienstleistungen von Copacabana und La Paz anbieten, insbesondere bei solchen, die nachts in La Paz ankommen. Syndikate, die sich als Mitreisende ausgeben, entführen und halten Touristen gefesselt und mit verbundenen Augen für mehr als 24 Stunden, während ihre Bankkonten auf den maximal zulässigen Betrag erschöpft sind. Die kleineren Kleinbusse sind gefährlicher - sie sind in der Regel voll mit Menschen und neigen zu Geschwindigkeitsüberschreitungen. Reisende werden ermutigt, die formellen Touristenbusse (oder die größeren Busse) zu nehmen und ihre Reise so zu planen, dass sie tagsüber ankommt.“
Genau das hatte ich aber auf Hin- und Rückfahrt berücksichtigt.
Aber soweit sind wir noch nicht. Erst mal mussten wir auf das Boot von Yumany nach Copacabana.
Das Boot war rekordverdächtig überbelegt. Ich hatte mich ja am Anfang beeilt, drauf zu kommen und wollte dann dieses Mal doch im Innenraum sitzen. Ganz vorne war ein Platz frei und da war auch etwas Platz für mein Gepäck. Bingo.
Ich hatte leider nicht gesehen, dass ich da nicht ganz aufrecht sitzen konnte, sondern wegen der schrägen Frontscheibe musste ich etwas schief sitzen. Dann sammelten sich innerhalb von Sekunden weitere Gepäckstücke an, so dass man seine Füße auch nicht mehr bewegen konnte. Hinten im Cockpit ist es immer sehr laut und man kriegt auch oft die Auspuffgase mit. Hier vorne im Schiff ist es leise und es kommt kaum noch Luft an. Alles hat seine Vor- und Nachteile.
Die beiden Mädchen, die ich letztens im Café getroffen habe, waren auch an Bord und wie ich erfahren habe, fahren Sie auch direkt weiter nach La Paz. Das Wetter heute ist unglaublich. Strahlend blauer Himmel und die Sonne scheint. Nach anderthalb Stunden kommen wir an und ich bin froh, meine Beine wieder bewegen zu können. Alles stürmt zum Ticket Office, aber ich habe zum Glück schon meine Karte. Also suche ich mir irgendwo ein kleines Café, wo ich im Schatten sitzen kann.
Leider hat mein Magen mir heute (ich sprach darüber) ein bisschen die Freundschaft aufgekündigt. Deshalb ist mit Essen nicht viel drin, und auch mit Trinken muss ich ein bisschen vorsichtig sein.
Ich ging ein kleines Café und bestellst mir dort einen Kaffee. Was besseres fiel mir tatsächlich nicht ein. Ich habe circa einen Teelöffel voll davon getrunken als Mister Montezuma meinte: nein! Tue das nicht. Ich fragte dann die Kellnerin, ob sie eine Toilette hätte, aber Fehlanzeige.
Also ging ich los zur öffentlichen Toilette auf der Hauptstraße. Über Aussehen der Toilette und über das weitere will ich hier nicht sprechen. Aber wir alle können stolz sein auf Mister Montezuma.
Zum Glück packt meine Frau mir immer ein völlig geniales Medizin Päckchen zusammen. Das sind Mittel gegen Krebs, eingewachsene Fußnägel und plötzlich auftretende Sprachhemmung drin (um nur einige Krankheiten zu nennen) und eben auch Tabletten gegen Durchfall. Ich nahm sofort die Anfangsdosis und ging dann erst mal zu dem Bus Büro.
Dort habe ich wieder die beiden netten Mädchen und etwas später fuhr der Bus auch los.
Ich will jetzt nicht sagen, dass die Busfahrt Spaß gemacht hat. Erst mal kenne ich alles von der Hinfahrt und außerdem sind die Bodenwellen und Schlaglöcher nicht nett zu mir. Es ist so, als ob Mister Montezuma mir ins Ohr flüsterst: sollen wir noch mal? Sollen wir noch mal? Sollen wir noch mal?
Aber wir kommen voran. Neben mir sitzt eine ältere Dame, so ungefähr in meinem Alter oder vielleicht höchstens vier oder fünf Jahre jünger, aber sie ist sehr wortkarg. Als wir dann in San Pedro ankamen, war sie sehr verunsichert und wusste nicht was da abging. Wir mussten ja, wie auf der Hinfahrt, den Bus verlassen, und mit kleinen Booten über die Meerenge fahren.
