Donnerstag, 1.5.2025 Vulkane im Nebel

Jetzt haben wir schon Mai. Im Februar bin ich gestartet und habe wieder mal die Tulpensaison bei uns im Garten verpasst. Und die Spargelsaison läuft schon auf Hochtouren: ohne mich! Einerseits freue ich mich total auf zu Hause, auf Daggi vor allen Dingen, auf Freunde und Familie, auf meine kleinen Jobs, auf die Muckibude, einfach auf das normale Leben. Und andererseits….


Beides ist schön: das Wegfahren und das Heimkommen. Aber wie ein weiser Mann mal gesagt hat: nach der Reise ist vor der Reise! Aber erst mal bin ich noch in Quito.


Die erste Aktion heute war Geld holen. Jetzt muss ich wieder rechnen, damit am Schluss nichts übrig bleibt. Ich wollte eigentlich gestern Abend Geld holen, aber in der Dunkelheit war mir das zu unsicher. 

Heute war es zu 500 % sicher! Offensichtlich gibt es hier auch den 1. Mai mit entsprechenden Demonstrationen und genau an der Bank war eine Absperrung und circa 30 Polizisten standen ganz in der Nähe von dem Geldautomaten. Habe mich selten so bewacht gefühlt. 



















Ein Stückchen oberhalb von meinem Hotel ist auch noch mal ein kleines Zentrum mit einer ebenso kleinen Fußgängerzone. Hier befindet sich das Teatro Bolivar. Das Teatro Bolívar ist eine Bühne und ein altes Kino, das sich im historischen Zentrum befindet. Es bietet Platz für 2.200 Personen . Das Gebäude wurde mit einem Art-Deco-Einflussstil auf einer Fläche von 5.800 Quadratmetern entworfen und am 15. April 1933 eingeweiht. Der erste Film, der im Theater gezeigt wurde, war Das Kreuzzeichen von Cecil B. DeMille, mit einer anfänglichen Kapazität von 2.400 Zuschauern. Zu den Aufführungen, die an diesem Ort angeboten wurden, gehören unter anderem die Präsentation des russischen Balletts Berioska, des Schwarzen Theaters in Prag und des Philharmonischen Orchesters von New York.

Ein beeindruckender Bau, der die alte Zeit quasi atmet.


Daraufhin bin ich dann nach Carcelen (das ist das Busterminal, das ich morgen brauche, eines von 4en) gefahren. Das war schwieriger, als ich dachte, weil die Verbindung, die Google mir gezeigt hatte, offensichtlich nicht funktionierte. 

An der Bushaltestelle haben dann ein Angestellter der Busgesellschaft und zwei Polizisten mir versucht zu erklären, was ich machen muss. Offensichtlich muss ich umsteigen. Die eine Polizistin hatte den Bogen raus: sie sprach in  wenigen und einfachen Worten und untermalte alles mit Handzeichen und Gesten. Super! Bei solchen Aktionen komme ich mir immer vor wie ein Tollpatsch auf Reisen, aber ich bin sehr froh, dass es funktioniert. 


Okay, so habe ich dann eine erste Tour gemacht bis nach Rio Coca und dort  wusste ich nicht weiter. 

Aber hier war eine Informationsstelle und ein junger Mann erklärte mir wortreich, was zu tun sei. Es waren wahrscheinlich 20-25 Sätze, die er zu mir gesagt hat, von denen ich nicht einen verstanden habe. 


