Mittwoch 7.5.2025 Erkundung von Santo Domingo
Gestern Abend war ich noch in der wirklich schönen Fußgängerzone essen. Die Restaurants dort sind überhaupt nicht touristisch und haben auch keine überzogenen Preise. Ich habe dann einen kleines Restaurant gefunden, die Chicharron hatten. Das ist bei weitem das Ungesündeste und Schädlichste, was man essen kann, aber man kann es essen und es ist unheimlich lecker.
Käfer Polizeiwagen in Santo Domingo!
Es war nur eine Kleinigkeit, aber es reichte mir und danach bin ich auch durch die ziemlich leere Fußgängerzone nach Hause gegangen.
Ziemlich leer bedeutet natürlich nicht ganz leer. Die Geschöpfe der Nacht sind herausgekommen und buhlen hier um Kundschaft.
Beim Frühstück ist mir erst mal aufgefallen, dass am Wasserhahn ein großes Schild ist: kein Trinkwasser! Das hatte ich gestern nicht gesehen, also musste ich erst mal in den nächsten Shop und Wasser kaufen. Die gab es dort in einem homöopathischen Gebinde und in einem Behälter mit mehreren Hektolitern. Notgedrungen musste ich mich fürs zweites entscheiden, aber dann konnte das Frühstück starten.
Hier ist ein Gasherd, da kann man mit einem kleinen Topf Wasser heiß machen für den Kaffee, unglücklicherweise kann man den Topf aber hinterher nicht mehr anfassen.
Die Dusche hat wieder einen Durchlauferhitzer im Duschkopf und der funktioniert leider nicht. Also musste ich kalt duschen was zwar nicht so schlimm ist, aber warm ist schöner. Dann bin ich natürlich wieder in die Fußgängerzone gelaufen, die morgens sehr leer ist. Aber auf den ersten 200 m wurde ich bereits dreimal angesprochen, ob ich eine Massage möchte. Das ist natürlich sehr freundliche und rücksichtsvoll von den Leuten, aber ich müsste da noch ein wenig drüber nachdenken. Spoiler: es hat sich nicht um eine medizinisch implizierte Massage gehandelt.
Als ob ich nicht schon genug Kirchen gesehen hätte, bin ich dann in die Kathedrale gegangen. Es ist die älteste Kathedrale in Amerika, und sie ist sicher in bewundernswerten Zustand.
Ich habe mir, Kulturbeflissen, wie ich bin, zusätzlich zum Eintritt einen Audioguide gemietet, der mich aber nicht sehr begeistert. Man kann an einzelnen Stationen Nummern eingeben, und dann erzählt der Guide einem etwas über diese Station / über dieses Bild / über den Altar oder über die Architektur. Vom Ansatz her ist das schön, nur besteht der Vortrag zu mindestens 50 % aus den Namen von Leuten die da mitgewirkt haben.
Ich muss zugeben, dass mich die Namen nicht so sehr interessieren.
Draußen ist es auch um diese Uhrzeit schon sehr warm, deshalb war ich froh, in die Kühle der Kathedrale eintauchen zu können. Leider Gottes (nomen est omen) sind hier Besucher mit Tanktops nicht zugelassen und so erhalte ich eine wärmende Decke, die ich über meine nackten Schultern legen muss.
Pech gehabt.
Eigentlich darf man ja auch nicht mit kurzen Hosen rein, ich sehe auch andere Touristen, die sich die Decke wie ein Rock um gebunden haben. Also von rechts wegen hätte ich zwei Tücher kriegen müssen, aber das wollte man offensichtlich nicht.
Ich glaube sehr gerne, dass das die älteste Kathedrale in Amerika ist, genauso wie ich glaube, dass ich jetzt hier im Moment der älteste Besucher in diesem Gotteshaus bin.
Das ist aber nichts Besonderes und so ist es auch mit dieser Kirche: etwas besonderes (außer dem Alter) gibt es hier nichts zu sehen. Kein wow Effekt , wie ich ihn in anderen Häusern gesehen habe. Einzige Besonderheit vielleicht ist, dass in einer der Seitenkapellen für eine Zeit lang die sterblichen Überreste von Christoph Kolumbus gelegen haben sollen.
Aber er hat dann wohl auch vorgezogen, woanders hinzugehen.
Was auch noch sehr schön war, ist die Tatsache, dass ich einem Messdiener noch nie so nah gewesen bin. Auch wunderbar!
Vor der Kathedrale, an der Kolumbusstatue, fanden gerade Filmaufnahmen statt. Es waren auch überall Schilder. Da war der typische Regisseur, der immer seine Anweisungen gerufen hat und offensichtlich schlecht gelaunt war, und eine sehr hübsche Schauspielerin, die dabei gefilmt wurde, wie sie ging. Das ganze fand auf einem Laufband statt, was natürlich die Filmaufnahmen etwas erleichtert. Sie trug eine relativ warme Jacke, und nach dem Dreh setzt sie sich auf einen Stuhl, und eine andere Frau fächelte ihr frische Luft zu. Sowas möchte ich auch mal haben.