Ich erklärte ihr das und taute sie etwas auf. Aber sie blieb leider sehr schroff und auch wirklich unfreundlich. Ich unterhielt mich ein wenig mit ihr und erfuhr, dass sie aus Dänemark stammt dass sie gerade aus Puno angekommen sei, das ist in Peru.
In Ekuador war sie auch schon und ist dort für einen Tag Trip auf die Galapagos Inseln gefahren.
Insgesamt aber, später im Bus, hat sie an allen irgendwas rum zu meckern gehabt und auch wenn ich was sagte, war sie einfach unfreundlich. Sie meinte zum Beispiel, Potosi liege auf 5000 m und ich sagte nein das stimmt nicht und dann sagte sie: doch.
Zwischendurch kriegte ich dann immer Einflüsterungen von Mister Montezuma. Wir nähern uns langsam der großen Stadt und die Laune besserte sich etwas, nur die Hitze im Bus und die ziemliche Enge blieb nervig.
Kurz vor La Paz geschah dann das Unsagbare. Unser Fahrer fuhr von der Straße ab und fuhr auf immer kleinere Straßen, bis er sich in einem Gebiet verfahren hatte, wo nur noch Schlammwege waren. Wir sind teilweise durch tiefen Schlamm gefahren und haben dann auch jedes Mal applaudiert, wenn wir es tatsächlich geschafft haben. Der Fahrer hatte sich komplett verfahren in einer komplett unwirklichen Gegend, die eigentlich nur mit Geländewagen befahrbar gewesen wäre.
Das riesige Areal bestand nur aus unfertigen Wohnhäusern und unfertigen Industrie betrieben. Und natürlich aus unfertigen Straßen. Zwischendurch mal ein Friedhof, aber sonst war hier auch nichts, auch keine Menschen.
Der Fahrer hatte überhaupt keine Ahnung, wo er war und wo er hin sollte. Irgendwann ging eine der Fahrgäste nach vorne mit seinem Handy, und hat ihm wohl versucht, mit Google Maps den Weg aus dem Labyrinth zu zeigen.
Das war aber auch nicht so einfach, weil zum Beispiel eine Straße, die auf Google Maps gut aussah, mit Bauschutt versperrt war. Hier in dieser Gegend ist noch nie ein Reisebus gewesen. Nachdem der eine Mann mit Google Maps geholfen hatte, ging es erst mal ein Stückchen nach vorne.
Mein Problem dabei war nur, dass dieses schaukeln und die tiefen Schlaglöcher für meinen Magen nicht so ganz das wahre waren und dass der ohnehin mit einer Ankunft um 17:00 Uhr und dann mit einer Toilette gerechnet hatte, aber hier in diesem Gebiet waren wir noch 19 sehr sehr lange Kilometer vom Busbahnhof entfernt.
Das GPS führte uns auch verschlungen Wegen durch dieses gruselige Gebiet.
Jedes Mal, wenn wir durch so ein Schlammloch fuhren, neigt sich der Bus gefährlich zur Seite und meistens klatschen wir auch danach. Weil wir wirklich froh sind, dass er nicht umgekippt ist. Einen ähnlichen Spannungsbogen haben wir beim Unterfahren von irgendwelchen Leitungen, sei’s Strom oder Telegrafenleitungen, weil der Bus wirklich sehr hoch ist.
Bis wir an eine Kreuzung kamen von zwei kleinen Straßen.
Mit einem großen Bus.
Rechts auf der Seite stand ein Betonpfeiler, ohne den man vielleicht um die Kurve herum gekommen wäre. Aber zusätzlich zu den Betonpfeiler lagen unten noch zwei Autoreifen, die voll mit Felsbrocken beschwert waren.
Da würde er auf keinen Fall rumkommen. Tatsächlich sprang ein paar Mädchen auf, gingen raus und fingen an, die Felsbrocken wegzuräumen. Dank meiner Nachbarin (ich saß am Fenster) kann ich natürlich nicht raus, sonst wäre ich da auch hingegangen, denn die Weiterfahrt war durchaus in meinem Interesse.
Die Mädchen, und hinterher auch noch ein paar Männer, räumten die teilweise schweren Brocken weg und dann wurde ein Versuch gestartet. Es ging wirklich um Millimeter, die der Bus in Schneckengeschwindigkeit um die Kurve herum fuhr, ohne anzuecken. Dann dauerte es noch vielleicht 5 Minuten, die wir über diese Schotterstraßen fuhren, bis wir auf eine Asphaltstraße kamen. Hier waren wir dann im Feierabend Stau.