Das lag aber auch daran, dass es insgesamt sehr laut war und er durch ein kleines Loch in der Glasscheibe mit mir sprach. Ich entschuldigte mich, dass mein Spanisch nicht so gut sei, worauf er wortlos auf seinem Kabäuschen  kam und mit mir über 100 m weit zu der Haltestelle ging, wo der Bus nach Carcelen abging. Diese Hilfsbereitschaft…










Auf diesem Touren sehe ich natürlich relativ viel von Quito. Es ist eine durchaus moderne Stadt. Der Verkehr ist aber auch wie in einer modernen Stadt. So richtig schön kann ich die Stadt nicht finden, aber ich erkenne schon, dass sie viele Gesichter hat. Quito scheint wirklich sehr groß zu sein. Wir fahren immer höher und immer höher und offensichtlich geht die Strecke über einen Bergrücken, weil manchmal kann ich links unten Quito sehen und manchmal rechts. Ich schätze, dass wir 300 m bis 400 m über der Stadt sind.Aber natürlich sind wir immer noch in der Stadt. 






Am Terminal kann ich mich dann beruhigen. Die Busse nach Otavolo fahren offensichtlich stündlich und auch am Wochenende. Und auch in der gleichen Frequenz zurück. Das war im Internet so nicht herauszubekommen. Deshalb war ich ein bisschen nervös, vor allem weil ich von Otavolo aus direkt zum Flughafen fahren will. Das sollte nicht schiefgehen. Die Frau gab sich viel Mühe, mir den Fahrplan zu erklären und ich fragte viel zurück, aber irgendwann hatte ich es kapiert. 

Im Weggehen tippte mir ein junger Mann auf die Schulter und hielt mir sein Handy unter die Nase. Da stand in der Übersetzungsapp auf Englisch: „die Busse fahren den ganzen Tag über im Stundentakt hin und her!“ Sind die nicht klasse hier??


Als das soweit geklärt war, bin ich dann mit einem Taxi zur Teleferico gefahren.  Heute früh sah der Himmel über den Bergen vielversprechend aus. Im Taxi lief ganz gute für Musik, alte, internationale Hits und damit endlich mal etwas anderes als dieses spanischen Schmacht-Lieder, die man sonst immer so hört. Aber auch hier hörte ich wieder Moskau, Moskau, dieses alte Lied von Dschingis Kahn. 

Eigentlich wollte ich ja mit dem Bus fahren, aber die Information, dass man von der Busstation aus noch 27 Minuten laufen muss, hat mich etwas abgeschreckt. Und als ich dann mit dem Taxi an der Station abgesetzt wurde, habe ich mich beglückwünscht. Die 27 Minuten waren bergauf. An der Station selber erwartete mich eine lange Schlange, aber jetzt gab es kein Zurück mehr.











Die Schlange am Ticketverkauf kommt nur langsam voran, keine Ahnung, was die da davor treiben. Und es ist trotz des relativ großen Andranges auch nur eine Kasse auf. Hier gibt es auch eine Maßtabelle für Hunde. Ganz offensichtlich darf man Hunde mitnehmen und Hunde bis 30 cm sind gratis. Dann geht die Tabelle bis 80 cm hoch. Die müssen dann für Erwachsene bezahlen. 


Wir sind hier auf 3200 m, ich bin gespannt, wie weit es noch nach oben geht. Um mich herum höre ich mehrere deutsche Stimmen. Das sind aber auch die ersten hier in Ecuador, glaube ich. Die Fahrt dauert dann insgesamt 18 Minuten und geht über zweieinhalbtausend Meter. Als wir oben ankommen, sind wir auf 4050 m.


Beim Bezahlen fragte mich die Kassiererin irgendwas und in dem Satz kam das Wort Problem als vor. Ich fragte sicherheitshalber noch mal nach, verstand aber auch dieses Mal nur dieses eine Wort. Ich nehme an, sie wollte wissen, ob ich gesundheitliche Probleme hätte wegen der Höhe. 














Oben stand dann ein Schild, dass es hier Probleme geben könnte für ältere Leute und für Leute mit Übergewicht. 

Zu spät! 