Um mit den Worten des Bachelors zu kommentieren: Für die Kathedrale habe ich leider keine Rose, für das nun folgende Fort schon.
Nächster Programmpunkt war, wie gesagt, das Fortoleza Ozama. Es sind die teilweise sehr gut erhaltenen Überreste des ältesten Forts hier in Santo Domingo.
Am 15. April 1502 ist eine Flotte von 32 Schiffen mit Soldaten und 2500 Siedlern hier angekommen. Sie haben ihre Sämereien mitgebracht, Zuckerrohr, hunderte von Pferden, Eseln und Maultieren und andere domestizierte Tiere. Damit begann hier eine großangelegte. Kolonisationswelle.
Das Fort liegt strategisch günstig an der Flussmündung vom Meer und konnte von hier aus Feinde, die den Hafen anlaufen wollten, bekämpfen. Hinter dem Fort gibt es noch zwei weitere Forts mit großen Kanonenbatterien, die eine Eroberung der Stadt nahezu unmöglich machten.
Am Eingang spricht mich ein Tourguide an, der mich hier schon gestern bearbeitet hat, aber gestern habe ich ihn abwehren können, indem ich sagte ich komm morgen wieder. Jetzt hat er mich natürlich und hat mir eine ziemliche Frikadelle an die Backe gelabert. Aber auch dieses Mal konnte ich ihn abwehren.
Auf dem Gelände sind einige Informationstafeln, mit denen man sich auch so gut behelfen kann. Das Fort ist quasi vor der Existenz der Stadt entstanden und nachdem man diesen Verteidigungpunkt fertig hatte, wurde die Stadt geplant.
Man vermutet, dass es die erste wirklich geplant Stadt in Amerika war und die Planungsgrundsätze entsprechen im wesentlichen der Stadtarchitektur von Barcelona.
Recht beeindruckend ist der Pulverturm, in dem die Munition für das Fort aufbewahrt wurde. Drei der Wände sind jeweils 3 m dick, um zu verhindern, dass feindliche Kugeln das Pulver hier in die Luft jagen könnte. Die vierte Wand ist nur 1 m dick und zum Wasser ausgerichtet, so dass im Falle einer Explosion die Kraft in diese Richtung gehen würde und nicht andere wichtige Sachen zerstören könnte.
Das Tor war offen und lud mich zum Hineingehen ein, aber innen konnte ich schnell sehen, dass der Raum mittlerweile als Lagerraum für Geräte benutzt wurde. So war also auch nichts Spektakuläres zu sehen..
In der Zeit des Bestehen des Forts wurde es länger als es Gefängnis benutzt, als als Verteidigungsanlage. Vor allen Dingen politisch Häftlinge, die eine andere Meinung hatten als die herrschende Klasse, wurden hier untergebracht. Es gibt ein kleines Museum, wo man teilweise per Projektion historische Soldaten einblenden. Eine nette Idee. Die Insel galt damals als Perle der karibischen See.
Die Geschichte war durchzogen von Wundern und von den wertvollen Metallen, die gefunden worden sind, von den Edelsteinen, den Pflanzen, den Nahrungsmitteln, den Tieren und der Kultur und viele Abenteurer und Eroberer aus Frankreich, England, aber auch Indianer und Piraten haben versucht, den Reichtum der Stadt an sich zu nehmen. Deshalb war dieses Fort ein wichtiger Punkt.
Don Gonzalo Fernandez de Oviedo war lange Kommandant dieser Anlage und ist auch hier gestorben. Während seiner Zeit hier hat er das Buch „Die generelle und die naturwissenschaftlicher Geschichte der Insel“ geschrieben.
In diesem Buch hat er herausgefunden, dass der Wohlstand dieser neuen Welt in den Pflanzen, dem Tieren und den Leuten steckt. (und nicht in Bodenschätzen oder ähnlichem) deswegen wurde er Anfangs nicht sehr geschätzt.
Der nächste Punkt auf meiner Liste war das Pantheon. Hier sind alle Volkshelden begraben oder werden hier geehrt mit entsprechenden Tafeln oder Gräbern. Es ist eine gewaltige Halle mit einer noch gewaltigeren Kuppel und einer unglaublich großen Art Kronleuchter.
Am Ende der Halle ist dann so etwas wie ein Altar, und auf der rechten Seite sind die Präsidenten, auf der linken Seite sind die Generäle verewigt oder begraben. Davor, genau unter dem Kronleuchter, ist eine ewige Flamme.