Der Wagen ruckeltete über die mit Schlaglöchern übersäte Straße, und jeder Schlag kam in meinem Magen an. Es war so, als ob Mister Montezuma auf meinem auf meiner Schulter saß und immer sagte: jetzt! Jetzt gleich! Ich bin soweit!
Es war furchtbar. Der Stoßverkehr hatte uns im Griff und wir kamen nur Millimeterweise voran. Laut Google Maps hatten wir jetzt noch 17 km bis zum Bus Terminal. Ich sah aus dem Fenster, und sah den Flughafen.
Da schoss es mir durch den Kopf: Flughafen! Da wohne ich doch! Also gucke ich kurz auf Google Maps und tatsächlich es waren weniger als anderthalb Kilometer bis zu meinem Hotel. Also scheuchte ich die dänische Frau neben mir auf und sagte, steh mal auf ich steig aus. Sie guckte mich sehr verwundert an, aber das interessiert mich jetzt nicht mehr.
Wir standen gerade an einer sehr stabilen Ampel und ich kämpfte mich durch den engen Gang nach vorne. Alle guck mich sehr erstaunt an. Ich machte dann die Türe zum Pfahrerraum auf und sagte, ich will aussteigen.
Nein, meinte der Fahrer, das sei hier nicht das Terminal. Ich sagte, ich weiß. Er meinte, wie wir hier in Alto. Ich erwiderte ja, ich weiß, ich will hier raus.
Da lacht er und wünsch mir einen guten Weg.
Und es war so, wie ich mir gedacht habe. Nach etwas mehr als einer Viertelstunde stand ich vor dem Hotel. Der Bus war sicherlich noch eine knappe halbe Stunde vom Terminal entfernt. Von da aus hätte ich noch wieder hier hochfahren müssen mit einem Taxi oder mit der Seilbahn und das hätte alles viel länger gedauert. Im Hotel empfingen mich eine freundliche Dame und bedeutete mir, dass der Typ, der das einchecken macht, gleich kommen würde. Aber das lehnte ich ab.
Ein Badezimmer! Waren meine einzigen Worte. Ich brauche dringend ein Bad. Dann war sie aber auch so freundlich, weil sie auch mein Gesicht gesehen hat und öffnete mir das winzige Angestelltenbad. Viel länger hätte das nicht mehr funktioniert. Mr. Montezuma war zufrieden.
Das Hotel liegt 2 km vom Flughafen entfernt und hat es daher nicht nötig, irgendwie schön zu sein. Die Zimmer sind sauber, aber fensterlos und sie haben ein Bad, jetzt bitte festhalten: in einer Art Wandschrank.
In der Wand ist eine Glastür und da kann man reingehen und entweder ist man in einer Duschkabine mit Toilette oder in einem Kloschrank, in dem es regnet.
Sowas habe ich in der Tat noch nie gesehen. Aber egal
Mein Problem ist, dass morgen um 5:45 Uhr mein Flieger nach Lima geht. Eine unchristliche Zeit, ließ sich aber nicht anders machen. Deshalb, so hat mir der Rezeptionistin geraten, Abholung um 3:45 Uhr. Da brauche ich auch kein Fenster. Allerdings ist es hier im Zimmer furchtbarkeit kalt. Aber auch das werde ich überstehen.
Ich bin dann kurz noch mal rausgegangen, weil ich auf Weg hierher einen Markt gesehen hatte. Es war einer der Märkte , wie sie mir gefallen, aber für die Lage weit draußen war es mir in Bezug auf Taschendiebe dann doch etwas zu eng. Also brach ich die Exkursion nach einer Viertelstunde ab und bin wieder ins Hotel zurück. Auf dem Markt gab es mehrere Stände mit Essen, aber ich habe gemerkt, wenn ich das nur rieche, klopft mir wieder ein mexikanischer Herr auf die Schulter.
Also gibt es heute nichts zu essen. Morgen ist dann auch noch ein Tag, allerdings ein langer. Ich fliege nach Lima in Peru, habe dann da ein paar Stunden Aufenthalt und steige um nach Quito. Dort habe ich noch mal 1 Stunde Aufenthalt und steige dann um nach Cuenca. Das wird ein langer Tag. Wenn ich alleine fliege, kriege ich das hin, wenn der Mexikaner mitkommt, ist das doof.
Eine harte Fahrt
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