Leider merke ich sehr schnell, dass es dunstig/nebelig ist. Die Deutschen gehören offensichtlich zu einer Gruppe oder es ist eine Familie oder Freunde oder irgend so etwas. Ich habe mich nicht geoutet und so erzählen sie von den letzten Tagen hier in Ecuador. Offensichtlich gibt es innerhalb der Gruppe viel Streit und ich denke, jeder schiebt dem anderen die Verantwortung dafür zu. Es geht um die Aktionen, also was gemacht werden soll und wer auf die Kinder aufpasst und wann man wo essen geht. Also es geht um alles. Ich mache ganz viele Kreuze, dass in meiner Gruppe Harmonie herrscht


 Oben ist leider dichter Nebel und es ist auch sehr kalt. Naja, war ein Versuch wert. Jetzt bin ich wenigstens mal wieder auf 4000 m und habe es wieder etwas schwieriger mit dem Atmen. Nach kurzer Zeit war mir klar, dass das hier keinen Sinn machte. Also machte ich mich wieder auf die 18-minütige Fahrt nach unten.

Hier hatte ich jetzt das Glück, eine ganze Gondel für mich zu haben. Auch schön!


Am Fuß des Berges, hatte ich über eine Viertelstunde lang gestanden und auf einen Bus gewartet. Es kamen mehrere Busse, aber keiner wollte dahin fahren, wo ich hin wollte. Dann habe ich meine Strategie geändert und habe nicht mehr eine bestimmte Haltestelle angegeben, sondern nur, dass ich ins Centro Historico will. 














Und das funktionierte auch sofort. Der Busfahrer sagte ja, er fährt in die Richtung und ich müsste etwas laufen. Dann warf er mich 20 Minuten später an einer Brücke raus, sagte ich, solle über die Brücke gehen und dann immer geradeaus. Von der Brücke aus könnte ich schon die Kathedrale sehen, das war ideal! Ein sehr verrückter Ort und diese Metallbrücke, die auf Betonpfeilern stand, wackelte etwas. Auch eine spannende Erfahrung.

Video

Aber von hier aus war es nur 10 Minuten bis ins historische Zentrum, wo auch viel abgesperrt war und extrem viel Polizei kontrolliert. Alle Straßen in der Fußgängerzone waren mit Gittern gesperrt und man konnte nur durch eine kleine Öffnung hindurchgehen. Hier wurden offensichtlich Gesichtskontrollen oder Ähnliches gemacht . Dann entdeckte ich zufällig ein kleines Restaurant, das brechend voll war. Das ist immer ein gutes Zeichen, also nichts wie rein. 


Die Hälfte der Speisekarte bestand aus Ceviche, die hatten hier auch verschiedene Varianten mit Rind und Schweinefleisch auf der Karte. Das war für mich natürlich die Gelegenheit, das einmal ausprobieren. Ich wählte eine Variante mit Schweinefleisch. Die sehr freundliche Kassiererin zeigte mir, wie man sich selbst die entsprechende Sauce zusammen mischen kann. Was soll ich sagen? Es hat super geschmeckt. Ich hing dann gemütlich nach Hause und auf den letzten paar Metern fing es ein wenig an zu regnen. Es scheint hier die Regel zu sein, dass der Regen gerne am Nachmittag kommt. Naja, erst mal Pause machen.




Die guten Restaurants machen nachmittags dicht!

Nach der kurzen Pause bin ich dann noch mal zu der großen Busstation oberhalb meiner Unterkunft gegangen. Dort war es wie immer sehr voll und so langsam erhebe ich Anspruch auf das schwarzen Gürtel im Busfahren in Ecuador. 


Ich will zum Amazonas Museum, das sind nur zehn Stationen und der Wachmann, der am Bahnsteig steht, gib mir jedes Mal Zeichen, wenn ein Bus kommt: Den nicht! Den auch nicht! Den! 




Mit guter Assistenz kommt man hier prima durch die Stadt. Die Busse hier sind sehr lang und haben im Gegensatz zu unseren zwei Gelenke. Bestimmt auch nicht einfach zu fahren, vom Fahrstil her erinnert es mich aber eher an ein Go-Cart. Wie immer muss man sich höllisch gut festhalten. 