Wenig später komme ich an dem Franziskanerkloster vorbei. Es war der erste Orden, der hier 1493 ankam und es ist natürlich das älteste Kloster hier in Amerika. Die Mönche haben damals auch eine Innovation geschaffen, indem sie ein unterirdisches Rohrleitungssystem gebaut haben für das Wasser.. Leider ist hier alles sehr verfallen, und es ist nicht klar, ob es nur abgesperrt wird, damit keine Unfälle passieren oder ob es saniert werden soll. Scheint aber ein beeindruckender Bau gewesen zu sein.
Nachmittags bin ich dann zum Museo de la Casa Reales gegangen.
Hier werden Schiffsmodelle gezeigt, von der Flotte des Columbus, Navigations Instrumente und es gibt Informationen zu den Missionaren, die nach Kolumbus dieses Land in Ordnung gebracht haben.
Sehr interessant auch eine Karte über die Schiffsrouten, die die verschiedenen Eroberer zwischen 1490 und 1510 gewählt haben, um in die neue Welt zu kommen. Neben Columbus waren das ja unter anderem auch Balboa, Cortes, Pizarro und auch Francis Drake.
Wenn ich das richtig verstanden habe, haben in den ganzen Jahren immer wieder Piraten, Corsaren und andere Angreifer aus Frankreich, Holland und England versucht, die Kolonie an sich zu bringen. Teilweise haben sie sich auf der Insel Tortuga festgesetzt und konnten Teile der Insel Hispaniola erobern. Vor allem die Franzosen setzten sich fest und haben zur Schaffung der Republik Haiti beigetragen.
Grenzstein!
Es wird auch ein Original Grenzstein gezeigt, von denen, die auf der Insel zwischen der spanischen und der französischen Kolonie gesetzt worden sind und die im Jahr 1772 von beiden Gouverneuren der Kolonien bestätigt wurden.
Das war die erste offizielle Grenze auf der Insel Hispaniola.
Am schönsten bei dem Museum finde ich allerdings dieses Gebäude. Es gibt mehrere Innenhöfe mit Palmen. Oben war dann unter anderem das Büro des General Kommandeurs (sehr nobel) und noch weitere Schiffsmodelle und natürlich ein paar Kanonen.
Von oben hat man auch einen schönen Blick einmal auf die Innenhöfe, aber auch auf die Außenwelt, und draußen kam gerade eine Gruppe von südamerikanischen Schönheitskönigin vorbei und ich könnte da noch ein Foto von schießen.
Und, noch etwas positives zu sagen, die Museen hier scheinen alle mehr oder weniger einen Einheitspreis zu haben, in der Regel zahlt man 100 Peso, also circa 1,50 €. Das ist natürlich spottbillig und es gibt hier auch nicht diese Diskriminierung von Ausländern, die das doppelte oder teilweise das zehnfache bezahlen müssen. Cool!
Auf dem Weg zurück in mein Viertel kam ich an einer Kneipe vorbei, wo die Männer draußen saßen und gespielt haben. Das habe ich gestern schon gesehen, dass hier relativ viel Schach gespielt wird, aber auch ein Spiel, das ein bisschen nach Dame aussieht, nur das Spielbrett ist sehr viel größer. Hier, wo ich gerade vorbeikomme, wird Domino um Geld gespielt und auch Schach (ohne Geld).
Dann kam ich noch an der kleinen, alten Kirche (Iglesia de san Miguel) vorbei. Es ist ein sehr kleines Haus, sehr schmucklos und es hat diesmal auch kein Kreuz, sondern über dem Altar einen heiligen Miguel. Einen sitzenden Jesus gab es auch, aber er schaute sehr traurig, wahrscheinlich, weil er mit dem Rücken zum Altar sitzen musste .
Fazit: ich habe heute viel gesehen, und es war auch Interessantes dabei. Der erste Eindruck von mir, als ich in der Kathedrale war, hat sich gefestigt.
Die Stadt hier ist nicht schön, sie ist alt.
Und natürlich steckt hier viel Geschichte drin, vor allem getriggert durch Kolumbus. Als ich in dem Fort war, war da ein Wärter, der mich mit einem Lächeln und einer freundlichen Geste in einen Raum geschickt oder eingeladen hat.
Das ist mir aufgefallen, weil freundliche Gesten und lächelnde Menschen hier eigentlich nur dann kommen, wenn mir jemand was verkaufen oder er einfach so Geld von mir haben will. Scheint ein komischer Menschenschlag zu sein.
Ich hatte einen guten Tag.
Auf dieser Karibischen Insel haben sich natürlich allerlei Mythen und Aberglauben gefestigt, die neben der christlichen Lehre ihren Bestand haben. So, wie bei uns eine schwarze Katze Pech bringt, tragen Neugeborene ein Armband mit Kugeln (Mal de Ojo), das die bösen Blicke anzieht und so dem Baby selbst nichts mehr anhaben können. Bei Schluckauf wird ein mit Spucke getränkter Faden auf die Stirn geklebt, dann geht der ganz schnell weg. Und Frauen, die ihre Tage haben, sollten am Besten nichts anrühren. Alles führt zu Riesenproblemen.
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