Im Museum empfangen mich zwei hübsche Mädchen und ein martialisch aussehender Wachmann. Ich muss mich kurz registrieren und dann geht es auch schon rein. 














Zuerst werden Werkzeuge und Lebensumstände gezeigt aus den Jahren 700 v. Chr. und um 1200 n. Chr. In der Zeit haben wir die Ureinwohner in einfachen Hütten gewohnt, von der Jagd und vom Maisanbau gelebt. Wahrscheinlich haben wir schon früher Menschen gelebt, aber dazu gibt es keine Funde. Das Museum selber nennt sich Abya yala, das ist die Bezeichnung des Kontinents, den die Indios damals benutzt haben. Es ist Teil der Universität von Quito.
















Es wären Gebrauchsgegenstände gezeigt, aber auch Schmuck, den wahrscheinlich die Häuptlinge getragen haben. Es gibt auch interessante Fotos von den Völkern, die als Nachfahren dieser Ur-Völker noch heute in den Amazonas Wäldern leben. 

Auch ausgestopfte Tiere aus den Wäldern werden gezeigt und leider Gottes auch Fotos von der Abholzung. In einem anderen Bereich werden auch Schrumpfköpfe gezeigt und eines der Mädchen kommt zu mir und zeigt mir auch genau, welche Schrumpfköpfe echt sind und welche nicht. Es ist erstaunlich, wie klein die Köpfe sind. Die einzelnen Völker, die im Amazonas leben, sind nicht groß. Manche bestehen aus 800 Menschen, manche aus 2000 andere nur aus 200. Die Bezeichnung Völker ist erst später gewählt worden und bezeichnet eigentlich nur Menschen in einem gemeinsamen Sprachraum.

Es ist ein kleines, aber feines Museum und wieder so eines, dass nicht viele Besuche bekommt. Schade eigentlich!













Das Viertel, wo das Museum ist, ist ganz offensichtlich das Universitätsviertel. Man sieht hier viele Institute und natürlich noch viel mehr junge Leute herumlaufen. Obwohl ich ein Stückchen außerhalb bin, habe ich hier überhaupt kein Unsicherheitsgefühl. Ein sehr lebendiges Viertel. Ich gehe noch in ein kleines Café auf einen Cappuccino und siehe da: außerhalb des Centro Historico ist der Kaffee auch deutlich billiger. Die Rückfahrt war wieder sehr chaotisch, der Fahrstil ist unbeschreiblich. Es wird hart beschleunigt und ebenso hart gebremst und es ist ein Wunder, dass nicht mehr passiert.


Abends habe ich dann tatsächlich eine Imbissstube gefunden, die vielleicht mal ein Restaurant werden wollte. Die Speisekarte war noch sehr pommesbudeartig, aber es gab vernünftige Stühle und Tische, also eher was gemütliches. Ich habe ein Chaulafan gegessen, ohne zu wissen, was es ist, aber man lernt dazu. Dazu ein Bier, und die Frau stellte mir die Flasche einfach auf den Tisch. Ich lächelte und sagte, können Sie die bitte aufmachen und sie griff mit der Hand nach dem Kronkorken und ein kurzer Dreh und die Flasche war auf. So etwas hatte ich ja noch nie gesehen und habe das auch entsprechend gelobt. Sie lachte aber nur. 






Als sie dann ging, habe ich genauer hingesehen. Und ja, es war ein Drehverschluss, der aussah, wie ein Kronkorken. Cool! Chaulafan ist ein Reisgericht mit Shrimps, Hühnerfleisch und Ei. Sehr lecker! 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Freitag, 9.5.2025 Rückreisetag

Donnerstag, 8.5.2025 Teleferico und Chinatown

Mittwoch, 30.4.2025 Kirchentag